Hans Fritz

Klirrendes Spiel


Auf dem Aresfeld soll, wie es heisst zu Übungszwecken, eine Kampfszene zwischen zwei Heeresgruppen inszeniert werden, angeregt vom Kriegsministerium, einstudiert und überwacht, man höre und staune, von einem Zweig der rührigen Friedensbewegung ‘Alte Pioniere’.

Der Kampf ist das Ziel, wenigstens für die 3 Damen und 5 Herren, die aus den unterschiedlichsten Gründen den ‘Alten Pionieren’ nahestehen.

Die Beobachtung des martialischen Geschehens soll vom Krogunhaus aus stattfinden, einem seit zwölf Jahren leerstehenden Gebäude mit vierzehn Stockwerken, benannt nach dem Fabrikanten Karl August Krogun. Die Fabrikation von Schutzkleidung für Kampftruppen in der Gestalt quicklebendiger Menschen wurde eingestellt, als keine Aufträge mehr hereinkamen.

Das oberste Stockwerk des Gebäudes bietet einen herrlichen Ausblick. Doch der Aufstieg über ein paar hundert hartbetonierte Stufen im lichtlosen Treppenhaus muss sich wirklich lohnen, da sämtliche Lifte mittlerweile ausser Betrieb sind.

Das ganze Krogungelände ist von einem hohen stacheldrahtbewehrten Zaun umgeben. Tafeln mit roter Aufschrift auf blauem Grund warnen: ‘Betreten des Geländes strengstens verboten. Zuwiderhandlungen werden mit einer verschärften Haft von mindesten vier Monaten geahndet’. Die Attrappe einer Überwachungskamera gab schon Anlass zu verhaltenem Spott in einem Satiremagazin.

Journalistin Bea Nücklinger hat als Sprecherin der ‘Pioniere’ nach langen, teils recht zähen Verhandlungen mit dem städtischen Bauausschuss einen Schlüssel zum Öffnen der Seitenpforte des Haupttors bekommen, mit der Auflage, das Gelände noch vor Eintritt der Dunkelheit samt ihren ‘Mitläufern’ zu verlassen.

Da stehen sie nun am grossen Fenster, die ‘Pioniere’, ausgerüstet mit Ferngläsern der renommierten Marke Luginsland, um das Spektakel exakt verfolgen zu können.

Bea ist mit einer privaten, mit den 'Pionieren' eng verbandelten Fernsehanstalt verbunden und spricht in ihr was auch immer für Phon: «Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer. In unserer Livesendung zeigen wir Ihnen die neu inszenierte Probe einer Kampfszene, wie sie sich jederzeit abspielen könnte, aber allen Streits um die neu entdeckten Ölfelder zum Trotz hoffentlich nie Realität wird. Geschätzte hundert Gepanzerte sind auf jeder Seite platziert. Es sind die Knallgelben gegen die Himmelblauen aufmarschiert, gekennzeichnet mit der Farbe putziger Helme. Und schon beginnt der Kampf! Mein Gott, wie die aufeinander eindreschen! Das Geklirre der Rüstungen ist bis zu unserem Standort hier im Krogunhaus zu hören. Die Blauen scheinen die Oberhand zu gewinnen. Doch die Gelben wehren sich heftig». Jetzt folgt für eine Viertelminute ein auf- und abschwellender Sirenenton. «Nun ist offenbar Seitenwechsel angesagt», fährt Bea fort. «Das ist ja wie beim Fussball». Unterdessen scheint die kriegerische Szene zu eskalieren. Bea kommentiert: «Der Kampf geht weiter, Mann gegen Mann, bis sich keiner mehr regt. Es gibt keinen Sieger. Ein Gleichstand. Nach und nach türmen sich arg zerdepperte Recken zu beeindruckenden Stapeln. Damit ist unsere Live-Übertragung auch schon zu Ende. Danke für Ihr Interesse».

«O Gott, o Gott, nach acht Minuten nur noch Schrott», stellt Alfons Zuzelsperger, der Ex-Weisswurstfabrikant und Hauptsponsor der ‘Pioniere’, fest. «Die Schrotthändlerlobby dürfte das freuen», meint der angelsächsische Gast Eric Keepaway. «Die Ausrüstungen werden doch vom Hersteller eingesammelt und komplett rezykliert, da kommt der Schrotthändler gar nicht erst zum Zug», weiss Frau Lina Allesweiss, die Umweltschutzbeauftragte der Stadtverwaltung.

Bleibt a) nachzutragen, dass es sich, wie der Leser bereits vermutet haben dürfte, bei den Kämpen um blecherne Roboter von riesenhafter Gestalt, so zwischen Fangschrecke und Känguru handelt, bei deren blossem Anblick Menschen, die moderner Technik misstrauen, schleunigst einen nahegelegenen, gut ausbetonierten Schutzraum aufsuchen. Die als ‘Killerroboter’ verschrienen Monsteroide werden von Menschenverstand gesteuert. Dabei soll es zum Glück (?) vorerst einmal bleiben.

Bleibt b) zu hoffen, dass aus einem solchen Spiel niemals Ernst wird, wenn es sich auch nur um vom Menschen programmierte Maschinen handelt und im wahrsten Sinne eine Materialschlacht über die Bühne geht. Von den enormen Kosten ganz zu schweigen.

Doch Spass beiseite. Was heute wie ein kindisch-kindliches Computerspiel anmutet, an dem laut Internet keiner vorbeikommt, könnte morgen Realität sein. Der Mensch vernichtet sich nicht mehr höchstselbst, sondern lässt sich, sozusagen stellvertretend durch Maschinen zerstören. Eine blosse Utopie?

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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