J. Liliana Altair

Gedanken einer Maus 7 (die Letzte)

 

Tag 7

Der Wolf und die Wölfin

 

Der siebte Tag, der Tag der Ruhe und der des Wolfes…

Wir sind endlich am Ziel, unser Weg ist klarer als er es je war und die Schatten liegen weit hinter uns. Mein Wolf ist bei mir und ich liege an seiner Seite, als habe ich nie etwas anderes getan. Ich fühle seine Wärme, seinen starken Körper, seine unerschrockene Seele und seine Kampfkraft, die uns den Weg ebnet, wohin wir uns auch wenden. Ich bin nicht länger die Maus an seiner Seite, ich bin die Wölfin, die mit ihm läuft. An seiner Seite fühle ich mich stark und ich weiß, dass er mich braucht so wie ich ihn brauche. Ich halte ihm den Rücken frei, bekämpfe die Wesen aus den Schatten, die mir stets so vertraute Gegner waren. Wir haben uns verbunden, in Körper und Seele, und ich trage das Zeichen seines Versprechens stets sichtbar bei mir, so wie er das meine bei sich hat.

Man nennt uns das Paar der Schatten, denn die anderen großen Tiere verstehen nicht, was mit dem Wolf geschehen ist. Sie hörten, dass der Jäger ihn erwischte, und haben ihn abgeschrieben. Als er aber wieder auftauchte mit einer unbekannten Wölfin an der Seite, waren sie verwirrt. Sie verstanden nicht, was geschehen war, sie starrten uns nur an und fragten sich, woher wir kamen. Sie hatten den Wolf für tot erklärt und von einer Wölfin, die in den Schatten lebte, hatte keiner von ihnen etwas gehört.

Misstrauisch beobachteten sie uns, wir konnten ihre Blicke auf uns spüren, und ich wollte zuerst, ganz meinen Instinkten folgend, in die Schatten zurückflüchten, doch mein Wolf gab mir Kraft und Halt. Er stellte sich knurrend vor mich und wehrte die Angreifer ab. Die wichen zurück und erkannten, dass der große Wolf keinesfalls etwas von seiner Stärke verloren hatte, im Gegenteil, er war stärker als je zuvor. Einige schrieben dies seiner Zeit in den Schatten zu, andere sagten, er sei noch immer verwundet und daher angriffslustiger, und wieder andere meinten, er sei nicht mehr derselbe, er habe den Verstand an die Nacht verloren. Nur wenige erkannten, dass seine neue Stärke mit der Wölfin an seiner Seite zusammenhängen musste, und diese wenigen zollten ihm den Respekt, den er als Wolf verdiente.

So fanden wir einen neuen Platz in der Welt des Lichtes und allmählich eroberten wir uns ein neues Revier, das uns nach einer Weile niemand mehr streitig machte. Endlich konnten wir zur Ruhe kommen und uns auf andere Dinge konzentrieren. Unsere Kämpfe ebbten ab, unser großer Krieg war endlich vorbei und inzwischen leben wir in Frieden mit uns und den anderen großen und kleinen Tieren.

Keine Gefechte mehr außer denen, die wir selbst führen wollen. Mein Wolf ist endlich zur Ruhe gekommen und hat seine alte Sicherheit wiedergefunden. Und seine alte Freude...dazu eine neue, die ihn zum hinreißendsten Wesen des Lichtes macht. Denn ich konnte ihm heute sagen, dass unsere Gemeinschaft ein sichtbares Zeichen bekommt...es wird ein Welpe ins Licht eintreten, das unseren Bund besiegelt. Mein Wolf war so voller Glück, dass er der ganzen Welt seine Freude kundtun musste. So weiß es nun jeder: der Wolf und seine Wölfin, die aus den Schatten kam, schenken der Welt ein neues Wesen, das im Licht geboren wird.

Ich weiß, es wird ein neuer Weg sein, den wir beschreiten, doch zusammen werden wir es schaffen.. Die Maus, die ich einst war, ist fort - sie ist in der Nacht verschwunden, aus der sie kam...und kehrt nie wieder in diese Welt zurück. Jetzt bin ich die Wölfin, die an der Seite des Wolfes läuft...

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