Fritz Lenders

schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 17 )

...Helene  nahm den zum x-ten male umgepackten Rucksack ..,
der  für Armina gedacht war und stelle ihn in die Ecke ihres Raumes.

Sollte der Stress schon wieder in ihrem Leben Einzug halten ?
Schon im 1000 Jahre entfernten , alten Leben war der Stress stets ein undankbarer Ratgeber gewesen.

Obwohl Helene eigentlich vom Intellekt und vom Wissensdrang her ein toller Mensch war, konnte sie dennoch  ihr Leben nicht gut organisieren.
Stets mußte Alles auf einmal... und am Besten SOFORT  geschehen.

Logisch, daß bei dieser Einstellung das Chaos vorprogrammiert war.

Im Forschungsbereich so voller Tatendrang und auch so voller Erfolge..,
konnte sie es nie abwarten,
ihren Weg Schritt für Schritt nach oben zu gehen.

Nein, sie wollte immer laufen und am liebsten immer, für sie weniger wichtige Stationen , überspringen.

Deshalb hatte sie trotz den Erfolgen, immer extreme Probleme bei den Finanzierungen ihrer Projekte..
und zum Schluß verlor sie eigentlich Alles..,
weil die Ungeduld wieder mal die Venunft überholt hatte.. und wichtige Bankgespräche einfach ingnoriert wurden.

Helene lebte stets knapp am Limit.

Selten " fünf vor Zwölf ",  ... aber meistens  " 10 nach Zwölf "

An dem Tag, als sie mit dem Team den Zeitsprung vollziehen durfte... wurde fast zeitgleich ihr gesammtes Hab und Gut unter den Hammer gebracht und versteigert.

Das Forschungslabor hatte sie schon zwei Monate vorher aufgeben müssen und ihren wichtigsten Treffer..., den Impfstoff, hatte sie der Universität übermittelt und zur freien Nutzung überlassen.

Ja und jetzt stand sie also hier im Zimmer und konnte sich nicht gegen den Eindruck und  die unglaubliche Anziehungskraft von Armina wehren.

Gott sei Dank hatte sie jedoch einiges zu tun.
Die Räumlichkeiten mussten eingerichtet werden, die Patienten versorgt werden.. und außerdem...
sollte Armina ohnehin in 5-6 Tagen kommen um die Wunde kontrollieren zu lassen.

Um die Fäden zu ziehen ...
 ... und um  ihr nochmals über die goldenen Haare zu streichen.

Und im Wald, knapp 300 Meter entfernt stritten sich wieder mal Armina und Bruno...

" Papa, jetzt lass doch unseren Kameraden mal ausreden.., er wird schon kaum seine Träume erzählen, sondern die Wahrheit sagen "

 Und wie immer stand sie vor ihrem Vater.., die Hände in die Seiten gestemmt.. und wild wie eine Furie.
Er liebte seine Tochter  über Alles in der Welt und er konnte sich nicht vorstellen, jemals ohne sie zu leben...
aber genug ist genug !!

" Wag es nicht schon wieder, mir in`s  Wort zu fallen. Ich bin der Oberste des Dorfes.. Und du bist eine kleine, verzogene Göre "

Und bedrohlich ließ er eine grüne Weidengerte in seinen Händen zischen..

" Ich versohle dir den Hintern.. und anschließend kannst du dann ja wieder zu deinen Freunden in die Burg krabbeln... um dich verarzten zu lassen "

Armina stand neben ihrem Waldgefährten, der die Eindrücke aus der Burg so anschaulich erzählt hatte..

Doch als Bruno böse brummend auf sie Beide zulief.. wich erst Armina zwei Schritte zurück..
und der Auskundschafter ihres Vater.. nochmals 2 Schritte mehr..
hinter Armina,
wo er ängstlich über ihre Schulter, in Richtung Weidenrute blickte.

Bruno hatte in der Vergangenheit schon öfters mal den Einen oder Anderen kräftig versohlt.
Und er hatte absolut keine Lust dazu, sich in den Reigen der Verprügelten einzureihen.

" Papa, jetzt mach dich nicht lächerlich und überlege dir mal, was wir selber vorhin Alles gesehen haben.. "

Armina schüttelte wild ihren Kopf..

"Manchmal kommt es mir wirklich so vor, als wenn nicht du unser Anführer wärst, sondern ich eine Mutterform für dich übernehmen müßte "

Armina war jetzt so wütend, daß sie die Angst vergaß...!
Mit einem Schritt stellte sie sich vor ihren Vater, zog ihm die Gerte aus der Hand und warf sie in hohem Bogen hinter sich.
Leider mitten in das Gesicht des Mannes, welcher hinter ihr Schutz gesucht hatte.

" Auuua ..., jetzt hört bitte auf zu streiten und glaubt mir, was ich berichtet habe. Es war ein fliegendes Metallgerät mit Flügeln auf dem Rücken.
Unten war eine große Transportklappe, wo sich Berge von Material türmten. Und im Innersten, ganz vorne unter durchsichtigem, glänzendem Glas.. saßen zwei Männer mit weißen Mützen und schwarzen, spiegelnden Augen."

Der Waldkamerad schüttelte die Schultern, als die Erinnerung so deutlich vor seinen Augen den Film nochmals abspielte.

" Ich weiß auch nicht mal, ob es Menschen waren.. aber eines ist sicher,, sie waren nicht böse. Und als der metallische Vogel wieder wegflog, fiel er kurz darauf mit einem Knall zum Boden zurück."

Und der Kamerad hob beschwörend die Arme hoch über den Kopf...

" und sofort sprangen 4 Männer auf zwei Geräte mit Rädern, und fuhren aus der Burg um den Lufttransporter zu suchen. Ohne laute Geräusche und ohne Zauberei. Sie fuhren einfach in den Wald, auf die große Straße.. "

Und mit weit aufgerissenen Augen..

" ... kurz darauf sprachen sie durch einen kleinen Kasten zu den Leuten auf der Burg. Sie sagten, daß von dem Transporter und den Leuten fast nichts übrig geblieben war. Nur noch tausende , kleine Teile. "

Er zeigte mit dem Finger in Richtung Waldweg..

" Dort hinten sollten wir noch  Einiges finden, was vom Himmel fiel.. "

Und so zogen sie erstmal in Richtung der anderen, wartenden Kameraden vom Dorf und dann gemeinsam weiter, immer in der Nähe der Straße, aber dennoch im Wald, sicher vor unliebsamen Augen geschützt.

Und in etwas mehr als 10 Meilen Marsch durch das Gestrüpp...,
nach knapp 4 Stunden Fußmarsch..,
kamen sie direkt in den Explosionsbereich des Hubschraubers.

Lauter Metallteile verteilten sich im Radius von mehreren hundert Metern.
Armina streifte suchend durchs Gelände und fand zufällig eine heil gebliebene Sonenbrille.
Pilotenbrille von Ray-Ban...
Sie drehte sie prüfend in den Händen.

Der eine von der Burg hatte auch so ein Gestell auf der Nase sitzen gehabt, fiel ihr da gerade ein.
Nur nicht dunkel, sondern ziemlich hell und ganz klar..

 Sie setzte sich die Brille vorsichtig auf die Nase...

 Als sich Armina zu ihrem Vater umdrehte,  konnte sich Bruno eines Schreies nicht erwehren..
Armina sah aus wie ein Dämon mit schwarzen Teufelsaugen.

Wiederum Armina blieb die Sprache weg, als sie durch die Gläser blickte, und sich das Grün des Waldes nochmals um eine Spur vertiefte,
jedoch Alles so mehr als deutlich sichtbar wurde.

Am Rande der Gläser, im Blickbereich von Arminas Augen  spulten sich auf einem Minidisplay endlose Informationen ab.

Armina mußte erstmal versuchen, die Buchstaben zu begreifen.
Einige waren bekannt, andere hingegen waren verändert.
Aber nach kurzer Zeit hatte sie sich schnell an die neue Schrift gewöhnt.

Alles was sie anblickte, wurde im Infobereich der Brille erklärt.

> Eichenbaum, ca 250 Jahre alt >
> Farn, alte Vorkommensform, ca 1200 Jahre zurück >
> Waldmensch, 50 Jahre alt, übergewichtig >

Armina hielt sich die Hand vor den Mund sonst hätte sie lauthals herausgeprustet.
Ihr Vater war also ein Waldmensch und dick..

Und Im Moment begann auch schon der andere Begleiter, von vorhin, welcher auf der Burg ein wenig zu Gast sein durfte...

" Ja, das sind die schwarzen Augen.. so haben die Leute ausgesehen.. "

Armina blickte zu ihm rüber. 
> Waldmensch, ausgemergelt, 35 Jahre, Kopfläuse >

" Halte bloß Abstand zu mir..., bleib in der Nähe der anderen, ich  muß mit meinem Vater reden.. "

Armina lief ein Schauer über den Rücken.
Was es scheinbar alles auf der Burg gab.

Vermutlich war das dieses Nasengerät noch das Wenigste.

Aber was ihr im Moment auch Sorgen bereitete.. waren die Kopfläuse des Anderen.
Und wieder zog sie ihre glänzenden Haare aus dem Nacken in Richtung Nase..

Sie hatte schon immer ihre Haare gepflegt.. auch bestimmt alle 2 Wochen so richtig im  Wasser gewaschen..
aber so einen Duft hatte sie noch nie gerochen.

Weder an sich selber, noch an irgendeinem anderen Menschen.

Und bei diesem Gedanken nahm sie sich vor, in Zukunft etwas mehr Abstand zu Haaren der Weggefährten zu halten.

Sie nahm die Brille vorsichtig von der Nase und verstaute sie in der Seitentasche ihrer Jacke.

Auch so ein Wunderwerk.
Im Mai konnte es im Wald schon noch ziemlich kalt werden.
Aber mit diesem Bekleidungsteil fühlte sie sich warm und eingepackt..
ohne eingeengt zu sein.
Und so luftig.

Sofort fiel ihr Blick gleich wieder auf die Stiefel.

Seit sie durch den Wald marschiert waren, hatte sie sich noch kein einziges mal weh getan.
Sonst kam sie zuhause meistens wie ein kleines Opferlamm an.
Stets blutend aus vielen kleinen Blessuren.
Aber diesmal..
Nichts.

Sie dachte daran, wie sie es wohl schaffen würde, die Bekleidung sauber zu halten, wenn sie in einer Wocher wieder auf die Burg müsse.
Armina bekam bei dem Gedanken daran
so ein ganz komisches Gefühl im Bauch.

Eine Million Schmetterlinge  tanzten durch  den Verdauungstrakt...
Sie würde für die Heilerin ein ganz tolles Geschenk mitnehmen.
Vielleicht eine schöne Halskette.. ?

Aber vermutlich war diese Frau ebenfalls eine Kämpferin.
Eventuell machte sie sich nichts aus Schmuck ??
Hmmm ...

Oder , und das war eine tolle Idee..., den Dolch...,  welchen  ihr Vater von der Stadt mitgebracht hatte.. !
Ja, darüber würde sich die Frau sicher freuen.

Armina konnte es gar nicht abwarten, sie wieder zu sehen.

Es war so ein komisches Sehnen...,
so ein Gefühl... sie wuste nicht so recht.. wie fliegen, springen und weinen..oder auch lachen....
komisches Sehnen eben !!

Und unvermittelt bekam sie einen kräftigen Stoß in den Rücken.

" los jetzt.., es geht nach Hause "

Bruno war nicht dafür berühmt, besonders feinfühlig zu sein.
Denn auch der Begleiter von ihnen bekam einen kräftigen Fußtritt in den Hintern..

" los,los ihr Halunken. Es geht nach Hause.. wir können im Moment nichts ausrichten. "

Steuerverhandlungen konnten warten.
Erstmal mußte er zur Ruhe kommen und sich irgendwie einen Plan überlegen.
Bruno konnte sich im Moment nur schwer vorstellen, daß die Burg auf Hilfe von Ihnen angewiesen war.

Aber Armina mußte auch Ruhe finden.
Er wollte nicht, daß sich auf ihrer Wunde gelbes Fieber ausbreitete..

Und Von Augsburg aus bewegte sich ein Tross von 50 Mann in Richtung Burg.

Die Soldaten würden in vielleicht 3 Stunden auf die Kameraden treffen.., aber die schweren Geräte brauchten mindestens 12-15 Stunden.
Irgendwie war jedoch keiner der Soldaten so 100%  scharf auf das Eintreffen bei der Burg.

Zuviel hatten die anderen Beiden, von der Kampftruppe.., erzählt.

Einerseits waren die Männer zwar neugierig, was es mit den merkwürdigen Vorkommnissen auf sich hatte..
aber andrerseits wollte jedoch keiner persönliche Erfahrung mit Maschienenkanonen machen.

Wenn sie allerdings die Burg besiegen könnten, wären solch neue Waffen natürlich ein unvorstellbrer Vorteil bei zukünftigen Verwicklungen.

Sollte es stimmen, was die beiden Anderen erzählten, könnten sozusagen 2 Mann eine ganze Armee besiegen.

Und Jeder aus der Verstärkungstruppe hatte da so seine eigenen Überlegungen, welche Vorteile sie aus einer Burgeroberung ziehen könnten.

An den Bischof dachte dabei jeoch keiner.
Die Gedanken waren da eher egoistischer Natur...






 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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