Lena Kelm

Manchmal dauert ein Weg ein Leben lang

 

Auszug
„Manchmal dauert ein Weg ein Leben lang – Vom Gulag nach Berlin“

 

Wer nicht weiß, woher er kommt, weiß nicht, wohin er geht.

Der Sohn Wurm fragt den Vater Wurm:
„Ist das wahr, dass es sich am Apfel sooo süß leben lässt?“
„Ja, mein Sohn, das stimmt“, antwortet der Vater Wurm.
„Man sagt aber, in der Birne ist das Leben noch viel süßer, stimmt das?“
„Ja, auch das trifft zu, mein Sohn.“, antwortet der Vater Wurm.
„Wieso leben denn wir, Papi, auf dem Misthaufen?“
„Na ja, mein Sohn, es gibt einen Begriff Heimat und das ist nun mal unsere Heimat.“

Am Anfang waren die Reisen

„Wer bist du? In keinem Geschichtsbuch habe ich etwas über Deutsche in Russland gelesen. Ich weiß, es gibt welche in Amerika, Kanada, sogar in Chile, aber in Russland?“, fragte mich meine Kollegin vom DRK Berlin. Dieses Buch soll die Antwort für Daniela und die Leser sein, die sich für eines der unbekanntesten Kapitel der deutschen Geschichte interessieren. Die Leser werden von mir auf dem langen Weg einiger Generationen deutscher Auswanderer von Ostpreußen bzw. Norddeutschland nach Ukraine/Russland, von Russland nach Ostpreußen bis Mecklenburg-Vorpommern, Kasachstan und Sibirien und wieder nach Deutschland mitgenommen. Nach Deutschland bin ich in vierter Generation deutscher Auswanderer zurückgekehrt. Als Russlanddeutsche wuchs ich in zwei Kinderstuben auf, beheimatet in der deutschen Sprache, denn die wurde in meinem Elternhause gepflegt. Mein Wiegenlied war ein deutsches. Ich kann behaupten, ich bin in zwei Welten aufgewachsen: in der unbekümmerten Kindheit und Jugend der sowjetischen Zeit und in der meiner ehrlichen wunderbaren Eltern. Mein Vater war es, der öfter, erzählte ich ihm etwas aus dem Geschichtsbuch, zu mir sagte: „Na ja, mein Kind, könnte ich die Geschichte aus meiner Erfahrung schreiben, würde ein Buch nicht ausreichen, und die Geschichte würde ganz anders aussehen.“

Diese Geschichte „schrieben“ meine Eltern, die keiner Fliege etwas taten, und denen ich aufs Wort glaubte, in mein Gedächtnis tief ein. Vielleicht machte mich das im Umgang mit der Geschichte kritischer als so manchen meiner Zeitgenossen. Meine Eltern erschwerten meine Kindheit durch die „zwei Wahrheiten“ nicht, sie schützten sie mit all ihrem Verstand und Elterninstinkt. Die eine war einfach ihre und meine Vergangenheit und die behielten wir für uns. Die andere war die Gegenwart und der passten wir uns tatsächlich unbeschwert (ich auf jeden Fall) an.

 
„Man kann niemanden vorwerfen, ein angepasstes, unauffälliges Leben geführt zu haben“, diese Aussage machte der bekannte Politiker Thierse im Deutschlandfunk in Bezug auf die Anspielungen der Medien auf die DDR-Vergangenheit der Kanzlerin Angela Merkel. Die Vorwürfe gegenüber der Kanzlerin ebbten bald ab. So bitte ich „kleiner Mensch“ auch um Verständnis beim Leser.
 
Ich wurde Pionierin, Komsomolzin, aber kein Parteimitglied, das konnte ich meiden, obwohl ich als stellvertretende Direktorin einer Schule es hätte sein müssen. Man hat mich einfach, wie so manchen, nicht dazu gezwungen, weil die Zeiten in der zweiten Hälfte der Neunziger sich änderten. An der pädagogischen Hochschule studierte ich Germanistik, wie konnte es auch bei meiner Liebe zur deutschen Sprache anders sein.
Ich liebte und liebe die Sprache meiner Eltern und Ahnen, wie ich deren Geschichte über alles liebe. Deshalb geht es mir in Deutschland, dem Land meiner Vorfahren, so gut, wenn ich manches auch kritisch sehe. Im Vergleich sieht man so einiges klarer. Vielleicht möchte ich deshalb dem Leser um jeden Preis die Geschichte meiner Eltern erzählen, so wie sie an langen Abenden, in vielen und doch lückenhaften Erzählungen mir übertragen, schriftlich wiedergegeben wurde, bevor ich meine persönliche fortsetze. Ich möchte, dass der Leser versteht, wieso ich so viele Verwandte in Deutschland habe und nun glücklich seit 1993 in Berlin lebe. Ich möchte, dass der Leser mich, eine Russlanddeutsche, auf dem langen Weg zu meinen Wurzeln begleitet.

Die Geschichte der ersten Welle der Deutschen, die auf der Einladung der Zarin Katharina der Großen nach Russland kamen, ist einem breiteren Leserkreis bekannt, nehme ich an. Die Geschichte der Wolhynien-Deutschen, zu denen meine Eltern gehörten, ist eine besondere eher unbekannte Geschichte. Über den leidvollen Weg meiner Familie auf der Flucht, im Gulag, unter der Kommandantur, in der kasachischen Steppe bis zur Wiederkehr nach Deutschland und Leben in Berlin erfahren sie in den nächsten Kapiteln meines Buches.
 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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