Heike Diehl

Nieswurz Wegerich

"Oh! – wo soll ich bloß anfangen?", dachte ich, als ich die vielen Unkräuter in unserem Garten sah. Tagelang hatte es geregnet und das Unkraut war in die Höhe geschossen und hatte sich nach allen Seiten ausgebreitet. Die Blumenbeete glichen einem Dschungel und bevor die Blumen und das Gemüse vor lauter Unkraut verschwanden, musste ich es schnell entfernen. Ich machte mich mit Eimer und Harke bewaffnet und wenig Lust, endlich daran die Blumen von dem lästigen Unkraut zu befreien. Gerade hatte ich einem Büschel Löwenzahn in der Hand und wollte ihn ausreißen, als plötzlich eine krächzende Stimme rief: "He! Lass du das stehen!" Himmel, war ich erschrocken! Ich ließ den Löwenzahn los und blickte mich um, sah aber niemanden. Fing ich an bekloppt zu werden? "Wer hat das gesagt?", fragte ich und mir wurde irgendwie komisch zumute. "Hier unten bin ich, vor dir!", rief jemand. Ich blickte nach unten und da sah ich etwas, was ich vorher noch nie gesehen hatte: Es war ein schrumpeliges, braunes Etwas auf kurzen, krummen Beinen und großen Füssen. Ein Troll? Ein Gnom? Irgend so etwas musste es sein.

 

"Wer bist du denn?", fragte ich. "Ich bin Nieswurz Wegerich, der Beschützer des Unkrauts. Ich bin ein Wurzelgnom und lebe tief unter der Erde und ich liebe jedes Unkräutchen. Ich habe alle selber gepflanzt. Wenn du es ausreißt, verwandele ich dich in einen Gartenzwerg. Gartenzwerge find´ ich blöd! Hohlköpfe sind das, Hohlköpfe!" "Ich mag sie", verteidigte ich meine vier Gartenzwerge, die in unserem Garten standen, "den lachenden Willi, den grinsenden Toni, Kasimir mit dem Blumenstrauß und den schnarchenden Rüdiger." Ich sagte zu ihm: "Du mich in einen Gartenzwerg verwandeln? Haha ha, da lachen ja die Hühner!"." Oh doch! Das kann ich", rief Nieswurz trotzig und ballte drohend die Faust.

 

"Glaube ihm nicht", sagte plötzlich eine Stimme."Wer ist denn das schon wieder?", fragte ich und sah mich um. Es war eine Elster, die auf einem Kirschbaum saß und alles mit angehört hatte. "Ich heiße Claudia. Kommt von klauen. Wir Elstern leiden unter Kleptomanie, musst du wissen." Nieswurz war über das Auftauchen der Elster alles andere als erfreut. "Was willst du denn hier!? Mach, dass du wegkommst!" "Ich kann sitzen, wo ich will", meinte die Elster beharrlich und fuhr fort, "jedenfalls kannst du nicht zaubern, genauso wenig wie ich, du verschrumpelte Kartoffel auf zwei Beinen!" Da nahm Nieswurz einen Knäuel Dreck und schleuderte ihn in Richtung Claudia, die dem Wurfgeschoss geschickt auswich und einen Ast höher flog."Du hast mich nicht getroffen! Du bist ja besoffen, tschäck tschäck!", lachte die Elster den Gnom aus.

 

"Ob es dir passt oder nicht, ich werde jetzt das Unkraut entfernen, sagte ich entschlossen und riss einen großen Büschel Löwenzahn mit samt der Wurzel aus. Nachbars Hasen werden sich freuen. Da stieß Nieswurz gegen den Vogel einen fürchterlichen Wutschrei aus: "Ah! Du alte Petze! Der Teufel soll dich holen, du verdammte Elster!" Dann versank er in der Erde und ließ sich nicht mehr blicken. Claudia, die Elster, ließ sich inzwischen die Kirschen schmecken, die in Massen am Baum hingen. Ich musste mich beeilen mit dem Unkraut jäten, denn es sah noch Regen aus und ich schaffte es noch rechtzeitig. Zehn Minuten später goss es wie aus Kübeln. Ein paar Unkräutchen habe ich aber stehen lassen, Nieswurz zuliebe.   

                                                                                            (c)   HeiDi

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