Qayid Aljaysh Juyub

Rezept für einen Fleischkuchen á la chef de l'ogre

Bevor wir zur Tat schreiten, sind einige Vorbereitungen notwendig ist. Zunächst sollte der gewissenhafte Vielfraß sich mindestens 1 Woche der Körperhygiene enthalten und die Küche in diesem Zeitraum auch nicht putzen. Zur richtigen Einstimmung auf den kommenden Kochgenuss empfiehlt der Autor sich ebenfalls während dieser Periode indizierte Horrorfilme anzusehen, in denen diverse Untote oder Kannibalen eine fressend tragende Rolle spielen. Circa eine Stunde vor dem Event wäscht sich der gewissenhafte Koch die grobschlächtigen Griffel gründlich mit warmen Hühnerblut; der findige Oger hat zu diesem Unterfangen stets einen Käfig mit lebendem Federvieh in Reichweite. Essen Sie die abgerissenen Köpfe der Tiere nicht auf, diese werden später zu Dekorationszwecken noch benötigt. Der versierte Nachwuchsoger zerfetzt sodann die ausgebluteten Hühnerkadaver und wirft das ‚Hühnerklein‘ in einen verschmutzten, irdenen Bottich – ein großer, gebrauchter Blumentopf aus dem Garten des Bösen kann dafür alternativ ganz hervorragend eingesetzt werden. Geschwind reißen wir 1 kg Weißbrot in kleine Stückchen und schichten diese mittels ausgefeilter Wurftechnik zu einem Häufchen auf dem dreckigen Küchenboden auf. Anschließend übergießt der Gourmet die Überreste der bedauernswerten Backware ordentlich mit einigen Litern Schweineblut und lässt das Gemisch schön quellen. Klauben Sie nun die blutige Masse vom Boden auf, drücken dann diese gut aus -dabei kann der geneigte Unhold dies durchaus blutschlürfend über seinem Maul vollziehen- und schmeißen das Ganze ebenfalls in den erwähnten Bottich. Nun sollte der Meister alternativlos barbarischer Kochkünste ein Kilo Zwiebeln, 750 Gramm Gewürzgurken, 20 Eier und beliebiges Fallobst in das Behältnis füllen und danach dessen Inhalt zu einer breiigen Masse zermatschen. Wie der aufmerksame Hobbyfinsterling bereits gemerkt haben dürfte, fehlt uns natürlich noch die Hauptzutat. Als Purist empfiehlt es sich, ein geeignetes Kleintier zu erwerben und es tot oder lebend durch einen ausreichend großen Fleischwolf zu drehen. Falls Sie ein wirklicher Oger oder einfach nur mies drauf sein sollten, steht es Ihnen natürlich frei, gegebenenfalls den unliebsamen Nachbarn oder wenigstens dessen ewig kläffenden Köter zu Hackfleisch zu verarbeiten. Nachdem nun das Wesentlich ebenfalls im Trog des Grauens versenkt wurde, verfeinern wir die undefinierbare Masse nach Gusto mit Petersilie, Zitronensaft, Salz, Cayennepfeffer und Knoblauch. Nun knete der emsige Küchentroll das Gemenge mit seinen ungewaschenen Füßchen 66,6 Minuten ordentlich durch und kichere dabei in irrer Bösartigkeit, damit auch das Ambiente stimmen möge. Nun gilt es, einen ausreichend großen Ofen nebst Backform, die Sie ordentlich mit Schweineschmalz fetten sollten, parat zu haben. Ideal dazu lässt sich ohne Zweifel eine gebrauchte, kongolesisches Menschenaffentonform verwenden, dann klappt’s auch mit dem Nachbarn oder zumindest mit dessen Hund. Nun bestreichen wir den Fleischteig mit Bienenmus –dazu vorher ein Bienenvolk nebst Honigwaben zu Brei verarbeiten – und dekorieren dann diesen lustig mit den vorher abgerissenen Hühnerköpfen. Zum krönenden Abschluss schieben Sie hinterlistig kichernd die ganze Wutzerei in den Hochofen und lassen den Fleischkuchen circa 180 Minuten bei 180° C backen; voilá, fertig ist der köstliche Fraß. Natürlich kann es zu gewissen Magenunverträglichkeiten oder lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen kommen, sollten Sie nicht zufällig ein chaotisch böser Oger sein. Ansonsten wünsche ich allen Unholden und Selbstmordkandidaten: Bon Appétit!

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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