Heinz-Walter Hoetter

Der alte Magier und sein Zauberlehrling

Ein alter Magier und sein Zauberlehrling waren auf der Reise und mussten aber schon bald wegen eines schlimmen Unwetters Halt machen. Glücklicherweise konnten sie im Haus eines reichen Kaufmannes unterkommen, denn es gab weit und breit keine andere Herberge.

 

Als der reiche Kaufmann die beiden Männer sah, die pitschnass draußen vor seiner Tür standen, ließ er sie zwar ins Haus, wies ihnen aber nur im ungemütlichen Keller einen engen Raum zum Schlafen zu. Von dem warmen Gästezimmer unterm Dach sagte er kein Wort, denn er wollte nicht, dass sie es mit ihren durchnässten Kleidern verschmutzten.

 

Als sich der alte Magier und sein Zauberlehrling auf dem harten Kellerboden ausstreckten, bemerkte der Alte plötzlich in der Dunkelheit ein hässliches Loch in der Wand. Er zauberte es zu und legte sich dann schlafen.

 

Am nächsten Tag zogen die beiden weiter und kamen am späten Nachmittag an einem Bauern vorbei, den sie um etwas Nahrung baten. Der Bauer und seine Familie holten den alten Mann und seinen jungen Begleiter sogleich zu sich ins Haus und teilten das gesamte Essen mit ihnen, obwohl sie nur wenig hatten. Als die Nacht hereinbrach, ließen der gastfreundliche Bauer und seine Frau ihre beiden Gäste sogar in ihrem eigenen Bett schlafen und legten sich selbst zu den Tieren im Stall.

 

Am nächsten Morgen fanden der Bauer und seine liebe Frau unter Tränen ihre einzige Milchkuh tot auf der Weide vor, was für ihre große Familie ein herber Schlag war, denn die Milch der Kuh war die einzige Einnahmequelle gewesen.

 

Der junge Zauberlehrling wurde auf einmal böse auf den alten Magier und fragte ihn, warum er seine Zauberkraft nicht habe walten lassen, um die Familie des Bauern vor großer Not zu helfen. Er habe den reichen Kaufmann ja auch trotz seines schäbigen Verhaltens geholfen und das große Loch in seinem Keller mit der Hilfe seiner magischen Zauberkräfte repariert.

 

„Das ist richtig, mein lieber Zauberlehrling, aber als wir da unten im Kellerraum auf dem kalten Boden lagen, sah ich nicht nur dieses hässliche Loch in der Wand, sondern bemerkte auch das viele Gold darin, welches der reiche Kaufmann dort heimlich versteckt hatte. Ich versiegelte es mit meiner Magie, sodass er es nicht mehr wiederfinden konnte. Nun, als wir in der letzten Nacht im Bett des freundlichen Bauern und seiner Frau schliefen, wachte ich plötzlich in der Nacht durch ein schlurfendes Geräusch auf und sah den Tod im Haus herum schleichen. Er wollte die Frau des Bauern holen. Ich konnte ihn aber mittels meiner magischen Kräften dazu überreden, anstatt der Frau die Kuh zu nehmen. Lerne also daraus, dass die Dinge nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen.“

 

 

ENDE

 

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

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