Janna Ney

Feuer und Flamme



Es war einmal ein kleiner Drachenjunge, der mit seiner Familie in einer Felsenhöhle wohnte.
Die Dracheneltern waren mit ihrem kleinen Sohn, der den Namen Dornschwanz trug, sehr glücklich. Er war
ein lustiger Drachenjunge mit smaragdfarbenen Funkelaugen, die verräterische Funken sprühten, wenn er an
etwas Verbotenes dachte.
Dornschwanz durfte die großen Drachenväter manchmal begleiten, wenn sie sich auf die Suche nach
Nahrung machten. Eines Tages, er war gerade dabei, mit seinem Vater einen kleinen Berg zu besteigen,
geschah Unglaubliches: Der Berg setzte sich in Bewegung und begann zu schwanken. Es war ein
fürchterliches Fauchen zu hören und plötzlich waren drei riesige Drachenköpfe direkt vor ihnen: Sie standen auf
dem größten noch lebenden Drachen, von dem sie bisher nur aus dem Mund der Alten gehört hatten.
Der uralte Veteran starrte die beiden Winzlinge aus seinen sechs blutroten Augen bitterböse an, denn er fühlte
sich in seinem Mittagsschlaf gestört.
Dornschwanz erschrak fürchterlich, presste sich ängstlich an seinen Vater und hielt sich an dessen Hinterbein
fest. Ganz erstaunt merkte er, dass die dornige Haut seines Vaters sich mit einer Gänsehaut überzog, was bei
Drachen ein untrügliches Zeichen für Angst ist. Er hatte den Vater bisher immer als Helden gesehen, aber
durfte ein Held zittern? Der kleine Drache war verwirrt und flüsterte:
"Papa, hast du Angst?"
Sein Vater gab keine Antwort, statt dessen legte er seinen breiten Drachenschwanz um seinen Sohn, er
befürchtete, der Riesendrachen, dem ein schrecklicher Ruf als Monster vorauseilte, könne seinen Buben
verspeisen. Dann hob er ihn auf seinen Rücken und breitete die Flügel aus, um einen Start zu wagen.
Der Gigant stieß erneut ein schreckenerregendes, lautes Fauchen aus und aus seinen drei Mündern züngelten
lange Flammen, die haarscharf an Dornschwanz und seinem Vater vorbeischossen. Er hob eine seiner
zahlreichen Klauen, um die beiden Ruhestörer festzuhalten.
Dornschwanz hatte große Angst, denn ihm dämmerte, dass selbst sein Vater bei einem derartig riesigen
Gegner nichts ausrichten konnte. Aber so schnell wollte er sich nicht geschlagen geben.
Er holte tief Luft und dann tat er, war er seit einiger Zeit in der Drachenschule übte: Er ließ eine Flamme aus
seinem Mund lodern und schoss sie dem Riesen in eines seiner Gesichter. Der kleine Feuerstrahl traf die
Nase des Giganten und kitzelte ihn so, dass er heftig niesen musste. Er schnaubte wie verrückt und durch
den Luftstrom, der aus seinen Nasenlöchern entwich, bekam der Drachenpapa mächtigen Auftrieb und erhob
sich zum Flug.
So schnell waren sie noch nie geflogen und als sie endlich wieder zu Hause waren, erzählte der Vater stolz
der Drachenmama, dass sein Junge sich mit dem Ungeheuer angelegt hatte. Dornschwanz aber flüsterte
der Mutter ins Ohr:
"Der Papa hat Angst gehabt!" Die lachte und sagte:
"Gerade deshalb ist er ein Held. Nur wer Angst hat, erkennt die Gefahr und kann sie annehmen. Das nennt
man Mut."
Von diesem Tag an schaute sich die Familie alle Hügel, die sie besteigen wollte, sehr genau an.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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