Thomas-Otto Heiden

Menschen rennen

Menschen rennen - Menschen schubsen - Menschen drängeln  


Neulich war ich einkaufen. Ich gehe gerne einkaufen. Hauptsächlich Lebensmittel, weil ich mit Lust und Liebe esse. Auch wenn man es mir nicht ansieht. Denn ich habe das große Glück, das ich nicht zunehme. Niemals! Jedenfalls war dass bis heute so. Und dass, obwohl ich schon über fünfzig bin. Früher als ich klein war, haben die Tanten und Omas mir immer den Teller voll gehauen. Iss was Jung, damit du was auf die Rippen, kriegst. Du bist ja nur haut und Knochen. Haben sie dann immer gesagt. Ich war brav und hab alles auf gegessen. Danach hab ich den Teller hochgehalten, weil ich noch mehr wollte. Man was haben die geschaut. Ich bekam also noch einen Nachschlag. Aber das nur am Rande. 

Ich gehe ohne Zettel einkaufen. Schon immer. Ja ich weiß, das ist nicht so vernünftig. Aber ich brauche halt keinen. Bin ich im Laden, schlendere ich, ohne jemand anderen zu behindern, durch die Gänge. 
Sehe mich um, ob es etwas Neues gibt. Wenn ja, nehme es aus dem Regal, schaue es mir an, und wenn es mir gefällt, lege ich es in meinen Einkaufswagen. Ich probiere so gerne neue Sachen aus. Aber um die Probierstände mache ich „IMMER“, einen großen Bogen. Die mag ich nämlich nicht. Das Gewusel von Menschen, um diese Stände herum, ist mir zu wieder. Weil es kostenlos ist, drängeln und schubsen sie, machen sich mit den Ellbogen Platz, als ob es kein Morgen gibt. 
Greifen mit beiden Händen zu, und stopfen es sich in den Mund, oder sogar in ihre Taschen. Hab ich alles schon gesehen. Ich stehe dann am Rande, und schaue Kopfschüttelnd dabei zu.
Die Blicke der Verkäuferin, und meine treffen sich. Sie lächelt verlegen. Weist mit ihrer Hand auf den Teller mit den Probierhäppchen. Ich schüttel lächeln den Kopf, und lehne ab. Später als ich noch einmal an dem Stand vorbei komme, sind die Teller leer. Die Verkäuferin sorgt gerade für Nachschub. Ich spreche sie an, und frage „Sie“ was sie von dem Treiben der Kunden so halte. Sie hebt die Schultern, lässt sie wieder runter, fragt mich dann lächelnd, ob ich jetzt etwas möchte. Diesmal nehme ich dankend an. Ich möchte ihre Freundlichkeit und Arbeit würdigen. Ein Stück frisches Brot mit rohem Schinken, der eine Kümmelkruste hat, erfreut meinen Gaumen. Ich entschließe mich dazu, etwas davon zu kaufen. Wir plaudern ein wenig, während sie neue Teller vorbereitet, danach kaufe ich weiter ein. 
Meinen Einkaufswagen an die Seite gestellt, wo er niemanden stört, stelle ich mich vor ein Regal. In einem vernünftigen Abstand stehe ich davor. Jetzt können auch andere Kunden was sehen. Ich schaue also auf eine bestimmte Stelle. Da ich nach etwas bestimmten suche. Da kommt von rechts eine Frau. Sie schiebt mit der einen Hand, ihren Wagen vor sich her, und zieht mit der anderen, ihren Trolley, hinter sich her. Dann bleibt sie stehen. Versperrt mal eben, gut und gerne drei Meter Regal. Niemand kann mehr was sehen geschweige den ans Regal ran. Das Witzige aber ist, das sie kurz vorher noch zu mir geschaut hat. Sie muss also gesehen haben, dass ich auf das Regal Schaue, und augenscheinlich nach etwas suche. Sie steht also mit ihrem Fuhrpark genau zwischen mir und dem Regal. Sie wühlt herum, nimmt was herraus, stellt es wieder zurück, und dann dreht sie sich mit einem Mal um, so als ob sie meine Blicke in ihrem Nacken gespürt hätte. Schaut mich von oben nach unten fragend an. Dann, und ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, fragt sie, ihren Kaugummi mit weit geöffnetem Mund kauend „Eh" willste en Foto von mir haben? Dad kannse dann anstarren. Oder „Suchste“ watt ...? Momentan suche ich nur das Regal. Antworte ich freundlich, und „Nein“ ein Foto ist nicht von Nöten „Danke“.Dabei breite ich meine Arme so weit, wie es mir möglich ist aus, um ihr damit zu zeigen, wie viel Platz sie gerade versperrt. Hinter mir fängt ein anderer Kunde leise an zu lachen. Er tippt mir auf die Schulter und flüster mir ins Ohr, gut pariert mein Freund. „Sehr gut“. Die Dame vor dem Regal schaut uns an, hebt den Kopf und stolziert wie Pfau, eine Kaugummiblase machend davon. 
Ja ich gehe gerne einkaufen.
„Wirklich“. 

Beim nächsten Mal. (An der Kasse!) 




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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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