Claudia Savelsberg

Die Revolte

Die Revolte

 

Er beugte sich über sie, küßte sie fordernd auf den Mund, dann leckte er hastig ihre Brustwarzen. Seine Hand fuhr über ihre Hüften und dann zwischen ihre Beine, er wollte sie in Erregung versetzen. Sie ließ es geschehen, versuchte ihren Kopf auszuschalten und sich zu entspannen. Es würde schnell gehen; denn sie hatten lange keinen Sex mehr gehabt. Sie brauchte ihm nur einen Orgasmus vorzutäuschen, dann wäre es vorbei. Sie hatten schon seit einiger Zeit getrennte Schlafzimmer, was sie damit begündete, dass sein Schnarchen sie störte. Es stimmte auch, aber es war nicht die ganze Wahrheit. Sie hatte ihn als charmanten und liebevollen Mann kennen und lieben gelernt, erinnerte sich an Zärtlichkeiten und leidenschaftlichen Sex, bei dem Vertrauen und Liebe in einen wunderbaren Orgasmus mündeten. Im Laufe der Jahre hatte er sich sehr verändert, er interessierte sich nur noch für seinen Beruf, die Kollegen und seinen Sport. Er verdiente das Geld, also war er der Herr im Haus. Das machte er ihr immer wieder klar.

Sie spielte in seinem Leben nur noch eine Statistenrolle. Am Hochzeitstag brachte er ihr Blumen mit und lud sie zum Essen ein, aber sie merkte, dass es für ihn eine lästige Pflichtübung war. Sie hielt seine Launen aus und versuchte, ihm alles recht zu machen, weil sie die vage Hoffnung hegte, dass er wieder der Mann würde, den sie kennengelernt hatte. Aber es änderte sich nichts. Im Gegenteil. Er wurde immer egoistischer, verwies sie beleidigend auf ihre Statistenrolle in seinem Leben. Beim Sex wurde er fordernd, bisweilen grob, er dachte nur an seine eigene Befriedigung, benutzte ihren Körper. Manchmal wünschte sie sich sogar, dass er sich eine Geliebte nehmen würde, dann hätte sie diesen diesen lieblosen Akt nicht mehr über sich ergehen lassen müssen. Mehr war es für sie auch nicht mehr. Ein liebloser Akt, die „ehelichen Pflichten“, die sie erfüllen sollte. Er verdiente das Geld, also erwartete er, dass sie für ihn die Beine breit machte. Wenn sie nachts neben ihm lag, merkte sie immer deutlicher, wie sehr sie sich von ihm entfremdet hatte. Sie mochte seine Atemzüge nicht mehr, sie mochte seinen Körperduft nicht mehr. Sie mochte die Person nicht mehr, die neben ihr lag. Sie zog ins Gästezimmer, weil sie seine Nähe nicht mehr ertrug,

Durch ein gekonntes Stöhnen signalisierte sie ihm, dass sie erregt war. Als er in sie eindrang, spürte sie einen stechenden Schmerz. Alles in ihr wehrte sich. Sie biss die Zähne zusammen, während er sich abmühte. Im richtigen Moment täuschte sie einen Orgasmus vor, um seiner männlichen Eitelkeit zu schmeicheln. Er kam recht schnell, und dann war es vorbei. Wortlos verliess er das Zimmer. Vermutlich ging er jetzt ins Wohnzimmer, zündete sich eine Zigarette an und schaltete die Glotze ein. Zufrieden mit sich und dem gerade erlebten Orgasmus.

Sie ging ins Bad und duschte lange, die Spuren seines Körpers sollten von ihrem Körper getilgt werden. Sie trocknete sich sorgfältig ab und cremte sich sanft mit einer duftenden Körperlotion ein. Ihr Körper hatte ein deutliches Signal gegeben, sich diesem Mann verweigert, gegen diesen Mann revoltiert. Sie wollte ihn nicht mehr neben sich spüren, sie wollte ihn nicht mehr in sich spüren – sie wollte diesen Mann nicht mehr in ihrem Leben haben.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Claudia Savelsberg).
Der Beitrag wurde von Claudia Savelsberg auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.05.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Auch der halbe Mond ist schön: Geschichten - Gedanken - Gedichte von Lilo Külp



Von unbeschwerter Kindheit, von Abenteuern. Kriegen, von Flucht, Liebe und Verrat erzählen die Geschichten.
Und von einem Aufstand der Frauen, die gegen Krieg und Gewalt demonstrieren.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Mensch kontra Mensch" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Claudia Savelsberg

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Niederlage von Claudia Savelsberg (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Nazis, Stasi und andere verdiente Bürger von Norbert Wittke (Mensch kontra Mensch)
Rund um das Fliegen von Norbert Wittke (Glossen)