Peter Kröger

Tinos



Sie war neu auf der Insel und drückte mich und zupfte an mir, als kennten wir uns seit Jahren schon. Auch ich war ein Fremder und ließ es geschehen. Hinter der Ginsterhecke, gleich an der Kirche, trafen wir uns, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ich bin nicht von hier, sagte sie einmal; meinen Einwand, dass auch ich ein Zugereister sei, ignorierte sie geflissentlich, indem sie ausrief: Schau nur, der Ginster! Und schon begann das Zupfen wieder. Ich hielt sie für verrückt, doch auch das schien sie nicht zu interessieren, vielmehr umkreiste sie mich, küsste mich plötzlich und ohrfeigte mich, da ich einen zaghaften Versuch unternahm, es ihr gleichzutun. Waren wir Freunde, ein Liebespaar? Ich weiß es nicht. Eines Tages blieb sie den Ginsterbüschen fern. Sie sei angekommen, hieß es, sie habe ihren Ort gefunden, mehr noch, sie sei die Frau eines Fischers geworden, mit der Insel verwachsen auf Gedeih und Verderb. Aus Gewohnheit packte ich meine Siebensachen und verließ Ginster, Gärten und Gässchen. Als ich erwachte, lag das Meer vor mir und glitzerte. Jemand hielt meine Hand. Es begann die Zeit fern aller Sorgen und Nöte. Denen, die mich nach meiner Herkunft fragten, antwortete ich freundlich.Von ihr, der Ginsterliebe, hörte ich nicht wieder. Das gute Leben, ich fand es. Unbeschwert wurden die Tage.

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