Irina Brenner

Der Puzzlemacher

Der Puzzlemacher

 Ulrich war sich plötzlich sicher verfolgt zu werden. Dieser Jemand fand aber Gestalt in einem kecken Rotschopf. Es war seine Nachbarin, die rote Anne, die plötzlich hinter ihm stand und begann sich über ihn mit strengem Blick zu beklagen. Herr Hans Ulrich  Schmidt wir müssen reden. Ihre Küchengerüche dringen in meine Wohnung durch die Klimaanlage. Meine Kleider riechen als wohne ich in einem Hunderestaurant. Was wird denn bei ihnen für Fleisch gekocht? Ulrich, der neulich alte Restbestände Lungasches aus dem ehemaligen Ost-Berlin von einem Kumpel für nur einen Euro aufgekauft hatte, hielt ihrem vorwurfsvollem Blick stand. Innereien antwortete er. Die Idee kam mir im Jobcenter. Der Blick der schönen Nachbarin fiel auf eins seiner Selbsthilfe Bücher mit dem Titel: Sparen mit Hartz IV. Anna schüttelte empört den Kopf. Also Herr Schmidt gehen sie lieber mal richtig arbeiten Herr Schmidt. Anne fuhr fort: Wenn sie schon dem Steuerzahler auf der Tasche liegen stänkern sie wenigstens nicht das Treppenhaus voll. Das muss bald ein Ende haben. Ich werde mich über die schlechten Essensgerüche bei der Hausverwaltung beschweren müssen drohte sie, warf ihr rotes Haar triumphierend in den Nacken und rauschte mit einem scheinbar vielsagendem “Geht gar nicht" davon. Hans Ulrich  sah ihr mit einen schmachtenden Blick nach. Diese Frau ist viel zu schön um selber kochen zu können dachte er bei sich. Ich glaube sie mag mich. Vielleicht vom Teufel besessen brabbelte Ulrich  leise vor sich hin. So ein Unsinn korrigierte er sich, eine rothaarige Lilith und besessene Frauen existieren nicht. Alles nur religiöse Lügen. Dort, wo der Mensch zum Manne wurde, wo der Mann seine Weisheit zu Boden warf, machte der Mann und nicht das Weib Religion. Er schmunzelte als ihn ein Gefühl der Überlegenheit und Genugtuung überkam. Daraufhin, um seiner Vernunft zu höhnen, zeigte sich ihm die rasende Lilith, das Nachtgespenst nur noch als ein eiskalter Wind der durch sein Zimmer fegte. Ulrich schloss das Fenster. Lilith erscheint ihm jeden Abend mehrmals. Nachdem er seine frischgewaschene Wäsche sorgsam zusammenfaltete nimmt Lilith von dem Stapel schwerer gräulicher Laken und zerreißt sie vor seinen Augen. Ulrich weiß das Lilith nur in seinem Kopf lebt, genauso wie Ulrich weiß, dass er unter Schizophrenie leidet. Er gehorcht seinen inneren Stimmen, die sich wie früher schon sein Priester in den Widerspruch begaben. Stimmen, die sich ihm wie damals auf seinem Bett liegend wie er es nannte als Der Puzzlemacher vorstellen. Ulrich philosophierte: Seit der Mensch zum Manne wurde, meißelte er den Spiegel selbsterschaffener Existenz. Wie gut lässt sich Existenz wohl meißeln ohne Strom. Es wurde nach seinem letzten Besuch im Jobcenter und angedrohter Sanktion kalt in seiner Wohnung. Fröstelnd zündete er das Feuer im Kamin an und setzt sich schattenhaft zurück an seinen Schreibtisch. Sein Fragen wann dieser Alptraum das sich Leben nennt endlich ende kreisten schon wieder in seinem Kopfe, sodass er zum Bücherregal ging, ein Buch: Gedichte und Reflexionen von Irina Brenner herauszog. Die Puzzles, die er aus seinen Fotographien bastelte um seine Grundversorgung aufzubessern fielen dabei auf dem Boden. Traurig bückte er sich, sammelte die Teile ein und stellte alles wieder zurück ins Regal. Niemand hatte seine in Kommission gegebenen Puzzle gekauft, und er musste alle wieder nach Hause nehmen. Trostsuchend fing er zu lesen an.: 

Still, Du hörst den Wandernden noch Das Seinige -und sein Gebein, das klirrt. Und träumt seinen Schrei wie aus stummem Mund. Ein Idiotengötze die Schatten belebt, Lilith folgte ihm. Sie, das Nachtgespenst, beschimpfte ihn - Er musste an seine schöne Nachbarin die rote Anne denken und sah sich mit ihr tanzen. und schrie: Es zieht Dich ins Nichts aller Schreie, so fühlst Du die Wunden deiner Existenz beschritten, Die Schritte die an der Schwelle zum Tod, so dachte er, mit allem Leid und der Musik verklingen. Mit dir vergehen könnten denn, zu den Grabsteinen zieht es mich. Er schloss sein Notebook und brach in Tränen aus. Plötzlich wurde er wieder still. Vorsichtig öffnete er sein Notebook, und schrieb. Ulrich schrieb und wachte die ganze Nacht hindurch. Am nächsten Morgen nickte er vor Erschöpfung ein und redete im Schlaf. Nein, schrie er Neiiiiiiiin Wieder und wieder erlebt er sein Rufen bei stummem Mund. So lag er auf dem Bett, fühlte den Mann der, da er nach einem Opfer suchte ihn, Ulrich fand. Ulrich Schmidt wurde von Alpträumen gequält. Er war ein Mann, der in Philosophie und Dichtung nach Trost suchte. Ulrich zitterte als er aus seinem Schlaf erwachte. Voll Ekel über sein Erinnertes warft er sich ein paarmal auf seinem Bett umher. Unruhig schaltete er das Licht an, und setzte sich an seinen Schreibtisch. Sein Fragen wann dieser Alptraum der sich Leben nennt endlich ende, kreiste in seinem Kopf. Während die Heuschrecken zirpen schrieb er in sein Notebook: Wo der Mensch zum Manne wurde, zum Manne, der vom Manne genötigt wird dem Bildnis des erfolgreichen, harten Mannes zu dienen. Hier lernen wir von der Stimme die sich als Puzzlemacher zeigt. Dort, wo der Mensch zum Manne wurde. Ulrich wurde nun von seinem eigenen Lachen unterbrochen und halluzinierte von brabbelnden Betenden umzingelt zu sein. Gebete die ihm aber langsam deutlicher und verständlich wurden. Hörte er doch die eine um ihn versammelte Gesellschaft von Stimmen wie die eigene mit der Stimme Hiobs sagen: Nieder der Tag an dem ich geboren. Ulrich griff nach seinem Springmesser in die Schreibtischschublade In letzter Zeit wurde er von Gruppen moslemischer Jungmänner angepöbelt, da war ein Springmesser das Mindeste mit dem er sich bewaffnen konnte. So ein Messer bringt auch ein gutes Maß an Sicherheit sagte er sich, In Polen kann man noch sicher abends auf die Straße gehen aber so wenig Geld reicht nicht zum Neustart Ulrichs Protest blieb ohne Antwort. Ich mit der Schneide ich kann mich noch verändern dachte er still bei sich, Veränderung ist auch das was wir Tod nennen. Ulrich brachte die Schneide zur Innenseite seines Oberschenkels und machte einen kurzen aber tiefen Schnitt. Sein Arm senkte sich schlaff zur Seite, Das Messer fiel dabei zu Boden. Sein Leben tanzte mit ihm und der schönen Anne vorbei. Sie war nicht die einzige der es auffiel das es im Treppenhaus stank und wessen Briefkasten es war der überquoll, Ulrich Schmidt wurde kurz darauf vom Hausmeister tot in seiner Wohnung aufgefunden. 

Kurzgeschichte von Irina Brenner Die                  Charaktere sind frei erfunden. Eventuelle Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen wären rein zufällig.                 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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