Peter Kröger

Deborah

Irgendein Geräusch, eine Störung, ein Summen und Säuseln, ich war aufgewacht und sah eine Fliege an der Wand neben dem Bett. Deborah ging jetzt zur Arbeit, von irgendwo zur Arbeit, davon war auszugehen. Es war die Zeit morgendlichen Aufbruchs, die Geschäfte öffneten, jeder versuchte, dem Tag etwas abzugewinnen, das Beste aus ihm zu machen, der Bäcker, der Friseur, die Marktfrau, Deborah in ihrer Praxis am Park mit dem Teich in der Mitte, der bevölkert ist von großen Spiegelkarpfen, Wasserratten, Blässhühnern und sonstigem Getier.

 

Ich war verlassen worden, es war die Wahrheit. Gestern Mittag hatte Deborah plötzlich gesagt: „Ich trenne mich von dir. Hilf mir mit den Koffern.“ Im Radio sang eine Frau Ein Lied kann eine Brücke sein. Ein Irrtum? Vermutlich. Es machte keinen Unterschied.

 

Hilf mir mit den Koffern.

Ich schlug nach der Fliege und verfehlte sie knapp. Der Bäcker, der Friseur, die Marktfrau mühten sich und Deborah empfing Patienten, fragte Wie geht es Ihnen? oder Warum wollen Sie sterben? Alles hatte seinen Grund. Allem war nachzugehen. Ich schaute mich um. Wo mochte die Fliege sein? Verschwunden, wie so manches, das eben noch da war.

 

 

Dr. Deborah Meyer, Praxis für Psychotherapie, Alle Kassen, dachte ich müde. Die Koffer waren schwer gewesen. Zu schwer für Deborah. Draußen hatte ein Taxi gewartet. Die Dinge änderten sich, und keiner hielt sie auf. Das Immergleiche, Deborah hörte es jetzt, Worte wie: Schon besser oder Weil alles sinnlos ist, wieder und wieder. Die Zeit heilte alle Wunden; wer hoffen wollte und hoffte, genas. Dem Leben hielt stand, wer es liebte.

 

Es war genug. Wenn alle Stricke rissen: Der Tag war noch lang. Nichts störte mehr. Deborah? Wer war diese Frau, von der alle sagten, sie mache ihre Arbeit gut? Jetzt ein Karpfen im Teich sein, ein Blässhuhn. Die Nähe spüren. Das Gift begann zu wirken. Ich schlief wieder ein und schwamm mit den Ratten.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Peter Kröger).
Der Beitrag wurde von Peter Kröger auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Neue und erotische Gedichte von Huberti Jentsch



Vom zärtlichen Betrachten einer Blume am Straßenrand.. , hin bis zur wörtlichen Gestaltung intimster erotischen Gefühle, finden wir in diesem Gedichtband Gedanken, die den Leser nicht unberührt lassen..

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Drama" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Peter Kröger

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Perlhuhn von Peter Kröger (Tragigkömodie)
Abschiedsbrief einer fünfzehnjährigen von Rüdiger Nazar (Drama)
Meine Zahnarzt Besuche von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)