Johannes Grieger

Das Paradies auf Erden

Einmal träumte ich, dass ich auf einer Gartenparty gewesen sei. Ein mir bekannter Mensch feierte im engeren Kreise in seinem wundervollen Garten. Es waren viele fremde Leute dort, aus der Ferne so wie aus meiner Heimat. Der Garten strahlte eine wunderliche Macht aus, sodass bald alle Gäste erheitert, in der Dunkelheit sitzend, mit der nur vom Kerzenschein erhellten Gesichter, mit einander waren und gemütlich plauschten. Dann geschah etwas Seltsames was doch so gar nicht in das mir bisherig gezeichnete Bild passen sollte. Einer Frau aus der Ferne, griff nach einem Glas Wasser, welches ihr angeboten wurde. Im selben Moment, in dem sie nach diesem Glas reichte jedoch, ergriff auch ich das Glas und trank es aus.

Schlagartig änderte sich die Stimmung, als hätte die Gesellschaft nur auf diesen entlarvenden Moment gewartet. Die Mienen wurden verschlagen, und als ob es der Leute größte Lust wäre, begann Gemurmel und Getuschel. Ich fühlte mich durch diese Begebenheit nicht mehr wohl in der Gemeinschaft und reagierte indem ich mich in trotziger Weise aufbäumte, um mich selbst zu schützen. Besonders aber traf mich die abweisende Art des Herren des Gartens, von dem ich insgeheim viel hielt. War doch vorher zumindest augenscheinlich alles harmonisch gewesen, entstanden nun zwei Seiten, die mich auf der einen und die restliche Gesellschaft mit ihm als Haupt auf der anderen hatten.

Die Konturen verschwimmen, als würde sich ein Schluck Wasser über ein mit Wasserfarben gemalten Bildes ergießen. Dann Nebel. Dann Nichts.

Ich bin in fernen Landen mit einem Freund auf einem langen sandigen Weg. Links und rechts säumen kleine Büsche und Bündel von groben Gras den Weg. Es ist sehr heiß, in der Ferne erstrecken sich unendliche Wüsten. Doch vor uns liegt wie eine Stadt eine Ansammlung von Menschen, Zelten und vereinzelten alten Bullys, die dazwischen stehen. Lange, bunte Fahnen wehen im Wind. Vor Glück aufgequollene, rote Gesichter. Lachen und Liebe liegen in der Luft. Aus dieser Ansammlung nun, kommen uns zwei der Glücklichen entgegen. Barfuß, Arm in Arm und durchtränkt von Glückseligkeit, Freiheit und Liebe. Ein junger Mann und eine wunderschöne Frau. Beide braungebrannt durch die sengende Sonne Arabiens, wie sie uns mitteilen. Beide haben langes blondes Haar. Der Mann hat weiße Fingernägel und blaue Streifen im Gesicht. Und obwohl die Farben so unwirklich gewählt, wirken sie an ihm doch so natürlich und am richtigen Ort. Und wieder eine überraschende Begebenheit, anstatt sich diesem Ort der Glückseligkeit hinzugeben, erfrage ich den Weg nach Hause. Ob ich mich nicht darauf einlassen kann? Obgleich doch mein Heim zuvor von Intrige und Egoismus so geprägt?

Auf unser Fragen weisen sie mit den Fingern in die Ferne wo sich ein kleiner Trampelpfad abzweigt vom Wege, schon ganz nah bei uns. Zitternd unter der Hitze der Wüste windet er sich in ewigen Schlaufen bis er schließlich am Horizont verschwindet. Der Frage entgegen, wie lange wir diesen Weg beschreiten müssten, folgt das herzlichste und bezaubernste Lachen der Frau, dass ich jemals gesehen habe. Obwohl ihre Antwort nicht meine Frage löst, fühle ich mich seltsam bestärkt. Sie sagt es sei besser, wenn ich nichts darüber wüsste. Wir machen uns also auf den Weg.

Nach einer Weile türmt sich ein verlassenes riesiges Haus am Wegesrand links von uns auf, gezeichnet durch eine Mischung aus asiatischem Stiel mit arabischen Elementen verziert. Es sind auch andere Menschen dort, die in dem Gebäude umherirren. Altare schmücken den Wegesrand gesäumt mit üppiger Vegetation. Wir beten und begeben uns in das Gebäude. Dort eingetreten stoßen wir auf einen geheimen Eingang. Als wäre es ein Zeichen begeben wir uns ohne zu zögern hinein. Kaum das wir die Unterirdischen wunderbar verzierten Gänge betreten haben, beginnt sich der Traum zu ändern es wird hektischer. Wir werden verfolgt. Gehetzt hassten wir durch die Gänge und Tunnel ohne uns der fantastisch, detaillierten Verzierungen erfreuen zu können. Neue Räume neue Gänge, manche sind Sackgassen oder nur enge Löcher durch die man sich hindurchzwängen muss. In manchen Rätseln gibt es Rätsel zu lösen oder versteckte Dinge zu finden die ein Weiterkommen erst ermöglichen. Auch wenn ich unseren Verfolger niemals sehe, ist seine Präsenz doch immer spürbar. Wer ist es? Bin ich es selbst? Oder das was ich unter mir selbst verstehe?

Nach einer Ewigkeit öffne ich eine Lucke, dergleichen ich doch bereits so viele geöffnet habe. Dann, gleißendes Licht. Wind umströmt mein Gesicht und meine Glieder die sich dankend der Freiheit entgegen strecken. Mit starken Hänge ergreife ich den Rahmen der Öffnung und erhebe mich machtvoll, voller Kraft und Bewusstsein aus der Öffnung in die Freiheit. Wieder diese wunderbare arabische Verzierung, die doch so prägnant auf dem erschwerlichen Weg war, ich jedoch keiner Zeit zu beachten vermocht gehabt habe. Nun nehme ich sie mit vollem Bewusstsein war. Ich befinde mich auf dem Dach des Gebäudes, nur vielleicht 20 Meter über dem Boden. Doch die Wüste ist verschwunden. Unter mir ist es grün, große Bäume bevölkert von Vögeln die lebendig zwitschern. Obwohl ich nun so erhöht stehe, ist doch meine Sicht viel kürzer als am Anfang der Reise wo mir das Ziel doch so unendlich weit weg vorkam. Doch diese Kurzsichtigkeit war wie ein Segen, viel bewusster konnte ich so meine Umgebung war nehmen. Alles strahlte in bunten Farben und duftete. Lange stand ich dort so, den Wind im Haar, tief und langsam atmend.

Ein fließender Übergang. Ich befinde mich in einem Garten. Der Ort hat sich geändert doch mein Empfinden ist gleich. Die gleiche Gelassenheit und Glückseligkeit erfüllt mich. Verwundert erkenne ich wo ich mich befinde. Es ist der Garten von Anfang, doch in veränderter Form. Die Bäume sind hoch und lange Raken hängen bis zum Boden. Die Dunkelheit ist verschwundene. Orientalische Vögel flattern durch die angenehm warme Luft. Wasserbrunnen und palastartige Elemente säumen den Garten unendlich groß wirkenden Garten. Inmitten dieser Schönheit steht friedvoll ein alter Bekannter. Wir treten uns gegenüber und sind vollkommen rein. Er ist nun sehr respektvoll und verkündet mir das ich es geschafft habe. Das Paradies auf Erden ist kein Ort, es ist ein Zustand.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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