Nina Diener

Lynn-das wilde Leben

Gegenwart

Und plötzlich ist Sie mittendrin.

In was für einen Schlamassel hat sie sich nun da wieder hineingeritten?

Der kleine, dickbäuchige Mann mit Glatze schleift Sie in die Mitte der grossen Lagerhalle und wirft Sie unsanft zu Boden.

Autsch, das hat wehgetan. In ihrer rechten Handfläche spürt Sie einen stechenden Schmerz. Eine Glasscherbe von einer Bierflasche hat sich tief hineingebohrt.
Mühsam versucht Sie den Schmerzensschrei zu unterdrücken, doch dies ist leichter gesagt als getan. Sie rappelt sich auf die Knie und versucht die Glasscherbe aus ihrer Handfläche zu ziehen.
Sie hält die Luft an, der Schmerz ist gross. Als Sie es endlich geschafft hat, folgt das Blut. In dünnem Rinnsal schlängelt es sich ihrem Handgelenk entlang. Mit der linken Hand versucht Sie die
etwa fünf Zentimeter lange Wunde abzurücken.

Das Adrenalin schiesst ihr durch den Körper. Ihre Hand pulsiert. Ihr Kopf dreht sich.

Ihr Freund George hatte Recht. Sie hätte auf ihn hören sollen.


 

Rückblick

hr Name ist Lynn.
Lynn ist eine junge Frau von dreissig Jahren, liebt das Leben und die Männer. Und steht auf Dramen.
Liebesdramen, Lebensdramen, Arbeitsdramen, alle Arten von Dramen. Sie ist eine Überlebenskünstlerin, lässt sich von niemandem etwas sagen und kann mitunter sehr direkt und schroff erscheinen.
Wenn man Sie aber wirklich kennt, weiss man, dass sich unter ihrer rauen Schicht ein grosszügiges und mitfühlendes Herz verbirgt und Sie für Menschen oder Tiere die in Not sind, sehr viel übrig hat.

 

Sie hat einen gutbezahlten Job, lebt in einer kleinen, aber geschmackvoll eingerichteten Wohnung etwas ausserhalb von London.
Mit ihr lebt ein fünfjähriger, graugestreifter Kater, der auf den Namen Jinky hört und sie jeden Abend, nach der Arbeit, sehnsüchtig erwartet.
Nun, Jinky erwartet nicht wirklich Sie, sondern Sie als Dienerin, die ihn lediglich füttert. Sein Futter ist ihm heilig.
Doch das soll Lynn recht sein, sie liebt eigensinnige Tiere. Und Katzen können sehr eigensinnig sein.


 

Gegenwart

Vor sich hört Sie nun gemeines Gejohle und Gelächter. Sie hebt den Blick und sieht ungefähr zwanzig Männer in Lederhosen und Lederjacken mit einer ihr bekannten Aufschrift
auf dem rechten Ärmel vor sich stehen. Und sie spürt, es ist nicht nur einfach eine normale Bikergang.
Sie sind nicht diese Art von Menschen, die gerne mit ihren Harleys prahlen, sich am Wochenende auf einen Ausflug und ein paar Biere treffen, am Abend wieder reumütig zur Ehefrau und den Kindern
zurückzukehren, um dann gemeinsam das Abendessen einzunehmen.
Nein, diese Männer sind anders. Sie sind Böse. Sie treiben sich in Gewässern umher, von denen Lynn nur erahnen konnte, dass es Sie gibt.

Einer dieser Männer jedoch kennt Sie. Dies ist auch der Grund, warum Sie sich nun in dieser misslichen Lage befindet.
Der Übeltäter hat einen Namen. Dave.
Er steht unmittelbar in ihrer Nähe, fixiert Sie mit diesem Blick. Den Blick hatte Sie schon zweimal von ihm gesehen. Ein «Was hast Du jetzt schon wieder angestellt» Blick.
Nur diesmal mischt sich sein Blick mit Sorge. Und Wut. Einer Menge Wut.
Dies ist kein gutes Zeichen, denkt sich Lynn. Sie kennen sich auch noch nicht lange, daher kann Sie sich gut vorstellen, dass es jetzt und hier nicht gut für Sie ausgehen wird.



Rückblick

Lynn hat sich an diesem Abend schon zum zweiten Mal von ihrem Kollegen George in die Rockerbar «Exit kills» mitschleppen lassen. George ist ein langjähriger Freund und Rockfan wie Sie. Sie besuchen
oft Konzerte zusammen oder treffen sich auf ein Bier. Eine sexuelle Anziehungskraft hat noch nie bestanden zwischen den Beiden und Lynn ist darüber auch ganz froh.
Sie verstehen sich gut und in Georges Gegenwart fühlt sie sich wohl.
Darum hat Sie sich auch diesen Freitag wieder überreden lassen in dieselbe Bar von letzter Woche zu gehen.
Normalerweise geht Lynn selten aus in Bars, in der Nähe ihres Wohnortes, einfach, weil Sie keine Lust hat auf Leute zu treffen, die aus ihrem Heimatort stammen und sich mit ihnen unterhalten zu müssen.
Sie bevorzugt die Anonymität.
Auch wenn es darum geht neue Männer kennenzulernen, ist es von Vorteil, wenn diese sich gegenseitig nicht kennen.
Lynn weiss ganz genau, warum Sie dies so handhabt.Nun sitzt Sie mit George und seinen Männern,
von denen Sie nur zwei vom Sehen her kennt, die aber alle ein Bike besitzen und sich oft zusammen auf ein Bier treffen, draussen auf der Terrasse und geniesst die Live-Band, die an diesem Abend spielt.

«Oh Hallo kleines Mädchen, Du warst letzten Freitag schon hier, erinnerst Du dich noch an unser Gespräch?»
Ein grossgewachsener, volltätowierter Mann Mitte vierzig setzt sich, ohne zu fragen, neben Lynn.

Lynn, völlig verdattert, hebt den Blick und denkt angestrengt nach.
Halleluja, letzte Woche? Da hatte Sie schön eine Meise im Kopf. Wie soll Sie sich da noch überhaupt an irgendetwas erinnern können? Verdammt, wie lautet Name schon wieder? Halt Stopp, an seine Augen kann Sie
sich erinnern, sie hat selten so schöne, anziehende und tiefblaue Augen gesehen. Aber nicht nur das, seine Augen verraten noch etwas anderes. Hinter diesen Augen versteckt sich ein Abgrund.
Ein Abgrund den Lynn nicht zu deuten mag. Seine Augen stechen aus der Dunkelheit hervor und bewirken gleichzeitig ein Gefühl ihn ihr, der die Alarmglocke schrillen lässt und ihr sagt,
dass man diesem Mann besser nicht zu nahekommen sollte.

Nun, Lynn wäre nicht Lynn, wenn Sie genau dieses Gefühl des Bösen nicht reizen würde.

«Ähm Hallo, ich habe wohl letzte Woche zu tief ins Glas geschaut und muss Dir mit Bedauern mitteilen, dass ich mich nicht an unser Gespräch erinnern kann, dafür aber an Deine Anwesenheit. Vor allem an Deine Augen.
Solche schönen und gleichzeitig stechenden Augen wie Du Sie hast, sieht man selten und vergisst man nicht so schnell.»

Lynn ist nun schon wieder vollkommen in ihrem Flirtmodus, der Mann hatte Sie nur ganz kurz aus der Fassung gebracht. Oder besser gesagt seine Augen.

Er lacht kehlig und leise, fixiert Sie mit seinem Blick. «Nun, das wundert mich ehrlich gesagt nicht, Du hast immerhin eine Menge Verehrer hier und mit einem Halbschuh von diesen auch ziemlich wild geflirtet.»

Halbschuh? Meint er damit Ben? Hat er Sie etwa an diesem Abend beobachtet? War Sie an diesem Abend vielleicht zu offensiv und hat sich danebenbenommen? Lynn schmunzelt ab seiner Aussage.

«Ich glaube, du sprichst von meinem ehemaligen Sporttrainer. Er war mir nicht abgeneigt, das stimmt, ich habe ihn jedoch wissen lassen, dass wenn er zu mir kommen möchte, dies seiner Frau am Telefon vor mir mitteilen sollte.
Das hat er überhaupt nicht lustig gefunden und das Ganze hat sich somit von allein aufgelöst.»
Der Fremde lächelt nur mysteriös und schaut in die Runde am Tisch.
George hat ihn nun ebenfalls bemerkt. «Hallo Boss, auch wieder mal hier? Keine Aufträge zu erledigen?»
«Hallo George, Nein, die Lage scheint im Moment ruhig zu sein.», der Fremde zwinkert George geheimnisvoll zu, dieser versteht und wendet sich wieder seinen Trinkpartnern zu, aber nicht ohne Lynn einen Blick zuzuwerfen,
der heissen soll «Pass bloss auf bei diesem Kerl, Kleine!»

Lynn ist nun wirklich irritiert. Warnblicke von George? Wieso zur Hölle das denn?

Der Fremde wendet sich Lynn erneut zu und streckt ihr seine Hand hin. «Ich bin Dave. Gleicher Name wie letzte Woche.» Ein sarkastisches Lächeln huscht über seine Lippen.

Ach, Dave also, denkt sich Lynn. Dieser Name passt gar nicht zu seinem rockigen Aussehen und seiner unheimlichen Ausstrahlung. Unheimlich attraktiven Ausstrahlung, wohlgemerkt.

«Ich heisse Lynn. Ich nehme aber an, dass Du dies bereits weisst. Ich entschuldige mich hiermit zutiefst, dass ich mich nicht mehr an unser Gespräch von letzter Woche erinnern kann. Vielleicht bedeutet es ja auch einfach,
dass es nicht spannend genug war, ansonsten müsste ich ja unser Zusammentreffen trotz Alkohol noch präsent haben.» Sie zwinkert Dave dabei zu.
Er lächelt amüsiert. «Nun kleine Lynn, ich kann mich an jedes Detail unseres Gespräches erinnern und ich bin mir sicher, dass es Dir auch gefallen hat. Schlagfertig mit den Wörtern warst Du auch schon beim letzten Mal»

 

Gegenwart

Der glatzköpfige, dickbäuchige Mann tritt nun wieder vor Lynn. «Nun sieh an, eine kleine Ratte haben wir hier. Eine Spionin unserer Feinde den «Crawls of Hood»
«Doch ohne Sie bist du ein Nichts, ein kleines Würmchen, dass wir ohne Probleme leise und still in einer Sekunde zerquetschen können»

Nun kriecht die Angst gepaart mit Wut in Lynns Nacken hoch.
Von was spricht dieser Typ? «Crawls of Hood?» Was für ein bescheuerter Name. Sie reisst sich zusammen, steht auf und blickt dem Glatzkopf ins Gesicht, ihre linke Hand immer noch auf ihre blutende Verletzung gepresst.

«Ich habe keine Ahnung von was Du sprichst. Mein Name ist Lynn und ich bin weder eine Spionin noch Mitglied irgendeiner Gang. Ja, ich habe Euch beobachtet und Ja, ihr habt mich erwischt, dies ist jedoch noch lange kein Grund,
mich so grob zu behandeln und durch den Raum zu schmeissen. Ich wäre auch freiwillig mitgekommen, hättet ihr mich anständig darum gebeten.»

Die Menge raunt, ein paar Männer schütteln den Kopf, einer ruft: «Oh Bucks, da haben wir es mit einer kleinen Wildkatze zu tun.»

Ah, Bucks ist der Name des Glatzkopfes, schiesst es Lynn durch den Kopf. Diesen Namen wird Sie sich merken müssen.

Bucks reagiert blitzschnell und packt Lynn mit der rechten Hand am Hinterkopf in die Haare und zieht Sie ganz nah an sein Gesicht.
«Soso, eine kleine Wildkatze sagen meine Männer. Ist das so? Bist Du das? Ich würde eher sagen, dass Du ein kleines Miststück bist Lynn, das uns verpfeifen und anschwärzen will.»
Seine Hand zieht Lynns Kopf nun kräftig nach hinten, so dass sich ihr Hals entblösst. Mit der anderen Hand greift er ihr an die Kehle und kommt mit seinem Mund ganz nah an ihr Ohr.
«Für mich riechst Du nach unseren Feinden. Nach Abschaum.»
Sein Atem, durchtränkt von Alkohol steigt Lynn in die Nase. Ihr wird übel. Sie versucht sich zu wehren, doch plötzlich lässt Bucks von ihrer Kehle ab und drückt mit der freien Hand voller Kraft auf ihre Wunde.
Lynn stöhnt schmerzerfüllt auf, ihr wird schwarz vor Augen, Sie lehnt sich keuchend an Bucks Oberkörper.
Nicht weil Sie will, sondern weil der Schmerz zu gross ist und Sie Angst hat, das Bewusstsein zu verlieren.
Sie versucht verzweifelt den Druck auszugleichen und sinkt mit ihrem Körper immer tiefer. Der Druck lässt nach, einer der Männer bringt einen Stuhl und Lynn wird forsch daraufgesetzt.
Bucks lässt von ihr ab und fängt an sie zu umkreisen, gleichzeitig drücken Sie zwei Hände von hinten auf den Stuhl. Sie kann sich nicht bewegen, geschweige denn aufstehen.
Der Schmerz des Schnittes hat sich gefühlt tausendfach verstärkt. Die Wunde blutet noch immer und mittlerweile pocht auch ihr ganzer Arm.

Sie fühlt sich ungläubig und ist fassungslos, weiss nicht wie ihr geschieht. Die Tränen, vermischt mit Angst, Wut und Schmerz glitzern in ihren Augen und stehen an vorderster Front.
Doch Lynn will sich keine Blösse geben, stark wirken, obwohl Sie sich am liebsten ihn ihre Wohnung auf das Sofa unter die Kuscheldecke verkriechen möchte.
Sie sucht Blickkontakt zu Dave, warum hilft er ihr nicht?
Dave schüttelt fast unbemerkt den Kopf, er versucht ihr wohl zu sagen, dass Sie jetzt besser den Mund halten solle.
Doch Lynn denkt nicht im Traum daran. Ihr Zorn steigt von Sekunde zu Sekunde.

«Warum in aller Hölle geht ihr so mit mir um? Was habe ich Euch getan? Verdammt, ich habe keine Ahnung wer die «Crawls of Hoods» sind, noch gehöre ich zu denen. Lasst mich auf der Stelle gehen.
Oder ich schwöre Euch, ich hetze Euch mit Vergnügen die Polizei auf den Hals. Angefangen bei Dir», Sie blickt hasserfüllt in Bucks Richtung.

Die Männer beginnen schallend zu lachen, Bucks dreckiges Lachen schallt am lautesten in Ihren Ohren.

Plötzlich glänzt etwas silbernes in Bucks rechter Hand auf. Ein Klappmesser. Er hält es demonstrativ in die Höhe und geht auf Sie zu. Ein masochistisches Lächeln umspielt seine Lippen.
Lynn spürt, wie ihr das Blut in den Adern gefriert.

Wieso kann Sie nicht einmal, wenigstens einmal, ihre Klappe halten?

«Nun den, Lynny- Miststück, bevor Du zur Polizei gehst, wollen wir Dir ein hübsches Souvenir mit auf den Weg geben. Dein hübsches Gesicht eignet sich perfekt dafür. Mal sehen,
ob die Bullen sich Dir dann immer noch annehmen wollen, wenn Sie die Initialen auf deinen zartrosa Wangen erkennen. Oder sollte ich besser, blutroten Wangen, sagen?», Bucks lacht hämisch.

Panik steigt in Lynn hoch, Sie versucht aufzustehen, doch der Mann hinter ihr drückt Sie mit einer Leichtigkeit wieder in den Stuhl, so dass Sie keine Chance hat.
Ihr Atem beschleunigt sich, Sie merkt nun endgültig, dass es diesen Männern ernst ist und sie nicht nur versuchen Sie einzuschüchtern.

Da ertönt laut und klar eine Stimme.
«Bucks, lass das Mädchen gehen, Sie gehört zu mir.»

Dave tritt aus der Menge hervor und stellt sich zwischen Bucks und Lynn.


 

Rückblick

«Nun ja, da muss ich mich bei meiner Mutter bedanken. Die Schlagfertigkeit hat Sie mir wohl vererbt. Und was das Gespräch betrifft, da musst Du mich aufklären, vielleicht springt dann mein Gedächtnis wieder an» Lynn schmunzelt dabei.
«Gute Idee, versuchen wir deinem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Doch zuerst hole ich mir einen Drink. Was möchtest Du?» Dave steht auf und schaut ihr tief in die Augen.
«Oh, also doch ein Gentleman versteckt hinter der Bikerfassade. Wie ungewöhnlich. Ich nehme ein Glas Weisswein.»
Dave lacht schelmisch. « Oh, ein Glas Weisswein statt Bier für eine junge Rockerbraut, die keine ist. Wie ungewöhnlich.» Er dreht sich um und läuft zur Bar, Lynn verzieht hinter seinem Rücken eine Schnute.

Was für ein Mann. Der Abend könnte also doch noch interessant werden.

Kaum hat sie den Gedanken zu Ende gedacht, da stupst Sie auch schon George von der Seite an.
«Hey Lynn, sei da mal schön vorsichtig, dieser Typ ist nichts für Dich. Er ist gefährlich.»
«George, Danke für deinen Rat, aber ich denke ich kann für mich selbst entscheiden. Ein Gentleman scheint er ja wohl schon zu sein, er ist höflich im Gespräch und holt mir etwas zu trinken,
dies sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Ach ja, und er sieht heiss aus.» Sie schmunzelt belustigt übers Georges Fürsorge.
«Kleines, ich meine es ernst. Lass die Finger von ihm. Heiss hin oder her. Weisst Du überhaupt, wer er ist und wo er sich rumtreibt?»
«Ach George, muss und will ich das denn wirklich wissen? Wie Du sicherlich weisst, waren meine Exfreunde auch nicht gerade von anständigen Eltern. Lass es einfach, ich werde schon herausfinden, was da hinter seinen «bösen» Augen lauert.
Das macht das Ganze ja auch erst spannend» Lynn klopft George freundschaftlich auf die Schulter.
«Hör mir zu Lynn, ich sag Dir jetzt was, vielleicht merkst Du es ja dann. Er gehört zu den weltbekannten und überaus kriminellen Bikerbande «Death Devils». Na, klingelt jetzt was bei Dir?» George seufzt mit einem besorgten Unterton.

Wow, mit dem hat Lynn jetzt wirklich nicht gerechnet. Dieser gutaussehende Mann bei den «Death Devils»? Klar, er ist tätowiert, düster und strahlt etwas Böses aus. Aber so Böse?

Sie hat schon viel über diese Gang gelesen und auch gehört. Diese Jungs gehören zu der Sorte wirklich übler Typen, sie sind in gefährliche Machenschaften wie dem Waffenhandel, dem Drogenbusiness, und dem Menschenhandel, vorwiegend Zuhälterei, verwickelt. Korruption weltweit vom Feinsten.

«Oh, Okay George, ich hätte ja mit vielem gerechnet, aber ausgerechnet die «Death Devils»? Das muss ich mir wirklich zuerst durch den Kopf gehen lassen…»
«Was musst Du Dir durch den Kopf gehen lassen?», Lynn erschrickt, Sie hat Dave nicht kommen hören. George wirft ihr nochmals einen warnenden Blick zu und vertieft sich dann wieder in das Gespräch mit seinen Kollegen.
Lynn lächelt zuckersüss. «Nichts was von Belang wäre, Herr Gentleman.»

Und wie es von Belang ist, denkt sich Lynn. Sie wird ihm noch auf den Zahn fühlen müssen, denn Sie will wissen, was dahintersteckt und ob George ihr die Wahrheit gesagt hat. Nun, welchen Grund hätte George Sie zu belügen?

«Hier dein Glas, mit den besten Grüssen des Barkeepers. Ich habe gar nicht gewusst, dass Du auch ihn kennst. Du scheinst hier ziemlich viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Das war auch schon letzte Woche so. Aber das erstaunt mich ehrlich gesagt nicht, Du bist mitnichten die Jüngste hier und dazu auch noch verdammt gutaussehend, daher kann ich die Männer verstehen.»
«Danke für den Wein und das Kompliment. Normalerweise meide ich Bars, welche in der Nähe meines Wohnortes sind, da kennt man immer viele Leute, unter anderem auch den Barkeeper, wie Du ja soeben mitbekommen hast.» Lynn hebt das Glas und prostet Dave zu.
«Kann ich verstehen, ich halte es genauso. Was treibt Dich trotzdem hierher?» Dave prostet zurück.
«Mein Freund George hat mich hierhergeschleppt, das zum zweiten Mal. Ich muss aber zugeben, dass ich die Atmosphäre und die Musik hier mag. Vor allem heute, die Live-Band spielt echt gute Songs. Lust zu tanzen?» Mit keckem Blick und dem Glas Wein in der Hand steht Lynn auf.
Dave verdreht die Augen und lächelt nur. «Nein Danke, das ist nicht meins. Ich überlasse Dir den Vortritt und sehe gerne nochmals zu, wie Du zur Musik tanzt. So wie letzte Woche.»
«Letzte Woche habe ich auch getanzt? Da hatten Sie doch gar keine Live-Band hier? Siehst Du, was Alkohol alles anrichten kann. Jegliche Vernichtung der Hirnzellen. Sei’s drum, man lebt ja schliesslich nur einmal.» Lynn lacht herzhaft und prostet Dave erneut zu, bevor Sie sich durch die Leute hin zur Bühne schlängelt. Im Gehen ruft Sie Dave zu noch zu: «Unser Gespräch von letzter Woche, ich habe es nicht vergessen.»
 

 

Gegenwart

Bucks mustert Dave und fängt an zu lachen. «Willst Du mich etwa verarschen? Die kleine Ratte gehört zu Dir? Ich habe nicht gewusst, dass Du Papa Gene in Dir hast oder aber auf kleine Mädchen stehst. Das ist ja mal ein Ding»
Die Männer tuscheln und tauschen untereinander vielsagende Blicke aus. Ein Mann flüstert: »Das wird ja immer spannender, ich hole mir noch ein Bier.»

Lynn, unglaublich erleichtert Daves Stimme zu hören, fühlt, wie sich ihr Puls entschleunigt.
Gottseidank, Sie hatte nicht mehr daran geglaubt, dass er sich einmischen würde. Das Problem war, dass Sie ihn überhaupt nicht mehr einschätzen konnte, nach dem letzten Treffen. Ihre Gedanken aber sagen ihr,
dass er vielleicht doch nicht so böse zu sein scheint, wie Sie immer dachte.

Dave lächelt nur zynisch. «Nun Bucks, ob ich auf kleine Mädchen stehe oder nicht, geht hier niemanden was an. Fakt ist, dass Sie zu mir gehört. Sollte Sie aber eine Spionin sein,
was ich im Moment noch ausschliessen kann, werde ich Sie eigenhändig umlegen.»

Wow, das hat gesessen. Lynn kann nicht glauben, was Sie soeben gehört hat. Sie umbringen? Was zum Teufel läuft mit diesen Männern falsch?
Sie hatte sich so auf diesen Abend gefreut, gemütlich mit ihrer Freundin Carrie einen Cocktail zu trinken und gemeinsam über das Liebesleben zu plaudern.
Nun sitzt Sie hier in einer grossen Lagerhalle mit zwanzig durchgeknallten Männern, irgendwo im Nirgendwo, und muss sich quasi anhören, wer Sie foltern oder schlimmstenfalls umbringen sollte.
In was für einem Film ist Sie da gelandet?

Sie weiss um den Ernst der Lage und ist sich auch sicher, dass Sie am besten keinen Ton von sich geben sollte. Doch die Wut in ihrem Bauch lässt es nicht zu.

«Sagt mal, habt ihr sie eigentlich noch alle? Ich bin kein Ding, dass man einfach nach Belieben umbringen kann. Ich kann Euch…»
«Halt den Mund!», Dave dreht den Kopf zu ihr, sein eisiger Blick trifft sie unverhofft.
«Sie hat ein vorlautes Mundwerk, Bucks, das werde ich ihr noch austreiben, aber für den Moment ist es genug. Lass Sie gehen.»

Bucks betrachtet zuerst Lynn, dann Dave. Er grinst hämisch «Hör zu Dave, Du weisst, Du bist einer meiner besten Männer, daher werde ich Dir entgegenkommen. Mein Vorschlag, wir werden gemeinsam das Lämmchen zum Schweigen bringen.
Na, was hältst Du davon? Eine kleine Narbe in ihrem süssen Gesicht, ich bin mir sicher, Sie wird nie wieder etwas Unüberlegtes sagen. Sei froh, dass ich so gnädig bin, andernfalls müsste ich mir noch überlegen,
ob wir Sie nicht zu etwas anderem gebrauchen können.» Bucks zwinkert Dave zu und leckt sich dann genüsslich über die Lippen während er Lynns Körper lüstern mustert.

Ein Raunen geht durch die Männer, ein etwas jüngerer Mann mit kurzen Haaren und einem schiefen Mund räuspert sich:» Boss, ich glaube Dave hat verstanden. Gilt hier nicht der Ehrenkodex: Das Eigentum eines «Death Devils» wird nie angefasst, ausser er gibt die Erlaubnis dazu?»
Bucks dreht sich drohend in die Richtung des Jünglings. «Ich bin hier der Boss und ich sag Dir jetzt mal was, Hosenscheisser Archie. Der Ehrenkodex gilt nur dann, wenn der «Death Devil» sich von Anfang an zu seinem Eigentum bekannt hat.
Dave hat uns nichts über das Mädchen erzählt, obwohl er genau weiss, wie bei uns der Hase läuft.»
Archie verbietet sich jeden weiteren Kommentar, er möchte sich nicht mit Bucks anlegen.
Ein anderer Mann ruft dazwischen: «Sorry, Bucks hat Recht. Wir sind die «Death Devils» Uns stellt sich niemand in den Weg. Schon gar nicht jemand, der aus den eigenen Reihen kommt. Bucks Regeln sind Gesetz. Das wissen wir alle.»

Dave schaut nun belustigt in die Menge.
«Ach ja, Bucks Regeln sind Gesetz? Na, dann sollte ich vielleicht mal Jack darüber informieren, was hier bei uns so abläuft. Kommt schon Jungs, ihr wisst ganz genau, dass dies nicht unsere Regeln sind. Wir foltern nicht nur zum Spass und ohne Grund. Und wenn dies geschieht, dann sind es unsere echten Feinde und nicht ein kleines Mädchen. Ja, Sie hat einen Fehler gemacht und ist mir gefolgt, ihre Neugierde war wohl stärker als meine Drohung. Aber Sie ist unschuldig und hat nichts mit einer Bikergang am Hut.
Ich übernehme die Verantwortung für ihr Handeln und alle die mich kennen, wissen, dass es Konsequenzen für Sie geben wird. Aber wie und wann die stattfinden, ist allein mir überlassen. Sie ist mein Eigentum.»

Sein Eigentum? Das hört Lynn jetzt zum ersten Mal. Sie hofft, dass dies alles eine Masche von Dave ist, um die andern überzeugen zu können, Sie gehen zu lassen.
Da werden ja wohl nicht noch mehr Konsequenzen auf Sie zukommen, oder?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.05.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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