Heike Diehl

Oskar der Maikäfer

Oskar, der Maikäfer, hockte auf einem Buchenblatt und machte ein finsteres Gesicht. Seine Fühler hatte er nach unten geklappt. Das tat er immer, wenn er schlechte Laune hatte.
Da kam Knolle, der Kartoffelkäfer vorbei.
„Na, was issen mit dir los?“, fragte er, als er Oskar sah.
„Meine Olle hat mich rausgeschmissen“, sagte Oskar missmutig. „Ich bin beim Rundflug bei den Menschen in ein Glas Maibowle gefallen, konnte mich aber selbst wieder befreien. Ich hatte aber so viel Maibowle geschluckt und wurde total besoffen davon. Meine Olle glaubt jetzt, ich hätte es freiwillig gemacht und nennt mich einen Säufer, die alte Beisszange! Ich geh nicht mehr nach Hause – die kann mich mal! Kann ich ein paar Tage bei dir wohnen, bis ich was Passendes gefunden habe?“

„Tja – ähm – weißt du“, stammelte Knolle herum, „bei uns zuhause ist es ziemlich eng und außerdem hat meine Frau nicht so gerne Gäste – sorry!“
„Sowas nennt sich Freund“, sagte Oskar enttäuscht.
„Tut mir echt leid für dich“, sagte Knolle.
„Spar dir dein Gesülze, du blöder Ami-Import! Hau bloß ab!“
Knolle schlich davon, ohne sich nochmal umzudrehen.

Plötzlich hörte Oskar jemanden singen:
„Ich rolle meinen Mist
weil’s mir ne Freude ist.
Rolla Rolla Rolla Roll
ich finde das so toll – jawoll!“

Der Mistkäfer, auch Pillendreher genannt, war im Anmarsch. Sein Name war Stinkie Müffel.
Als er Oskar erblickte fragte er: „Na, was machst denn du für’n Gesicht – Krach mit deiner Ollen?“ „Woher weißt du das?“, fragte Oskar.
„Vermutung! Nur Vermutung!“, rief Stinkie . „Also doch. Mach dir nix draus, die regt sich schon wieder ab.“
„Nee, nee – ich geh nicht mehr nach Hause, es ist endgültig aus. Kann ich ne Weile bei dir wohnen?“
Stinkie Müffel zog ein Gesicht. „Bei mir zuhause ist sooo viel Mist und außerdem stinkt es da zu sehr. Meine Familie und ich sind es ja gewöhnt, aber anderen können wir das nichtzumuten.“
„Versteh schon.“ Oskar war wieder enttäuscht. „Du bist auch nicht besser als Knolle. Nimm deinen Mist und verschwinde und werde selig mit deinem Gestank.“
„Gott, bist du empfindlich, “ meinte Stinkie, rollte die Augen und seine Mistkugel fort.
„Tolle Freunde“, seufzte Oskar. „Ist man in Not, dann lassen sie einem im Stich.“

„Hallo Oskar!“ sagte plötzlich ein feines Stimmchen. Die Stimme kenn ich doch, dachte Oskar bei sich und blickte sich um.
Tatsächlich! Es war Mariele Siebenpunkt , das Marienkäfermädel, in das Oskar schon lange heimlich verschossen war .
„Ich hab alles mit angehört“, sagte Mariele . „Du kannst bei mir wohnen so lange du willst.“
„Echt jetzt?“ rief Oskar erfreut und bekam ganz rote Backen.
„Wenn ich es dir sage“, meinte Mariele. „Ich mag dich nämlich sehr.“
Oskar wohnte von nun an bei Mariele und die beiden blieben für immer zusammen.
Man nennt die Marienkäfer nicht umsonst Glückskäfer – oder was meint ihr?

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