Thomas-Otto Heiden

An der Kasse



An der Kasse 


Ein sonniger Samstagmorgen ließ mich gegen 8.30 Uhr wach werden. Ich sprang unter die Dusche, und wusch mir die Nacht vom Körper. Mit einem Kaffee in der Hand trat ich anschließend raus in meinen Garten. Heute würde es richtig warm werden. Danach sah es zumindest aus. Ich setzte mich auf meine Sonnenliege und schaute mir den Garten an. Als mein Blick auf den Grill fiel, beschloss ich heute zu Grillen. Schnell rief ich ein Paar meiner Freunde an, von denen ich wusste, das „Sie“ am Wochenende genau wie ich, Frühaufsteher sind. Den anderen schickte ich eine Nachricht, über WhatsApp. Danach nahm ich mein Portemonnaie, den Hausschlüssel meinen Leinenbeutel und machte mich auf den Weg. Aus Erfahrung, und weil der Laden schon ab 7.00 Uhr geöffnet hat, dürfte der erste Ansturm durch sein. So meine Annahme. Doch ich sollte mich täuschen. Der Laden war brechend voll. Ein kurzer Blick rüber zu den Kassen, ließ Unmut aufkommen. 
Im Supermarkt tat ich, was ich auch sonst immer tat. Ich schlenderte so gut es ging, durch die vollen Gänge, und sah mich um. Nur das ich diesmal keinen Wagen brauchte. Fleisch für den Grill und zwei Baguettes für dabei. Kartoffeln und alles andere für einen „Rheinischen Kartoffelsalat“ hatte ich noch zu Hause. Und meine Freunde würden ja auch was mitbringen. Das Fleisch war schnell gefunden, die Baguettes auch. Eines aus Roggenmehl mit Zwiebeln und Speck, und ein normales, ohne nix. Aber dafür waren beide in extra-large. 
Mein Weg führte mich als bald zu den Kassen. Es gab sieben. An dreien davon gab es schon recht lange Schlangen, die weit in den Laden reichten. Menschen so weit das Auge sah. Frauen mit quengelnden Kindern, die in den schmalen Sitzen der Einkaufswagen, eingepfercht wie die Sardinen in der Büchse waren. Ihre kleinen Hände griffen immer wieder in die mit Süßigkeiten gefüllten Regale. Sehr schwer, sie davon ab zu halten. Die Mütter hatten ihre Mühe damit. Gaben aber irgendwann entnervt nach. Männer, die nach den Einkaufszetteln ihrer Frauen, einkauften, und ständig kontrollierten, ob sie denn auch alles hätten. Rentner und rinnen, zählten schon einmal das Kleingeld ab. Einer älteren Frau, die scheinbar an Parkinson erkrankt war, fiel das Kleingeld aus den Händen. Es verteilte sich klappernd und klingend auf dem Boden und rollte in jede Ecke.
Vor mir stand ein älterer Herr. Kordhose, Sakko, an den Füssen die in Tennissocken steckten Birkenstock Sandalen. Auf dem Kopf ein Hut mit Gamsbart. Unentwegt hüpfte er von einem Bein aufs andere. Sicher musste er aufs Klo. Ja so sah es für mich jedenfalls aus. 
Von hinten schrie jemand, „ Hey“ kann man noch ne Kasse auf machen. Es wird ja schon wieder dunkel draußen. Aber es tat sich nichts. Meine drei Teile in der Hand, stand ich da, und versuchte mich nicht aufzuregen. Ich dachte an meinen Garten und daran wie ruhig es dort vorhin war, als ich meinen Kaffee trank. Ich dachte ans Grillen, den schönen sonnigen Tag und an die Freunde die vorbei kommen würden. Um mich herum verschwand alles andere. Genau in diesem Moment bekam ich von hinten einen Wagen in die Hacken gefahren. Der Schmerz war so heftig, dass mir die Tränen in die Augen schossen. 
Als ich mich umdrehte, sah ich eine junge Frau auf ihr Handy tippen. In den Ohren Kopfhörer. Die Musik konnte sogar ich hören. Obwohl mein Gehör nicht mehr so gut ist, wie es einmal war. Sie schien genervt. Ohne etwas zu sagen, drehte ich mich zurück. Der ältere Herr vor mir, hüpfte noch immer von einem Bein aufs andere. Der Schmerz von eben verlor sich nur langsam, als der Mann vor mir plötzlich nicht mehr hüpfte. Seine eben noch hellgrüne Kordhose, färbte sich dunkelgrün, und dann lies er einen Furz, der den Boden zum Wackeln brachte. Na toll dachte ich, jetzt hat er sich auch noch eingeschissen. Da stand ich nun. Die Hacken taten auf einmal wieder weh, die Pisse von dem Mann vor mir floss mir entgegen, und als ob das nicht genug wäre, wurde ich auch noch eingehüllt in einen Duft aus eu de Landluft. 
Hatte ich schon erwähnt, dass ich nur Flip-Flops an den Füssen hatte? Nein? Aber genau so war es. Und wer jetzt glaubt, dass der nette Herr vor mir, an der Kasse gesagt hat, was für ein Missgeschick ihm gerade passiert ist. Der täuscht sich. Zum Glück war ich jetzt dran. Ich bezahlte meine Sachen und verließ den Supermarkt. Draußen, vor dem Geschäft, stand eine Mülltonne. Dort entsorgte ich meine Flip-Flops ohne sie mit den Händen zu berühren. „Ja“ ich bin noch so gelenkig. Barfuß machte ich mich, ein Lied pfeifend, auf den Weg nach Hause. Vergessen war fürs Erste, was gerade geschehen war. Aber später beim Grillen, als ich es erzählte, hielten wir uns alle die Bäuche vor Lachen. 

„Ja“ ich gehe gerne einkaufen. „Wirklich“ .

Nächstes Mal ... (An der Fleischtheke) .



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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