Leona Bauer

Der Humor eines Dschinns

Ich sah eigentlich doch gar nicht so schlecht aus, oder? Wenn ich mir dessen früher sicherer gewesen wäre, würde ich gerade woanders sein.

Ich war gerade wieder dabei mir ein neueres Ich zu suchen. Leute, die viel besser waren als ich, mehr Wert als ich und vor allem schöner waren, saßen um mich herum. So viel schöner. In ihrem kleinen Finger steckt mehr Schönheit, als ich je durch das alles hier erreichen hätte können. Schlauer sind sie bestimmt auch. Die haben alles. Familie, Reichtum, Freunde und natürlich ihr verdammt fabelhaftes Aussehen. Und wieso ich nicht?

Ich beschwerte mich, weshalb ich so lange warten musste. Vielleicht nehmen die ja mit Absicht die anderen Leute vor mir dran, dachte ich mir. Alles in meinem Kopf schwirrte um diesen Gedanken herum.

7 Sekunden später. Ich starrte auf die Uhr und ging mit meinen Augen jeden Sekundenzeigerschlag mit, bis ich bemerkte, dass eine leichte Unruhe um mich herum entstand und sich immer mehr Augen auf mich richteten, was mich direkt zur Unruhekönigin des Raumes machte. Ich kam wieder ins Licht, als eine Frau mit weißer Kleidung nahe an mich herankam. ,,Entschuldigung? Frau Annaun? Sie sind jetzt dran.“
,,Oh ja, danke.“
,,Einmal nach vorne und dann gleich die Tür links.“

Und schon kam der für mich schlimmste Part, bevor es zum Besten kommen konnte. Der Mann in strahlendem Weiß begrüßte mich kurz und kam direkt dazu, dass ich mich ausziehen sollte. Ich wusste schon wie das ganze hier funktionierte, aber es war jedes Mal eine innere Qual mich ausziehen zu müssen und anschließend die vielen Edding Striche auf meinem Körper zu fühlen.
Dazu kommt auch noch, dass ich wusste, dass man sich hier über mich lustig machte. Darüber wie ich aussah. Jedes Mal war das so gewesen. Woher ich das wusste, kann ich nicht genau sagen. Ich fühlte es eben einfach.

Also stand ich nun da mit vielen blauen, schwarzen und roten Strichen auf meinem Brustkorb. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich gleich ins Land der Ruhe reisen und noch besser daraus zurückkehren würde, wäre ich sicherlich schon auf dem kalten Boden unter meinen Füßen zusammengebrochen.

In einem der weiteren Zimmer hier sollte ich meine Sachen ablegen und den Kittel, Haube und Stoffschlappen anziehen. Als ich fertig umgezogen war, setzte ich mich auf das Bett, welches für die nächsten Tage meins sein wird, und fixierte erneut die Uhr, die mir sagte, dass ich um 07:17 für die Verbesserung abgeholt wurde. Endlich werde ich auch so eine perfekte Taille haben, wie alle anderen auch.
Das ist es was ich mir immer wieder dachte, um mich selbst vor der höllischen Angst zu beschützen, die ich in diesem Moment empfand, als mir die Maske aufgesetzt wurde, durch die jede Sekunde das Ticket ins Ruheland geflattert kommen würde. Ich versuchte nicht stand zu halten. Ich wollte weg von meiner Angst und diesem Körper, den ich meinen nennen musste.

Letztlich geschah auch eigentlich genau das, was ich mir gewünscht hatte. Ich träumte von einem jungen wunderschönen Mädchen. Bis ich verstanden habe, dass ich mich selbst betrachtete, verging einige Zeit. Und schließlich wurde mir klar, das Ruheland hatte dieses Mal kein Rückticket für mich parat… 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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