Ulla Meyer-Gohr

Abenteuerlust und Frust

Mit einem Angstschrei öffnete ich die Augen. Beim Sonnenbaden muss ich eingeschlafen sein. Die gewesenen Safariwochen hatten mich fest im Griff.

Die aufkommende Müdigkeit eines ereignisreichen Safaritages,ließ mich zeitig das gemütliche Beisammensein, am Lagerfeuer, verlassen. Aus der Ferne betrachtete ich noch einmal die gemütliche Runde. – Plötzlich Gepolter und Gezerre an einer Mülltonne. Ein großer, grauer Schatten stand neben mir. Wie war es möglich, dass ein Koloss von einem solchen Elefantenbullen, ohne Geräusch, aus dem Dickicht trat, um aus einer Mülltonne entsorgte Salatblätter zu verzehren. So leise wie er gekommen war verschwand er wieder in dem nahe gelegenen Dickicht. Mich würdigte er nicht eines Blickes. Leise schloss ich die Hüttentür. Dankbar nicht die Nerven verloren zu haben.

Kenia, Tansania, Uganda eure faszinierende Tierwelt muss jetzt in den Hintergrund treten. Jetzt war Erholung , am Indischen Ozean, angesagt. Ich streckte meine strapazierten Knochen. Tat das gut !

Die Brandung rollte gegen den Strand. Es hörte sich wie ein modernes Musikstück an. Begleitet durch zwei grüne Meerkatzen, die, hoch oben, in den Palmenkronen ihr Unwesen trieben. Sie standen wie kleine Menschenkinder auf ihren Hinterbeinen und gaben ihre Gesangseinlage, durch Gekecker und Gefiepe, kund. Die Sunrise-Lodge behielten sie fest im Blick. – Vielleicht ergab sich die Möglichkeit etwas zu stehlen ?

Bibo, der Schäferhund, lag neben mir. Kein Feriengast weit und breit zu sehen. – Ich sah zur Uhr .- Es war früher Nachmittag. – Vielleicht hielten alle noch Siesta .!?

Die Hitze wurde unerträglich. Durstig schluckte ich mein Eis gekühltes Getränk hinunter. Die Eisstücke, klickertern, in dem schräg gehaltenen Glas. Die Erfrischung dauerte nicht lange an. Nur ein Bad, im Ozean, konnte die Situation noch retten. Ich rollte mich aus der Hängematte und schlug den Weg zum Strand ein. Bibo erhob sich, hechelnd, und begleitete mich. Verwundert sah ich das Tier an. – Bis jetzt war der Hund, ohne Ansprache, noch nie mitgekommen ? – Vielleicht war ihm sein Pelz zu warm und er freute sich auf eine Abkühlung im Ozean.

Eine kleine Steintreppe führte zum Wasser hinunter. Der Zahn der Zeit ließ sie zerbrechlich und angenagt aussehen.

Vor mir lag ein atemberaubendes Panorama. Ich legte die Hand über  die Augen, um nicht von der Sonne geblendet zu werden. Der Anblick zog mich in seinen Bann. Über mir wolkenloser, azurblauer Himmel, der weit in der Ferne mit dem Türkis und Smaragdgrün des Ozeans verschmolz. Schiffe glitten am Horizont auf ihren Routen einher. Durch die Entfernung sahen sie wie Spielzeug aus. Der Eindruck einer Ameisenstraße entstand..- Mit donnerndem Getöse rollte die Brandung heran und fraß sich tief in den weißen, losen Sand. Ein wellenartiges Muster entstand. Dann zog sich das Wasser wie unter einem Zwang zurück, um erneut gegen den Strand zulaufen. Das Sonnenlicht stach und holte mich aus meiner Faszination zurück. Ich zog den Sonnenhut tiefer in die Stirn. – Mein Blick fiel auf Bibo. – Aber, was war mit dem Hund geschehen. ? – Sein Nackenfell sträubte sich. Er fletschte die Zähne. Ein warnendes Grollen kam aus seiner Kehle. Langsam schob er sich vor und fixierte einen Ort, der hinter mir lag. Damit setzte er ein Zeichen. – Ich bin kampfbereit ! – Langsam drehte ich mich um. Hinter mir lag ein Palmenhain, der dicht bewachsen bis an den Strand reichte. Nichts rührte sich. Die Zeit schien still zu stehen. – Plötzlich, ein sich bewegender Schatten im Hain. Dann löste sich eine dunkle Gestalt aus dem Dickicht. Ein Sonnenstrahl ließ das Metall einer Machete aufblitzen, die der Farbige in Händen hielt. Ein zweiter Sonnenstrahl traf den Mann direkt in die Augen. Geblendet ließ er die Machete fallen. Er strauchelte, im losen Sand, und verlor das Gleichgewicht. Verzweifelt und hasserfüllt versuchte er Machete und Gleichgewicht wieder zu gewinnen. Doch die Sonne und der Sand ließen ihm keine Chance. Wut entbrannt und mit einem tierischen Aufschrei verließ er strauchelnd den Kampfplatz. Die Palmenwedel schlugen hinter ihm zusammen. Ich sah Bibo an, der wieder Bibo geworden war und freundlich mit dem Schwanz wedelte. Ich streichelte ihn. Der Hund leckte meine Hand und drückte seinen Kopf gegen meinen Körper.

„ Bibo hast du diese Situation etwa geahnt und wolltest mich beschützen ? – Komm lass uns heimgehen. Die Lust zum Baden ist mir vergangen. Erholen wir uns lieber in der Hängematte.“

Eins – Zwei, EINS – Zwei, Eins – Zwei ! Klang der militärische Schritt des Engländers William Wilkerson, früherer Käpt´n der Royal Airforce..Wie jeden Morgen überquerte er die Terrasse zum Frühstücksraum und wie jeden Morgen weckten mich diese Schritte, präsise um sieben Uhr. Wilkerson genoss die frühe Stille des Morgens mit einem ausgiebigen Frühstück bevor seine Sunrise – Lodge zu den Pflichten rief. Meine morgendliche Sauberkeitszeremonie fiel heute etwas dürftig aus. Auch ich überquerte mit schnellen Schritten die Terrasse zum Frühstücksraum.

„ Good morning, Miss Shelton heute aus dem Bett gefallen ?- Nein sie wären nicht so früh aufgestanden, wenn sie nicht einen triftigen Grund dafür hätten. Stimmts ?“

Wilkerson zwinkerte mir zu. Wie immer hatte er den Schalk im Nacken. Selbst sein blonder Schnauzbart tanzte fröhlich mit. Ich nickte.

„ J a a a ,“ stotterte ich. Das gestrige Erlebnis, am Strand, lag mir noch auf der Seele.

„ Ich war gestern das erste Mal am Strand,“ sprach ich leise weiter.“

„ Hoffentlich nicht allein ?! - Wilkerson sah mich ernst an.

„ Nein, Bibo war bei mir.Es sollte mein erstes Bad , im Ozean werden. Der Hund und ich hatten eine bedrohliche Begegnung, die Gott sei Dank, glimpflich auslief.“

Der Engländer schwieg eine Weile, dann kam das klärende Gespräch.

„ Zur Zeit sind Unruhen in diesem Land. Der Tourismus wurde zu einem wichtigen Thema in einer politischen Debatte. Man wollte den Tourismus auf Eis legen bis die Unruhe im Lande besiegt war. Aber es kam keine Einigung auf. Das Land konnte auf die wichtige Einnahmequelle nicht verzichten. Selbst Bibo und ich hatten eine Konfrontation mit einem Aufständischen. Der Hund stand kampfbereit an meiner Seite. Es ist ein mutiges Tier. Noch heute habe ich als Andenken ein paar Narben an meinem Körper.- Sie hätten keinen besseren Beschützer als Bibo gewinnen können.- Bitte, Miss Schelton, keine Ausflüge mehr ohne unsere Absprache. Wir sind für ihre Sicherheit zuständig. Sollte Schutz für sie von Nöten sein werden wir den Schutz arrangieren. Abgemacht ?“

Ich nickte

Bibo hob den Kopf und sah sein Herrchen lange an. Dann legte er, seufzend, den Kopf auf seine Vorderpfoten.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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