Heinz-Walter Hoetter

Wollen wir eine schöne oder hässliche Welt?

Schönheit und ästhetisches Empfinden.


Beobachtet der Mensch beispielsweise einen Sonnenaufgang bzw. einen Sonnenuntergang oder betrachtet er ein Ölgemälde, das eine farbenfrohe Blumenwiese vor dem Hintergrund eines hohen Gebirges mit schneebedeckten Bergkuppen zeigt, die weit in den wolkenlosen, blauen Himmel hineinragen, sind wohl die meisten von von uns nicht nur tief beeindruckt von der Schönheit der Natur, der perfekten Kunst des Malers derartiger Gemälde, sondern drücken unser Empfinden darüber nicht selten mit den Worten aus: „wie herrlich, einfach grandios oder überwältigend“ (um nur einige wenige zu nennen).

Wie kommt es aber dazu und welche Einflussfaktoren bewegen den Menschen, ein Objekt bzw. irgendwelche Dinge, Tiere oder Menschen als schön bzw. als hässlich zu empfinden und dementsprechend zu bezeichnen?

Geht man der ganzen Sache näher auf den Grund, spielen Symmetrie und Harmonie eine entscheidende Rolle bei derartigen Schönheitsbeurteilungen. Hinzu kommt noch das jeweils persönliche Befinden, der kulturelle Hintergrund und einige andere Rahmenbedingungen, in denen Schön- oder Hässlichkeitsurteile abgegeben werden (die dann oft subjektiv sind).

Die ästhetische Wahrnehmung hängt also grundsätzlich von einigen wichtigen Voraussetzungen ab, wenn Menschen etwas als schön oder hässlich empfinden. Forscht man nach dem Ursprung beispielsweise der Bezeichnung „Ästhetik“, muss man sich mit der Wissenschaft von den Sinnen beschäftigen, weil es die Sinne sind, die dem Gehirn Signale / Eindrücke (Sinne = Sensoren) übermitteln und dort verarbeitet werden, wo sie schließlich zu sinnlichen Wahrnehmungen und zu ganz bestimmten Gefühlen, Eindrücke und Erkenntnissen führen.

Der Begriff Ästhetik leitet sich vom griechischen „aisthesis“ ab, was ja für
„Wahrnehmung“ und „Empfindung“, aber auch für „Erkenntnis“ und „Verständnis“ steht. Schon Platon (427 – 347 v. Chr.) sinnierte über die Lehre vom Wesen des Schönen und der Kunst nach. Er vertrat die Meinung, dass man Gefallen am sinnlichen Schönen hat, es das Abbild einer höheren Schönheit und / oder Göttlichkeit sei, die noch größere Herrlichkeit und Schönheit verspräche.
Andererseits solle Kunst lehren, niederes Begehren zu kontrollieren und somit tugendhaft zu leben und der Wahrheit nachzustreben.

Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) stellte als Schüler Platons weitere Überlegungen zu dieser Thematik an. Auch er sah in der Kunst und der daraus resultierenden Schönheit den Versuch der Nachahmung des Göttlichen und Wahren.

Forscher nähern sich heute der Frage, was am menschlichen Erscheinungsbild als ästhetisch empfunden wird. So hat man z. B. herausgefunden, dass die Figur einer Frau erheblichen Einfluss auf Schönheitsurteile hat. Hierbei spielt das Verhältnis von Taille zu Hüfte eine wichtige Rolle. Ist das Körperfett einer Frau dahingehend verteilt, das Taille zu Hüfte in einem Verhältnis von 0,7 (das THV) zueinander stehen, so wird das am attraktivsten eingeschätzt. Aber nicht nur Schönheit wird assoziiert, Frauen mit einer solcher Figur wurden auch insgesamt als gesünder und fruchtbarer empfunden bzw. eingeschätzt. Die Forscher gehen daher davon aus, dass es sich um evolutionäre Selektionsprozesse handelt, die dazu führen, bestimmte körperliche Merkmale ästhetisch zu empfinden.

In der Menschheitsgeschichte haben sich gewisse Vorlieben entwickelt, was als schön oder hässlich betrachtet wird. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich immer mehr die Einsicht durch, dass die Ursprungsbedeutung des griechischen Wortes „aisthesis“, nämlich Wahrnehmung mehr beinhaltet als die verengende Sicht auf Ästhetik als die Lehre vom Schönen und Erhabenen. Hieraus ergibt sich eine gründliche Wandlung im Ansatz und es rücken Fragestellungen der Wahrnehmungspsychologie in den Mittelpunkt. Ästhetik unterteilt oder forscht hier nicht mehr nach Kategorien wie „schön“ und „hässlich“, sondern es stehen Fragen allgemeiner Wahrnehmung im Zentrum.

Die alten Griechen hatten auf die Frage, was Schönheit ist, eine uns einfach erscheinende Antwort: Das griechische Wort für Schönheit ist »kosmos«. Es heißt gleichzeitig aber auch Ordnung und Schmuck. Diese Bedeutung leuchtet noch im heutigen Wort »Kosmetik« auf. Alles Existierende - unsere Welt, die Natur, der Mensch, die Tiere und Pflanzen, eben alle Teile des Kosmos - gehörten für die Griechen zum Schönen, da sie ein Teil der Ordnung sind.

Schönheit ist Symmetrie (dass sog. Ebenmaß).

Was macht also z. B. das eine Gesicht schön, warum wird ein anderes dagegen als hässlich empfunden? Forschungen haben gezeigt, dass vor allem die Gesichter einheitlich als schön empfunden wurden, die einen hohen Grad an Ordnung und Proportionalität aufwiesen. Gesichter mit eher unproportionalen Gesichtszügen und auffälligen Unregelmäßigkeiten innerhalb des Gesichts wurden mehrheitlich als hässlich betrachtet. Als besonders harmonisch gelten insbesondere die Gesichter mit einem hohen Maß an Symmetrie. Je unsymmetrischer ein Gesicht aufgebaut war, desto unharmonischer und hässlicher wird es empfunden. Zusätzlich haben die Ergebnisse der Forscher kaum Differenzen zwischen den Versuchspersonen verschiedener Geschlechter, Kulturen und Nationalitäten nachweisen können! Die Symmetrie als Ausdruck von Ordnung und Regelmäßigkeit scheint also eine elementare Rolle im Zusammenhang mit der Schönheit bzw. der Ästhetik zu spielen.


 

Grundsätzlich stimmt die Aussage, dass wohl die meisten natürlichen Erscheinungen ein hohes Maß an Schönheit und Symmetrie hervor bringen oder hervorgebracht haben.


 

Einzig und allein der Mensch ist es, der sich und seine Lebenswelt nicht selten deformiert, entstellt und verzerrt, ja bleibende Schönheit (siehe Zerstörung der Natur) oder dauerhafte Harmonie (mit der Natur) durch selbstauferlegte Ab- und Ausgrenzung (siehe seine künstlichen Zivilisationen) sinnlos zerstört. Er bringt es einfach nicht fertig, den Zustand der Harmonie dauerhaft in die Tat umzusetzen oder über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten (siehe z. B. seine schrecklichen Kriege, die verheerende Zerstörung der Natur überall auf dem Planeten Erde, die perverse Gier nach Reichtum und Macht, die gravierenden Unterschiede zwischen reich und arm, Streit und Unfriede überall usw.).

Es liegt am Menschen selbst, ob er in einer für ihn schönen oder hässlichen Welt leben möchte. Wendet er sich der Harmonie zu, und lebt er sie vom ganzen Herzen, wird die Welt für ihn von ganz alleine schön.



©Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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