Claudia Savelsberg

Einmal Manager sein!

Ich sitze am Küchentisch und denke nach, so über mich und mein Leben. Ja, so ganz allgemein eben. Ich bin eine „Nur-Hausfrau“ und Frauchen eines zauberhaften Hundes. Aber ich möchte auch mal was anderes sein. Ich möchte öffentlich anerkannt und geschätzt werden für das, was ich tue. Mit meiner Hausfrauenarbeit, die nicht als „richtige“ Arbeit angesehen wird, kann ich nicht groß punkten. Und die Anerkennung meines Hundes äußert sich nur non-verbal.

Es wäre doch schön, einmal ein Manager zu sein“, denke ich plötzlich. Manager managen und werden dafür hoch gelobt. Also sollte ich doch flott zum Manager umschulen, jetzt muss ich mich nur noch kundig machen, in welche Richtung es tendieren soll.

Ich suche im Internet nach Berufsbezeichnungen, in denen der Begriff „Manager“ vorkommt und nehme mir fest vor, dabei nicht über Sinn und Unsinn der Titulierung nachzudenken. Meine Recherche will ich ganz vorurteilslos angehen. Ein „Facility Manager“ ist ein Hausmeister, nur im neuen sprachlichen Gewand. Ähnlich verhält es sich mit dem „account Manager“ (Kundenbetreuer), einem „Agency Manager“ (Außendienstleiter) und dem „Branch Manager“ (Geschäftstellenleiter). Auch wenn ich nicht verstehe, warum jetzt plötzlich alles eine englische Bezeichnung haben muss, kann ich diese „Übersetzungen“ noch halbwegs nachvollziehen.

Dann lese ich „Conference Manager“, das hört sich pfiffig an. Es ist ein „Veranstaltungsleiter, der auch Reden hält.“ Aha! Und wie heißt der, wenn er keine Reden halten darf? Dann der „Welcome & Sales Manager.“ Das klingt irgendwie nett, und wer versteckt sich dahinter? Eine „Empfangskraft, die am Eingang über das Unternehmensangebot und die Bereiche informiert.“ Jedes Unternehmen beschäftigt natürlich auch einen „Dot.com-Manager“, der für den Internetauftritt verantwortlich ist.

Das verstehe ich ja noch alles, aber dann wird es abenteuerlich. Was, bitteschön, ist ein „Relationship Manager“? Jemand, der einen „engen Kontakt zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit sucht.“ Je nach dem, wie eng sich der Kontakt gestaltet, könnte es sich meiner Meinung nach um ein durchaus zweideutiges Berufsbild handeln.

Jetzt wird es spannend. Womit beschäftigt sich wohl ein „Issues Manager“? Mit großen Augen lese ich die Definition: „Er versucht mögliche Probleme zu erkennen, bevor diese entstehen und dem Unternehmen schaden.“ Ich bin echt beeindruckt. Vielleicht sollte ich mal einen solchen Herren engagieren, damit er mögliche Probleme in meinem Liebesleben erkennt, bevor sie entstehen und mir schaden.

Es ist einfach frustrierend, offensichtlich gibt es keinen Manager-Posten für mich. Zumindest keinen adäquaten. Also werde ich mein restliches Leben als Hausfrau und Hunde-Frauchen fristen müssen – ohne öffentliche Anerkennung und Wertschätzung. Ein schauderhafter Gedanke. Außerdem habe ich zufällig gelesen, dass ich mich als Hausfrau immerhin „domestic engineer“ nennen darf. Eine Frechheit, geradezu eine Diskriminierung. Ich will kein „engineer“ sein, ich will ein Manager sein.

Eine Tasse Kaffee muss her und ein bisschen Selbstmitleid, beides habe ich mir verdient. Mein Hund schaut mich an, dann fixiert er die Dose mit seinen Keksen. Natürlich leiste ich seinem Blick Folge und gebe ihm ein Leckerli. Dann schaue ich ihn intensiv an …. mit ungeahnten Folgen!

Ich füttere und versorge meinen Hund, ich gehe mit ihm aus, ich pflege sein Fell, er bekommt Streicheleinheiten, etc.etc. Das täglich, fast rund um die Uhr. Das ist Management! Ich überlege kurz: ein Hund ist ein Haustier, und ein Haustier wird im Englischen als „pet“ bezeichnet. Ich hab's.

Ab sofort nenne ich mich „Pet Manager“. Mein Hund wird den Unterschied zwischen „Frauchen“ und „Pet Manager“ nicht merken, aber ich werde endlich die mir zustehende Wertschätzung und Anerkennung bekommen.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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