Ralph Bruse

Dein Louis

Dein Louis


Ich warte dort mit einer Rose,
schrieb er auf Bütten-Glanzpapier.
In weissem Shirt und schwarzer Hose
steh ich schon bald vor deiner Tür.

Dein Louis


Der nächste Tag. Am Brunnenrand 
schaut er suchend nach ihr aus.
Die eine Rose in der Hand
eilt sein Blick zu ihrem Haus.

Dort öffnet sich die hohe Tür. 
Nach draußen strebt eine krumme, alte Frau.
Nicht sie - er kennt ja ihr Gesicht
vom Bild, das er wie zartes Blättergold
und nah am Herzen mit sich trägt.

Wieder die Tür. Ein alter Mann
verlässt das Domizil.
Jener, am Brunnen, rätselt: 
wann kommt sie?
Und: treibt sie nur ein Spiel?

Minuten werden eine Stunde.
Sie kommt nicht - soviel ist gewiss.
Den Schweiss verwischt an Stirn, am Munde
geht es durch ihn wie ein Riss -
zerreisst ihn mittlings, all sein Hoffen.
So sackt er hin, ist schwer getroffen.

...Sie wusste nicht, wie ihr geschah,
am Fenster, hinter der Gardine,
im Trauerspiel, das sie dort sah:
wie er mit fragend blasser Miene
langsam in sich zusammen fiel.
Das hat sie sicher nicht gewollt...

Ihr Blick weilt, wo es rastlos springt,
in trübem Brunnenwasser,
wo nachts der Clochard wütend singt;
manchmal - wenn sie nur bei ihm bliebe -
singt er auch leise von der Liebe.

Dort - wo der Mann so lange stand,
mit jener Rose in der Hand,
blieb vom Sehnen schwere Stille
und die gebrochne Blume, hier.

Vielleicht hebt sie ein andrer auf,
vom Brunnenrand: die Schöne.




Vers-Erzählung & Foto: (c) Ralph Bruse

 

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