Heike Diehl

Der Fluch der Vogelscheuche

 

  Hinnerk lag noch lange wach. Das Verlangen nach dem Schatz ließ ihm keine Ruhe.

Der Sage nach sollte der Schatz in der Nähe von seinem Haus auf einem Feld liegen,

vergraben neben einer Vogelscheuche, die den Schatz bewachte und jeder, der sich dem Schatz näherte, den sollte ein Fluch treffen. Keiner hatte sich bis jetzt dorthin getraut. Feige Säcke! dachte er bei sich.

Den Fluch hielt Hinnerk für Humbug. Unsinn! dachte er. Sowas gibt es nicht, aber dass an dem vergrabenen Schatz etwas dran war, daran glaubte er.

Schließlich hielt er es im Bett nicht mehr aus. Er stand auf, zog sich an und ging zum Geräteschuppen und holte einen Spaten heraus und einen Kartoffelsack, für alle Fälle. Wer weiß, was er dort fand.

Der Vollmond stand hoch am Himmel und sein Strahl traf die Vogelscheuche die mitten auf dem Kartoffelacker stand.

„Na du blödes Holzgestell? „sagte Hinnerk zu der Vogelscheuche. „Glaubst du wirklich, du kannst mich daran hindern nach dem Schatz zu graben? Du hast doch eh nur Stroh im Kopf.“

Hinnerk nahm den Spaten und begann zu graben. Er war so damit beschäftigt, dass er gar nicht merkte, wie sich der starre Gesichtsausdruck der Vogelscheuche verändere und ihre Augen wurden zu engen Schlitzen.

Eine ganze Weile grub Hinnerk wie ein Besessener – als er plötzlich auf etwas Hartes stieß.

Er legte den Spaten beiseite und zog eine braune Holzkiste aus der Erde heraus.

„Na bitte! Wer sagst denn! „rief Hinnerk und versuchte das Schloss der Kiste zu öffnen, das ganz verrostet war. Es ging einfach nicht auf.

„Verdammt!“, zischte Hinnerk ungeduldig und verärgert, nahm den Spaten und schlug wie ein Wilder auf die Holzkiste – schließlich sprang der Deckel der alten Kiste auf und Hinnerk konnte nicht glauben, was er da sah: Gold!! Die ganze Kiste war voller Goldstücke!!!

„Ich bin reich – reich – reich und brauch mein Leben lang nicht mehr zu schuften und teilen werde ich es mit niemandem! Meins – alles meins!“

Hinnerk war dem Wahnsinn nahe und raffte alles, was in der Kiste war in den Kartoffelsack und gab der alten Holzkiste einen Fußtritt, dass sie ein Stück weg flog und die Vogelscheuche traf, die daraufhin ganz schief hing.

Dann machte er sich ganz schnell auf den Heimweg.

Er nahm den Kartoffelsack mit in sein Schlafzimmer und schob ihn unter sein Bett. Dann ging er auch schlafen.

Als er am nächsten Morgen erwachte sprang er gleich aus dem Bett und zog den Kartoffelsack unter dem Bett hervor, um sich an seiner Beute so richtig zu erfreuen, …

Maßloses Entsetzen ergriff ihn, als er sah,was da im Kartoffelsack war: lauter stinkende, faule Kartoffel!!! Hinnerk stieß einen lauten Schrei aus!!

Der Fluch der Vogelscheuche hatte sich bestätigt: Das Gold hatte sich in faule Kartoffel verwandelt!

Er zog sich an, nahm den Sack mit den faulen Kartoffeln und machte sich auf den Weg zum Feld, wo die Vogelscheuche stand. Sie hing nicht mehr schief und stand  Kerzengerade wie vorher.

"Du kannst deinen Mist behalten! "schrie er  und kippte die Kartoffeln direkt vor der Vogelscheuche aus.

Plötzlich bemerkte er im Gesicht der Vogelscheuche ein teuflisches, breites Grinsen.

Da machte er, dass er fortkam und er betrat dieses Feld niemals wieder.

 

(c) HeiDi

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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