Jürgen Malodisdach

Nachterlebnis

Er lebt es

 

Es ist schon verhältnismäßig spät am Abend. Das Fernsehprogramm ist auch nicht interessant genug um ein Verbleiben auf der Couch vor dem Flimmerkasten , gut zu finden. Der kleine Hund unter dem Tisch schaut erwartungsvoll hervor, gähnt ein paarmal. Soll wohl soviel heißen wie, ich räume den Platz und gehe in mein Körbchen. Einer muß ja den Anfang machen.

Er schließt sich an, geht nicht ins Körbchen aber in sein Bett. Die gängigen Hygienehandlungen begünstigen aber auch keine Änderungen seines Vorhabens.

Ist es nur Langeweile oder eben auch nicht ausgelastete Arbeitsaufgaben des vergangenen Tages. Egal . So macht Er es sich in seinem Bett gemütlich. Hofft auf einen geruhsamen Nachtschlaf. Vielleicht wird der nächste Tag interessanter.

Vielleicht, denn die augenblickliche Stimmung ist nicht gerade als positiv zu bezeichnen. An Einschlafen ist dabei nicht zu denken. Er liegt vor einem großen Fenster. Das erlaubt ihm bei geöffneten Augen, direkt alles zu betrachten, was sich so in größeren Höhen, also im einsehbaren Himmel zu betrachten lohnt. Falls nicht gerade Wolken die Sicht beeinflussen kann er viele Sterne am dunklen Himmel sehen.

Dazu kommen die Lichter vorüber fliegender Flugzeuge und manchmal auch die ISS als kleinen Punkt.

Es könnten ja auch Ufos dabei sein. Erzählt wird viel darüber. Sterne zählen oder Schäfchen oder andere Zahlenspiele zu absolvieren hat auch keinen Zweck. So liegt er eine ganze Weile wach .

Horcht auf den nachlassenden Fahrzeugverkehr auf der nahen Hauptstraße. Der nächste Bahnhof mit seinen typischen Geräuschen ist auch nicht zu überhören.

Er nimmt das Alles nicht ganz bewusst wahr. Sinniert weiter über Entfernungen zwischen Himmelskörpern. Wie kann denn ein vernunftbegabtes Wesen , das mit endlichen Lebenszeiten ausgestattet ist, Weltraumreisen unternehmen , deren Ziele er nie erreicht. Vielleicht nur Nachkommen aus den Vereinigungen der Mitglieder der Besatzungen des Unternehmens. Wenn überhaupt..

Naja denkt er, wenn Er überhaupt jetzt zu dieser späten Stunde noch gut denken kann. Seine Uhr zeigt ihm , das er schon ziemlich lange über verschiedene Dinge grübelt. Er muß nun aber endlich schlafen, sonst sieht der nächste Tag nicht sehr freundlich für ihn aus. Merkt, das es besser wäre, wenn er noch einmal zur Toilette gehen würde.

Also aufstehen ist angesagt. Seine Beine bewegt er aus dem Bett. Was ist das, fragt er sich. Beim Aufstehen und Aufsetzen eines Fußes auf den Fußboden vor seinem Bett, fühlt er diesen nicht so richtig. Tritt in eine weiche unangenehme schmierige Masse.

Hat sein kleiner Hund hier eine Tretmiene in Form eines speziellen Häufchens hingelegt ? Igit ist das unangenehm. Auch verwunderlich. Denn so etwas ist ja noch nie passiert. Egal , nun muß er erst Recht zur Toilette und alles bereinigen.

Er geht, leicht behindert durch die zusätzliche Belastung, zum Bad. Klinke drücken, nichts passiert. Noch einmal, wieder bleibt die Tür zu. Wieso fragt er sich. Die Tür hat er noch nie abgeschlossen. Es ist ja auch niemand da, der das tun würde. Es wäre zudem sinnlos. Es gibt ja nicht einmal einen Schlüssel dafür.

Vielleicht hilft der Hausmeister. Er nimmt sein Handy, das rührt sich nicht. Der Akku ist leer. So ein Mist. Mitten in der Nacht die Treppe runter zur Concierge. Macht die Wohnungstür auf.

Der Gang ist aber heute ziemlich lang. Kommt ihm jedenfalls so vor. Und außerdem auch noch finster.

Also erst den Schalter suchen. Die Automatik der Flurbeleuchtung funktioniert auch nicht. Wie schon so oft. Er flucht innerlich. So tastet er sich zum Fahrstuhl. Er wohnt im zehnten Stock. Hat jetzt keine Lust, die Treppe herunter zu laufen. Er steigt ein, möchte nach unten.

Schaut auf die Schalttafel und stellt fest, das er schon ganz unten ist. Ist etwas irritiert. Fragt sich, wieso bin ich unten. Als ob ich schlaf gewandelt die Treppe abwärts gelaufen bin. Also Ruhe bewahren.

Wieder aussteigen und zur Concierge gehen. Gesagt getan. Aber da draußen ist so etwas nicht. Er geht weiter , raus aus dem Haus. Geht ein paar Schritte, schaut sich um. Sieht ein Haus, das nicht Seins ist. Das hier sieht eher wie eine Baracke aus. Aber so glänzend. Und auch etwas mehr rundlich. Sogar die Fenster sehen anders aus. Mehr wie Bullaugen eines U-Bootes oder Flugzeuges oder, oder, oder.

Er steht auf der Straße, mit nackten Füßen, die sich auch noch schmierig bis eklig anfühlen. Außerdem hat er das Gefühl, das der Boden auf dem er steht ziemlich heiß ist. Komisch ist das alles.

Er sieht wieder zum Haus hin. Das bewegt sich jetzt sogar, wenn auch ganz langsam. Biegt sich zu einem Kreis als wolle es ihn umarmen oder wenigstens einkreisen. Nein, bleib wo du bist, will er sagen. Bekommt aber kein Wort heraus.

Dafür kommt jetzt ein etwas seltsames Wesen auf ihn zu. Bleibt vor ihm stehen. Sieht ihn an und sagt plötzlich, ich habe aber nicht an dein Bein gemacht.

Wer bist du, fragt er das Wesen. Der oder das sieht ihn mit leuchtend roten, ovalen Augen an und sagt, na ich bin dein Hund. Erkennst du mich nicht ?

Du bist nicht mein Hund sagt er, ich habe dich gar nicht mit nach draußen genommen. Stimmt , wir bewegen uns aber zusammen, sagt das Wesen.

Wieso, meint er, ist alles rundherum finster ? Wo sind die Sterne und der Himmel? Und warum ist es so warm, und wo sind die anderen Menschen aus dem Haus, in dem ich wohne? Ich muß auf die Toilette, sagt er.

Das geht nicht, du schläfst jetzt und deine Toilette ist besetzt sagt das Wesen. Ich habe sie abgeschlossen und den Schlüssel hier draußen weg geworfen, damit du kein Unfug machen kannst. . Wieso gehst du auf meine Toilette und ich stehe auf der heißen Straße, wo sich alles bewegt. Fragt er, und wieso kannst du überhaupt so sprechen und siehst gar nicht wie mein Hund aus.

Eher wie ein kleines Monster aus dunklem Blech oder so ähnlich.

Ich bin dein Hund . Zwar nicht aus Blech aber aus Stoff. So wie du auch. Wir sind nehmlich beide auf einer großen Reise. Hast mich mitgenommen. Weißt du wohl nicht mehr. Sieh dich mal selber an. Hier, die Wand ist ein Spiegel. So wie jetzt alles rundherum ein einziger Spiegel ist.

Da wurde Er wütend und ängstlich zugleich. Lief so schnell er konnte zu einem Wandteil, das aussah wie eine Tür.

Aber das geschah in Wirklichkeit ganz , ganz langsam. Er konnte kaum seine Beine bewegen. Wie bei einer Zeitlupenaufnahme.

Er sah in der Spiegelwand ein für ihn vollkommen fremdes Wesen. Was sagt er. Das soll ich sein? Sieht aus wie ein aufrecht stehendes Wollschaf, das gekreutzt wurde mit einem Waschbär. Seltsame Wesen gibt es heute hier.

Dann wird Er wieder wütend. Ich will hier raus und auf meine Toilette.

Bleib hier, rief sein Hundewesen. Mach nicht die Tür auf.

Er reagierte aber hysterisch, warf sich gegen die Tür. Eine Klinke gab es ja nicht. Etwas splitterte, wie Glas oder eben wie eine Spiegelwand. Dahinter war es stockfinster. Plötzlich aber strahlend hell.

Und mittendrin, ihm den Weg versperrend stand eine wunderschöne , schlanke , junge Frau. Er sah sie gar nicht richtig in diesem Moment. Rannte sie einfach um, daß sie zersplitterte, wie vorher die Spiegelwand und schrie immer wieder, ich will auf meine Toilette.

Da war ja auch der endlos lange finstere Flur. Eine Tür war da. Verschlossen. Aus Holz, wahrscheinlich.

Er hämmerte mit seinen Fäusten wie wild dagegen. Aufmachen, ich muß hier rein. Und da ging die Türe auf, ganz langsam. Mitten drin, in Zimmer und Tür, hell erleuchtet vom Sonnenlicht, stand …....... E R …......... Wieso stehe ich hier draußen vor der Tür und außerdem auch im hellen Zimmer. Das ist ja ein Ding sagte Er. Ich bin zu Zweit.

Ich im dunklen Flur vor der Tür und ich nochmal im hellen, sonnendurchfluteten Zimmer mir gegenüber.

Ich möchte mich kneifen, tue es auch. Aber nichts passiert. Kein Schmerz ist zu spüren. Laß mich durch , ich will zur Toilette, sagte er zum anderen Er.

Der sagte kein Wort. Ließ nur eine Hand an einem Arm, der nun immer länger wurde auf mich zu kommen. Wie eine Schlange kam ihm das vor.

Angst und Wut packte mich. Er nahm allen seinen Mut und seine Kraft aus seinem Stoffkörper zusammen. Nahm den Schlangenarm und wollte ihn mitsamt dem anderen Er abreißen. Eine unbändige Kraft lag aber in diesem Arm.

Der wickelte sich urplötzlich um seinen Körper und warf ihn und auch den anderen Er auf das Bett, das es krachte .

Dann gab er ihm lachend einen Klaps auf den Arsch und war verschwunden.

Besser gesagt, lag oder auch saß Er in einem vollkommen, im zerwühlten Bett.

Hielt sich seinen Kopf, strich mit beiden Händen über seinen ganzen Körper. Zur Kontrolle, ob noch alles was notwendig ist, da war. War vollkommen von innerer Unruhe befallen.

Versuchte jetzt, sich neu zu orientieren. Stand etwas auf, blickte aus dem Fenster. Hörte den üblichen morgendlichen Lärm von Haus und Straße und wußte nun. Er war wieder zu Hause, beruhigt sich wieder. Die Sonne schien durchs große Fenster.

Sein Hund lag vor seinem Bett, sah ihn wohl ein bißchen schelmisch oder auch freundlich an. Ein Häufchen hatte er nicht gemacht.

Und Er ? Konnte nun schon wieder über sich selbst lächeln.

Über den Albtraum und seine seltsamen Erscheinungen vor dem Einschlafen und während des Schlafes. Jetzt konnte Er endlich auch auf seine Toilette. Das war auch bitter nötig, nach dieser strapaziösen Nacht.

Nur ein kleines Problem ließ ihn nicht los, die hübsche junge Frau, die er so stürmisch bedrängte, daß sie wie Glas zersplitterte. Er kannte sie nicht. Sagte sich, wenn sie im Haus wohnte, könnte er sich für eventuelle Unannehmlichkeiten bei ihr entschuldigen. Vielleicht auch zum gemeinsamen Abendessen einladen.

 

 

Übrigends – es ist gerade wieder Pfingstens und deshalb viel Spaß für die Leser

 

denn weiter unten stehen ein paar Pfingstochsen, oder so Ähnliches (wenn die Übertragung klappt)

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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„Krachen, Scheppern und dann gewaltiger Lärm, als ein schwerer Gegenstand an die Wand geworfen wurde. Oh verdammt, die Verrückte spielte drüben in der Küche schon wieder ihr absolutes Lieblingsspiel – Geister vertreiben. Gleich würde sie hierher ins Wohnzimmer stürzen, wo ich versuchte, in Ruhe meine Hausaufgaben zu machen. Und dann würde sie mir wieder lang und breit erklären, welches Gespenst gerade versucht hatte, durch die Wand zu gehen und sie anzugreifen. Ich hasste sie! Ich hasste dieses Weib aus ganzem Herzen!“ Die 13-jährige Eva lebt in einer nach außen hin heilen, kleinbürgerlichen Familie. Hinter der geschlossenen Tür herrscht Tag für Tag eine Hölle aus psychischer und physischer Gewalt durch die psychopathische Mutter und den egomanischen Vater. Verzweifelt versucht sie, sich daraus zu befreien. Vergebens - bis ihr ein altes Buch in die Hände fällt. Als letzten Ausweg beschwört sie daraus einen Teufel. Er bietet ihr seine Hilfe an. Aber sein Preis ist hoch...

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