Janna Ney

Du


Es passiert immer noch, dass ich das Rasseln deines Halsbands zu hören glaube oder meine zerwühlte Kuscheldecke sekundenlang für dich halte. Der Blick in den Garten lässt die Hoffnung aufkeimen, deinen schwarzen Pelz für einen Augenblick zu erhaschen und wenn ich in der Küche stehe, ist mir, als müsstest du die Tür, die ich deinetwegen immer nur anlehnte, mit Deiner langen Schnauze aufstoßen, um zu sehen, wo ich bleibe. Mittlerweile überfällt mich der Gedanke, dass ich mit dir spazieren gehen sollte, nicht mehr. Ich tat es bereits ohne dich, mit dem Ergebnis, dass jeder Weg, jeder Baum und jede Ecke, in der wir uns gemeinsam aufhielten, mir dein Fehlen noch intensiver verdeutlichte. Wie oft sind wir diese Wege gegangen? 17 Jahre mal 365 Tage, also mindestens 6000mal. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe, dass du nicht mehr da bist. Ich vermisse sogar dein Scharren, schmatzen und was mich sonst noch ab und zu nervte. Und diese Freundschaft, die du mir still und unaufdringlich entgegen brachtest, indem du einfach nicht von meiner Seite gewichen bist, wenn Verluste oder sonstige Schwierigkeiten zu verkraften waren, ist etwas, das mir für den Rest meines Lebens fehlen wird. Das kann nur ein Hund; kein menschlicher Freund brächte die Geduld und die grenzenlose Loyalität auf. 
Die Leute fragen immer noch. Ob ich dich nicht mehr habe und wenn ich verneine, raten sie mir zu einem neuen Hund. Ein neuer Hund? Du bist nicht zu ersetzen, genau so wenig wie ein Mensch. Da kann man auch eine entstandene Lücke nicht einfach mit einer neuen Beziehung schließen, auch wenn der Verlust dann weniger spürbar wird, er ist immer noch vorhanden.
Kürzlich träumte ich von dir. Es war ein schöner Traum, du lagst neben mir und ich entschloss mich, mit dir spazieren zu gehen. Dazu musste ich erst mal wach werden, dachte ich im Traum. Und das tat ich dann auch. Es war schmerzhaft, aber ich weiß, dass ich nun beginne, dich los zu lassen oder es wahrscheinlich schon getan habe.
Machs gut, alter Junge, die Zeit mit dir wird mir unvergessen bleiben.

Wiedu Juni 1994 - Januar 2011Janna Ney, Anmerkung zur Geschichte

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Janna Ney).
Der Beitrag wurde von Janna Ney auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Zelenka von Kurt Mühle



„Zelenka“ beschreibt innerhalb unterschiedlichster Kriminalfälle den beruflichen Aufstieg einer taffen, ehrgeizigen Kommissarin, aber auch die schmerzlichen Rückschläge in ihrem Privatleben.
Sie jongliert oft am Rande der Legalität, setzt sich durch in der sie umgebenden Männerwelt und setzt Akzente in der Polizeiarbeit, - wobei ihren Vorgesetzten oft die Haare zu Berge stehen ...
Ort der Handlung: Düsseldorf / Duisburg

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Erinnerungen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Janna Ney

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Feuer und Flamme von Janna Ney (Märchen)
Alles nur Zufall...? von Mirjam Horat (Erinnerungen)
Blind Date von Ingrid Drewing (Liebesgeschichten)