Hans Fritz

Schotteralarm


«Wozu sind die Dächer da, zum Begrünen …» könnte einem als Mitglied der modernen Flachdachgesellschaft, die allmählich von vertrauter Giebeldachromantik Abschied zu nehmen scheint, in den Sinn kommen. Alles in allem soll alles grüner werden, laut einer kürzlich erschienenen Zeitungsmeldung sogar die Finanzmärkte.

Noch ist ödes Schmutziggrau der Städte aufgelockert durch von Menschenhand geschaffene ‘Naturoasen’ wie Parkanlagen und natürlich die Vorgärten, mit ihren Bäumen, Sträuchern und Stauden. Doch letztere kleine Naturflächen weichen heute vielerorts einem so genannten Schottergarten. Abgesehen von Bäumen mit Bleiberecht, Kümmerstauden und ein paar Büscheln robuster Gräser bleiben die Steinaufschüttungen arm an Pflanzenwuchs. Trend zu einer neuen Steinzeit, einem auferstandenen Neolithikum?

Zunächst wird Boden abgetragen, dann eine Art von Matte verlegt, die unerwünschten Pflanzenwuchs verhindern soll. Doch wie heisst es schon in Horaz’ Episteln: «Naturam expellas furca, tamen usque recurret»*. Heutzutage müssen notfalls Herbizide zum Erhalt jenes unökologischen Systems herhalten. Da ersetzt die Chemische Keule althergebrachtes Gerät wie die Harke.

Sind die Steine, die oft wahrscheinlich aus Ostasien per Frachter angekarrt werden, so beliebt, weil pflegeleicht, nach dem Motto: ‘Hast du vorm Hause nichts als Schotter, geht Gartenpflege umso flotter’? Allein Krähe Melanie mag es begrüssen, wenn sich Kater Alfons nicht mehr in Vorgartengebüsch verstecken kann.

Einst hatte beim ersten Frühlingsahnen der Radiosprecher mit monotoner Stimme verkündet: «In den Vorgärten blühen bereits die Forsüzien**». Könnte heute lauten: «In den Vorgärten werden bereits die Schottersteine heiss».

*«Du magst die Natur gewaltsam austreiben, sie kehrt dennoch zurück»
**Gärtner W.A. Forsyth (1737-1804) möge postum Nachsicht üben


 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hans Fritz).
Der Beitrag wurde von Hans Fritz auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Das große mystische Märchenbuch von Heidemarie Rottermanner



In einem Land, fern und unbekannt,
leben Wichtel und Elfen,
die sich gerne gegenseitig helfen

In einem Land, fern und unbekannt,
leben Wölfe und Drachen,
die unseren Wald bewachen

In einem Land, fern und unbekannt,
gibt es Schlösser und Seen,
so etwas habt ihr noch nie gesehen

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Glossen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Hans Fritz

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Das Ungeheuer von Runkelbeuren von Hans Fritz (Fantasy)
Wahre Werbung von Norbert Wittke (Glossen)
Pinkes von Lara Otho (Kinder- und Jugendliteratur)