Heinz-Walter Hoetter

Porky

Schon bei seiner Geburt war Porky anders als die anderen Ferkel. Aus seinen Augen blitzte ein verwegener Blick und seine Borsten sträubten sich jedes Mal beim Anblick der offenen Stalltür, wenn er die weite Landschaft, den blauen Himmel und die fernen, mit Schnee bedeckten Berge am leuchtenden Horizont sah.

 

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit schlich dann Porky heimlich aus dem Stall nach draußen auf den großen Hof, um sich neugierig umzusehen. Während sich seine übrigen Geschwister ängstlich und hungrig um die Zitzen der Mutter scharten, ärgerte Porky meistens den Hofhund Bello mit seinem Gequieke und reizte den Schäferhund manchmal soweit, dass dieser laut bellend aufsprang und Zähne fletschend nach dem frechen Schweinchen schnappte, um Porky zu beißen.

 

Das machte Porky aber nichts aus, denn er bekam schnell heraus, dass Bello nur so gefährlich wie seine Kette lang war. Er stellte sich frech vor dem wütenden Schäferhund hochnäsig auf, gerade soweit, dass er ihn nicht erreichen konnte.

 

Nach solchen Ereignissen marschierte Porky meist mit einem herrischen Grunzen hinüber zu den Hühnern auf dem Hof und machte sich über ihr komisches Gegacker lustig. Es kam auch schon mal vor, dass er den frechen Hahn laut quiekend verfolgte und ihn bis in den Hühnerstall hinein jagte, wo dann immer die Federn flogen.

 

So ging das die ganze Zeit, bis aus dem kleinen Ferkel ein richtiges Jungschwein geworden war.

 

Aber der Hof des Bauern Wiesenmüller wurde für Porky bald zu klein. Er wollte mehr von der weiten Welt sehen und riss eines Tages einfach aus.

 

Eine ganze Woche lang trieb er sich auf fremden Wiesen und Feldern herum und landet schließlich bei einer Rotte Wildschweinen in einem nah gelegenen Wald, denen er sich partout anschließen wollte. Die aber wollten Porky nicht, weil er einfach nicht zu ihnen gehörte. Darüber hinaus glänzte seine Haut in so einer komischen rosaroten Farbe, die keiner mochte, auch deswegen, weil Porky damit überall nur auffiel und sie möglicherweise damit sogar in Gefahr brachte, wie sie dachten.

 

Also zog Porky weiter, bis er auf einmal vor einem Fuchs stand, der ihn fressen wollte. Doch Porky war mittlerweile zu einem starken Schwein geworden und wusste sich zu wehren. Der Fuchs machte sich alsbald aus dem Staub, auch deshalb, weil plötzlich ein Jäger mit einem Gewehr auf der Bildfläche erschien und die beiden Kampfhähne schnell auseinander trieb. Der Fuchs hatte den jungen Porky während der Auseinandersetzung an den Vorderläufen verletzt, sodass dieser humpelte und nicht schnell genug weglaufen konnte. Der Jäger hatte leichtes Spiel, fing Porky schnell ein und brachte ihn alsbald zum Bauern Wiesenmüller zurück, den er gut kannte.

 

Als der Bauer von dem Kampf seines tollkühnen Schweines mit einem Fuchs hörte, war dieser auf Porky sogar irgendwie stolz gewesen. Doch was sollte er mit diesem Schlingel tun? Vielleicht einsperren oder gar schlachten? Aber der alte Wiesenmüller war ein echter Tierfreund. Für ihn sind Tiere nicht nur eine Ware. Deshalb wollte er Porky schonen.

 

"Einen freien Geist darf man nicht einsperren" dachte er so für sich und was für Menschen richtig ist, kann für ein Schwein dieser Sorte auch nicht verkehrt sein.

 

Obwohl der Bauer zur Zeit große finanzielle Sorgen hatte und wegen mehrerer Missernten kurz vor der Pleite stand, wollte er Porky trotzdem behalten.

 

Ein paar Tage später bemerkte der Alte, wie Porky ständig mit seiner Schnauze im Boden eines kleinen Wäldchens herum wühlte und plötzlich mehrere wertvolle Trüffel freilegte. Erstaunt über diesen Vorgang nahm er Porky mit in die umliegenden Wälder, wo dieser in kurzer Zeit eine große Menge dieser Edelpilze fand, die den Bauer Wiesenmüller bald reich und wohlhabend machten.

 

Sechs Monate später konnte man Porkys Foto in allen Zeitungen des Landes bewundern - als "Trüffelschwein" des Jahres wurde er berühmt.

 

Bauer Wiesenmüller, der die Freiheit des Schweines niemals einschränkte, fuhr Jahr für Jahr eine gigantische Trüffelernte ein, denn überall, wo es Trüffel gab, fand Porky sei auch.

 

Seit der Zeit musste sich der alte Bauer nie wieder Sorgen um seinen Hof machen.

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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