Anneliese Leding

Eine nicht alltägliche Truppe

Eine nicht alltägliche Truppe

(eine Geschichte nicht nur für Kinder)

Der alte Birnbaum staunte nicht schlecht, als mitten in der Nach einige Haushalts-Geräte unter ihm zum Stehen kamen. Es war eine seltsame Truppe. Sie machten einen müden Eindruck. „Wer seid ihr denn? Wo kommt ihr her?“, rief der Baum. Der Backofen antwortete: „Wir sind die ganze Nacht durchgewandert und auf der Suche nach einem Schlafplatz.“ „Hm“, sagte der Birnbaum. „Wie wäre es, wenn ihr in unserem Garten eine Pause einlegt? Hier stört euch keiner.“ Auf der Stelle meldete sich der kleine Stoffhund zu Wort: „Hier wohnen doch Menschen. Diese werden uns bestimmt vom Hof jagen. Das haben wir alle erlebt. Keiner wollte uns behalten.“ Die Äste des alten Baumes bewegten sich im Wind auf und ab. „Hier wohnt Oma Paula. Die hat zurzeit ihren kleinen Enkelsohn Sebastian zu Besuch. Der verbringt hier seine Schulferien. Die werden euch ganz bestimmt nicht fortjagen. Geht einfach hinters Haus, dort steht eine Holz-Pergola. Da könnt ihr euch ausruhen.“

Die Gans, die sich im Ofen versteckt hatte, schnatterte drauf los: „Macht, was der Birnbaum euch sagt! Morgen werden wir weitersehen.“ Die kleine Gesellschaft trottete durch den Garten. Mit letzter Kraft erreichten sie die Pergola. Hier waren sie fürs Erste vor Wind und Regen geschützt.

Früh morgens hielt Sebastian nichts mehr in seinem Bett. Auch die Großmutter war schon auf und hatte in der Küche das Frühstück zubereitet. „Hast du dich gewaschen und die Zähne geputzt?“, wollte die Oma von ihrem Enkel wissen. Dieser, stand auf und flitzte ins Badezimmer. Paula schüttelte lachend den Kopf. Was soll´s, dachte sie, es sind doch Ferien. Nachdem sie gefrühstückt hatten, sauste Sebastian nach draußen in den Garten. Er wollte sein Fahrrad holen, das er am Abend zuvor unter der Pergola abgestellt hatte. Schlagartig blieb er stehen. Wo kamen über Nacht die Geräte hier her? Verdutzt fragte er: „Wer seid ihr denn?“ Der kleine Teddy wischte sich den Schlaf aus den Augen. „Wir wussten nicht, wo wir die Nacht verbringen sollten. Der Birnbaum hat uns geraten, hier auszuruhen.“ Verdattert blieb der Junge stehen: „Ihr könnt sprechen?“ Jetzt kam die Gans aus dem Backofen gekrochen. „Ja, das können wir. Aber nur ganz besondere Menschen können uns verstehen.“ Sebastian sah sich um. Vorsichtig fragte er: „Was ist mit euch passiert? Wo wollt ihr hin?“ Mittlerweile war der alte Ohrensessel auch aufgewacht und schaute den Jungen an: „Uns hat man auf den Müll geworfen. Da haben wir uns zusammengetan und sind fortgelaufen. Wir sind doch noch zu gebrauchen.“ Sebastian sah auf den Kochtopf, der nur noch einen Henkel besaß. „Weshalb hat man dich beseitigt?“ Traurig schaute der Topf an sich runter. „Wie du siehst, habe ich nur noch einen Griff. Die Leute, bei denen ich lange Jahre war, haben sich neue Töpfe gekauft. Mein Kollege hier, hat ein Loch im Boden. Deshalb wurden wir entsorgt.“ Lauthals schnatterte die Gans: „Mich wollte man schlachten. Da bin ich abgehauen.“ Sebastian ging rüber zum Computer, der ganz schweigsam am Boden lag. „Was ist dir zugestoßen?“ Verschüchtert antwortete dieser: „Ich war den Menschen zu langsam. Alles muss heute schnell gehen. Keiner hat mehr Zeit.“

Unvermittelt stand plötzlich Oma Paula hinter Sebastian und war erstaunt über all die Gerätschaften. Sie fasste sich an den Kopf und blickte auf ihren Enkel: „Sag mal, hast du die ganzen Teile hier angeschleppt?“ Der Junge wurde verlegen und wusste nicht so recht, was er sagen sollte. Die Oma sah sich die Geräte aus der Nähe an. Fröhlich erklärte der Enkel: „Ach, Oma, die haben sich nur über Nacht ausgeruht. Sie haben mir erzählt, dass man sie auf den Müll geworfen hat.“ Schmunzelnd sah die Großmutter ihren Enkel an: „Soso, du hast mit ihnen gesprochen? Nun, dann wollen wir mal sehen, was wir davon noch gebrauchen können.“ Nie um eine Antwort verlegen erwiderte Sebastian: „Oma, du wolltest doch schon immer einen Backofen für deine Kellerküche haben und ein Computer war dir zu teuer. Jetzt hast du beides. Es ist doch nicht schlimm, wenn der PC etwas langsam ist. Oder?“ Liebevoll legte Paula ihre Hand auf die Schulter des Enkels. „Weißt du was? Du ja hast Recht.“ Sie ging rüber zum abgewetzten Sessel und besah sich das Möbelstück von allen Seiten. „Einen Ohrensessel wollte ich schon immer haben. Den werde ich mit einem weichen Stoff beziehen. Dann sieht er wieder wie neu aus.“ Die Oma bückte sich und öffnete die Ofenklappe. Die Gans hatte sich verängstigt darin verkrochen. „Komm raus du Federvieh! Eine Gans ist wie ein Wachhund. Dich können wir hier gut gebrauchen.“ Schnatternd kroch die Gans aus ihrem Versteck. Die Kochtöpfe standen mit gesengtem Blick am Boden. Man brauchte sie nicht mehr. Aber Paula lachte, als sie die trüben Töpfe sah. „Ihr kommt mir gerade recht. Euch werde ich mit Blumen bepflanzen und auf die Terrasse stellen.“ Sebastian hob die Stofftiere vom Boden auf. „Die möchte ich behalten.“ Die Großmutter strich ihm übers Haar: „Na klar! Aber erst müssen sie in die Waschmaschine.“ Als sie den ungläubigen Blick ihres Enkels vernahm, fuhr sie fort: „Ich verspreche dir, auch die werden danach wieder wie neu aussehen.“

Die nicht alltägliche Truppe hatte ein schönes Zuhause bekommen und jeder eine Aufgabe. Sie waren mehr als zufrieden.

Glücklich lag Sebastian abends mit seinen frisch gewaschenen Freunden im Arm unter der Bettdecke. Den Hund nannte er Bubu und den Teddy Jakob. Die Drei hatten sich in der Nach viel zu erzählen.

 

© Anneliese Leding

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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