Ingo R. Hesse

Sollte ich die Freundschaft zu mir doch überdenken?

Im Grunde genommen mag ich mich. Eigentlich sehr. Wie auch nicht? Wo ich doch der absolut sympathischste Mensch bin, den ich kenne! Ich kann also behaupten, mit mir im Reinen zu sein. Und weil ich neben meiner fast schon sprichwörtlichen Intelligenz und der fast grenzenlosen Empathie auch über Bescheidenheit und die Fähigkeit zur Diskretion verfüge, würde ich niemals jemandem erzählen, dass ich täglich dem Schicksal danke, ich ..und kein Anderer zu sein.

 

Mir dieser wunderbaren Eigenschaften und dem so gut gehüteten Geheimnis durchaus bewusst, machte ich mich heute Morgen auf den Weg zur Packstation um dort ein Paket abzuholen. Doch, noch den Knauf der Haustüre in der Hand, wurde mein inneres Gleichgewicht zum ersten Mal auf eine harte Probe gestellt.

 

Denn ein, an einer dieser grässlichen, dünnen, selbst aufrollenden Hundeleinen befestigter Scheinhund, eine Fußhupe oder wie mein Freund R. sagen würde, eine Tarnkatze, war mit all seinen Kräften dabei, die grüne Schnur mit einem schnarrenden Geräusch aus dem Gehäuse zu ziehen. Um noch vor mir seine Dosenöffnerin, die gefühlte drei Sekunden und fünf Meter danach mein Blickfeld verdunkelte, am Hauseingang vorbei zu nötigen.

 

Ehrfürchtig und tierlieb wie ich nun mal bin, hatte ich zwar geschafft, abrupt auf dem Dörpel stehen zu bleiben, hatte aber scheinbar in der Eile der Situation, dieser Liebe und Ehrfurcht nicht über eine entsprechende Körperhaltung Ausdruck verleihen können. Was diesen kleinen Hausherren zu einer Hass- und stimmüberschlagenden Geifertirade im Sopranbereich verleitete.

 

Mein spontanes „Na Du, ..nicht frech werden!“ hatte seine Dosenöffnerin noch überrumpelt. Mein lachend nachgelegtes „So klein und so giftig!“ quittierte sie aber mit tiefer Missachtung. Glück gehabt, dachte ich und zog meines Weges.

 

Etwa dreihundert Meter weiter, ich war gerade mit dem Gedanken an diese Personen beschäftigt, die der Meinung sind, dass Hunde den Charakter eines Menschen riechen können, kam mir eine weitere Frau mit Hund entgegen. Diesmal mit einem echten, recht friedlich und wohl erzogen scheinenden. Ich wollte also erleichtert, ihre Seite des Bürgersteiges deutlich respektierend, freundlich und tierlieb lächelnd an ihnen vorbei ziehen, ..als auch dieser beste Freund des Menschen, laut kläffend auf mich losgehen wollte.

 

Sein Frauchen hatte ihn aber im Griff und ich erklärte ihr, dass das für heute schon der zweite Angriff dieser Art sei, irgend etwas müsse ich wohl … . „Es ist sicher die Kappe!“ lachte sie tröstend. Was für ein Zeichen innerer Größe! Sicher hat sie auch sofort gedacht, wenn mein Liebling ihn ankläfft, hat dieser große Mann sicher einen schlechten Charakter.

 

Auf dem Rückweg von der Packstation überlegte ich, im Netto-Markt eine Geschenkpackung Frolic zu erstehen und sie dem Hund eines meiner Nachbarn zu überreichen. Denn er liebt mich, oder besser ...er erkennt meinen wahren Charakter. Was für ein Menschenkenner!

 

Doch dann verwarf ich den Gedanken wieder. Ich erinnerte mich an die Hunde, mit denen ich aufgewachsen war und an viele andere die mich gemocht und ein bisschen sogar geliebt hatten. Aber ich erinnerte mich auch an den Dackel eines Autoverkäufers, der mir ins Hosenbein gebissen und so sein Herrchen erstaunt hatte. Ich hatte ihn gewarnt, Dackel mögen mich nicht. Verschwiegen hatte ich ihm, dass sich nach meiner Überzeugung diese Dackel nur bei Menschen mit …. Ach das alles ist ja schon so lange her.

 

Außer dem kleinen Foxterrier, der mich anlässlich der letzten Bundestagswahl, vor dem Wahllokal wo er angebunden war, böse niedermachte. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass er gerochen hatte, dass ich noch zwischen SPD und Linkspartei schwankte. So böse wie er war, hätte mir klar sein müssen, dass ich dieses Mal harte Kante, .. .

 

Naja, aber wenn ich schon Schwierigkeiten hatte, auf meine Eltern und später auf meine Partnerinnen zu hören, wie könnte ich dann, …?

 

Egal, ich denke ich sollte weiter mit mir befreundet sein. Ich bin ein toller Typ und kann selbständig Dosen öffnen und meine Notdurft verrichten.

 

Und das ist ja wohl mehr als jeder dieser Hunde kann!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.05.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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