Heinz-Walter Hoetter

Der Fall T-Bird (Teil 10)


 

Random & Shannon

Ermittlungsagentur NEW YORK

 


 


 


 


 


 

Der Fall T-Bird (Teil 10)


 


 

Es war schon spät am Morgen, als ich wieder wach wurde. Gut ausgeschlafen verließ ich das Bett und wollte gerade in die Dusche, als jemand mit den Füßen polternd gegen die Tür trat.

 

„Machen Sie schon auf, Random. Wir wissen, dass Sie da sind.“

 

Die Stimme kam mir bekannt vor. Ich zögerte noch etwas.

 

Diesmal wurde mit der Faust gegen die Tür geschlagen. Ich stand wie gebannt da, meine Gedanken überschlugen sich. Vielleicht hatte man mich gesehen, als ich aus der Seitenstraße mit meinem Schwebegleiter herausgefahren bin? Hatte ich gar Fingerabdrücke in der Strandhütte zurückgelassen?

 

Schnell holte ich die Schachtel aus dem Koffer, entnahm die Reklameanzeige und schob sie unter die Kante des Teppichs. Alles andere verstaute ich wieder an der gleichen Stelle in Marks Koffer.

Danach beeilte ich mich, die Tür zu öffnen. Ich setzte absichtlich eine verschlafene Miene auf.

 

Kaum hatte ich den Schlüssel herumgedreht, wurde die Tür auch schon brutal aufgedrückt und Sergeant Harry stand vor mir. Seine Kiefer mahlten, seine Augen funkelten mir feindselig entgegen. Hinter ihm standen zwei große Kriminalbeamte in Zivil mit versteinerten Gesichtern und versperrten den Ausgang.

 

„Random, Sie kommen sofort mit!“ sagte Harry mit ausdruckslosem und schon fast gelangweiltem Gesicht. „Captain Fletcher will Sie sehen.“

 

„Können Sie mir sagen, um was es geht, Sergeant?“

 

„Ich darf Ihnen nichts sagen. Das wissen Sie doch! Wenn Sie sich etwas beeilen, wird es Ihnen das der Captain noch früh genug sagen. Was ist, kommen Sie also freiwillig mit?“

 

Ich zögerte etwas und überlegte einen Augenblick. Dann erkannte ich, dass meine Situation relativ aussichtslos war. Schließlich zog ich mich an und während ich noch damit beschäftigt war, schaute ich zum Sergeanten Harry rüber und sagte ihm, ich käme freiwillig mit.

 

***

 

Fünf Minuten später gingen wir durch die Empfangshalle und die Stufen zu dem wartenden Pol-Gleiter hinunter. Die beiden Kriminalbeamte in Zivil waren immer dicht hinter mir. Sie stiegen vorne ein und Sergeant Harry und ich hinten.

 

Der Rad lose Wagen düste in der üblichen wilden Weise ab. Sogar das Blaulicht war eingeschaltet, was ich für ziemlich übertrieben hielt. Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher, den man endlich dingfest gemacht hatte.

 

Sergeant Harry saß neben mir wie ein Felsbrocken, der zu viel Sonne abbekommen hatte. Ich konnte die Hitze seines massigen Körpers förmlich spüren.

 

„Was ist denn dem Captain diesmal über die Leber gelaufen“, fragte ich mit gespielter Zurückhaltung.

 

„Ich dachte, das wissen Sie besser als ich, Random“, antwortete Harry. Danach sagte er kein Wort mehr. Offenbar wollte er sich mit mir nicht weiter unterhalten.

 

Ich starrte aus dem Fenster. Ich fühlte mich irgendwie nicht wohl bei der ganzen Sache. Es bestand ja immerhin die Möglichkeit, dass mich jemand am Strand oder in meinem Sportgleiter gesehen und meine Personenbeschreibung durchgegeben hat. Wenn Captain Fletcher davon wusste, dann konnte ich mich auf einiges gefasst machen.

 

Als der Pol-Gleiter vor dem Headquarters vorschwebte und sanft schaukelnd anhielt, sagte keiner ein Wort. Als wir alle ausgestiegen waren, griff der Sergeant in seine Hüfte und zog ein Paar Handschellen heraus.

 

„Die muss ich Ihnen leider anlegen, Mr. Random“, sagte er mit fast entschuldigendem Ton in seiner Stimme. „Der Captain will es so. Er sieht es gern, wenn immer alles tipptopp ist.“

 

„Was, werde ich jetzt etwa verhaftet?“ fragte ich und hielt ihm spontan meine Handgelenke hin. Als sich der kalte Stahl um meine Haut schloss, steigerte sich mein Unwohlsein ins uferlose. Mir wurde richtig übel.

 

„Ich tue gar nichts“, sagte Harry und ließ die Handschellen zuklicken. „Der Captain will sich mit Ihnen unterhalten. Weiter nichts.“

 

Wir gingen über den Bürgersteig und die Stufen zum Anmelderaum hinauf. Die beiden bulligen Kriminalbeamte blieben im Pol-Gleiter zurück und hatten offenbar Anweisungen erhalten, vorerst zu warten.

 

Ein Sergeant vom Dienst schaute mit prüfendem Blick erst mich und dann Harry an, der sogleich den Kopf schüttelte und, ohne ein Wort zu sagen, schnurstracks weiterging. Der Uniformierte winkte uns daraufhin teilnahmslos zu, als wüsste er über alles Bescheid. Wahrscheinlich hatte man sich vorher schon abgesprochen.

 

Es ging durch einen langen Gang, dann wieder eine Treppe hinauf durch einen weiteren, den wir bis zum Ende durchschritten, bis wir schließlich vor einer Tür stehen blieben. Sergeant Harry klopfte einmal dagegen, drückte die Klinke hinunter und stieß sie weit auf. Dann legte er seine Hand auf meine Schulter und schob mich in einen großen, hell erleuchteten Raum, in dem sich ein Schreibtisch, ein Aktenschrank und ein ovaler Tisch mit sechs Stühlen befand.

Captain Fletcher, Inspektor Blanking und ein großer, dünner Mann so um die Vierzig, mit strohigem Haarkranz, einer randlosen Brille und dem Gesicht einer hungrigen Ratte, warteten offenbar schon seit geraumer Zeit auf mich.

 

„Hier ist Random“, sagte Harry, trat zurück und verließ den Raum. Ich stand da wie ein begossener Pudel mitten im Rampenlicht einer Zirkusmanege und machte schließlich zwei Schritte nach vorne, sodass ich hinter einem der Stühle zum Stehen kam und meine gefesselten Hände, für alle gut sichtbar, auf die Rückenlehne legen konnte.

 

Captain Fletcher stand beim Fenster, sein massiges Gesicht war rot angelaufen von aufgestautem Blut. Er drehte sich langsam um und sah mich wie ein Tiger an, dem ein fettes Lamm vor seinem Käfig vorbeigeführt wird.

 

Inspektor Blanking saß auf einem der Stühle, mir direkt gegenüber. Den Hut hatte er sich tief über die Augen gezogen, eine qualmende Zigarre zwischen den Zähnen. Er schaute mich nicht einmal an.

 

Der Mann mit dem strohigen Haarkranz betrachtete mich allerdings mit ziemlichen Interesse, ja schon fast mit der beruflichen Hingabe eines Bakteriologen, dem ein unbekannter Bazillus vorgelegt wird, der ein überaus gefährlicher, todbringender Krankheitserreger sein konnte.

 

Plötzlich stellte er Fletcher eine Frage.

 

„Warum ist der Mann gefesselt?“

 

Dem Captain schien auf einmal das Atmen schwer zu fallen.

 

Gereizt gab er zur Antwort: „Wenn Ihnen die Art und Weise meiner Arbeit nicht passt, in der ich Verhaftungen vornehmen lasse, dann wenden Sie sich an den Commissioner.“

 

„Ist denn dieser Mann verhaftet?“ fragte der Dürre mit höflicher Stimme.

 

Obwohl er das spitze Gesicht einer bösartigen Ratte besaß, war sein Verhalten und seine Sprechweise überaus kultiviert. Anscheinend hatte ich mich in ihm geirrt. Schnell wurde er mein Favorit in dem sich vor mir befindlichen Trio.

 

Fletcher wendete sein hochrotes Gesicht zur Tür hinüber und rief lautstark nach Sergeant Harry, der sofort reinkam. Offenbar stand er die ganze Zeit im Flur und hatte das Gespräch hinter der Tür aus nächster Nähe belauscht.

 

„Sie können dem Kerl die verdammten Handschellen abnehmen“, sagte er zum Sergeanten und schien vor Wut zu platzen.

 

Harry trat auf mich zu, hantierte an den Handschellen herum und schob den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn um und im nächsten Moment war ich frei. Captain Fletcher war mittlerweile wieder ans Fenster getreten und hatte uns schnaufend den Rücken zugewandt. Diesen günstigen Augenblick nutzte Harry aus und riskierte, mir langsam und vorsichtig von der Seite zuzublinzeln. Während er schließlich von mir zurücktrat, spielte ich Pantomime, sah mir dabei die Handgelenke an, rieb an ihnen mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck herum und schaute gekränkt in die Runde. Mein Verhalten zeigte Wirkung.

 

„Mr. Random, wenn Sie sich setzen wollen hätte ich nichts dagegen“, sagte der Dürre mit den Strohhaaren auf einmal. „Ich bin übrigens Richard Curtis, vom Amt des District Attorneys. Als ich hörte, dass Captain Fletcher Sie sprechen wollte, da dachte ich mir, ich könnte mich bei dieser Gelegenheit auch gleich selbst mit Ihnen unterhalten.“

 

Der Mann wurde mir immer sympathischer. Die ganze Zeit fühlte ich mich ziemlich Unwohl in meiner Haut, doch jetzt keimte etwas Hoffnung im mir, weil es mir langsam besser ging.

 

„Freut mich, Sie kennen zu lernen, Mr. Curtis. Ich hatte schon einmal das zweifelhafte Vergnügen, mit Captain Fletcher zu sprechen und bin der Meinung, dass ich einen gewissen Schutz nötig habe. Wie gesagt, ich freue mich, Sie zu sehen.“

 

Mr. Curtis nahm seine Brille ab, schaute angestrengt auf die Gläser, als suche er nach einer blinden Stelle auf ihnen und setzte sie schließlich wieder auf.

 

„Nun Mr. Random, ich versteh sehr gut, was Sie meinen. Aber ich gehe einmal davon aus, dass Captain Fletcher, was seine Befugnisse anbelangt, diese zweifellos nicht überschreitet“, sagte er in einer Tonlage, die nicht so klang, als ob er selbst daran glaube.

Ein Lächeln huschte mir übers Gesicht. Doch Curtis setzte noch einen drauf.

 

„Unser Captain Fletcher hatte schon immer Sinn für Humor. Ich persönlich nahm ihn stets ernst, aber vielleicht haben Sie recht, Mr. Random. Aber man braucht sich ja bloß nur die tiefliegende Freundlichkeit auf seinem Gesicht anzusehen, um erkennen zu können, dass er ein großer Spaßvogel ist.“

 

Fletcher drehte sich um und kam knurrend vom Fenster auf mich zu. Er sah aus wie ein wütender Gorilla, den man während der Fütterungszeit die Nahrung streitig macht.

 

„Wollen Sie die Fragen stellen, Captain, oder soll ich das tun?“ fragte Curtis; seine Stimme hatte plötzlich einen stählernen Klang. Diese eiskalte Beherrschung hätte ich ihm nicht zugetraut.

 

Captain Fletcher blieb abrupt stehen. Seine vor unterdrücktem Zorn rot gefleckten Augen wanderten von mir zu Curtis hin und her, der allerdings eher einen gelangweilten Eindruck an den Tag legte, als würde er sich gerade einen harten Gangsterfilm ansehen, ihn aber für total verlogen findet.

 

„Machen Sie nur weiter, Mr. Curtis. Nachdem Sie sich schon eingemischt haben...“, quetschte Fletcher jedes einzelne Wort mühsam aus sich heraus. „Ich werde mich zu gegebener Zeit an den Commissioner wenden. Ich hatte schon immer den Eindruck, dass sich Ihre Dienststelle viel zu oft einmischt. Es wird Zeit, dass dagegen jemand etwas unternimmt.“

 

Während er den Satz noch nicht einmal ganz ausgesprochen hatte, ging der Captain an mir zur Tür hinaus und warf sie hinter sich mit einem lauten Krachen ins Schloss. Draußen im Flur hörte man ihn fluchen und wie er auf Sergeant Harry einschrie, als hätte dieser etwas falsch gemacht.

 

Wenige Augenblicke später öffnete sich die Tür wieder und Sergeant Harry blickte vorsichtig herein. Seine Worte klangen irgendwie schüchtern, aber erleichtert.

 

„Werde ich noch gebraucht, Mr. Curtis?“

 

„Nein, danke, Sergeant. Sie können Feierabend machen. Den haben Sie sich ganz bestimmt verdient für heute. Melden Sie sich morgen wieder zum Dienst.“

 

Harry blickte sicherheitshalber noch einmal zu Inspektor Blanking hinüber, der die ganze Zeit nur schweigsam dagesessen hatte und alles mit nachdenklicher Miene beobachtet hatte. Er schob den Hut jetzt weit nach hinten, und sein Blick wanderte zum Sergeanten, dann nickte er fast unauffällig mit dem Kopf.

 

Harry verabschiedete sich. Danach verschwand er augenblicklich. Im Gegensatz zu Captain Fletchers Abgang machte der Sergeant die Tür hinter sich so leise und vorsichtig zu, als wäre sie aus dünnem Papier, das bei der kleinsten Bewegung zerreißen könnte.

 

„Nun, Mr. Random, bitte nehmen Sie doch Platz“, sagte Curtis und deutete auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch. Ich nahm sein Angebot freundlich an. Er selbst setzte sich in einen weichen Sessel.

 

Als ich so da saß und in die Runde schaute, begegnete ich Inspektor Blankings ausdruckslosem Blick. Er verriet mir nichts. Er war weder freundlich noch feindselig.

 

Mr. Curtis nahm einen Kugelschreiber von der Papierunterlage, legte ihn behutsam zurück in die Ablage, warf mir durch den Schutz seiner schimmernden Brillengläser einen scharfen Blick und fing schließlich an zu reden.

 

„Wissen Sie, Mr. Random, Captain Fletcher geht Ende des Monats in den wohlverdienten Ruhestand. An seine Stelle tritt Inspektor Blanking.“

 

„Oh, da kann ich nur noch gratulieren“, antwortete ich ihm und sah dabei hinüber zum Inspektor, der ruhelos an seiner Krawatte herumfingerte. Er sagte kein Sterbenswörtchen.

 

„In diesem Falle liegen alle Ermittlungen in den Händen des Inspektors“, fuhr Curtis fort. „Ich beziehe mich natürlich dabei auch auf die beiden Morde am Bay Beach“, fuhr er fort.

 

Ich erkannte sofort die Falle, die darin lag.

 

Würde ich ableugnen, dass ich unten am Strand in der Badehütte gewesen war, als das Mädchen starb, wäre es jetzt wohl an der Zeit, Überraschung zu zeigen und zu fragen, welcher zweite Mord begangen worden war. Aber ich kam diesem Gedanken schnell einen Schritt voraus. Nach Lage der Dinge hatten sie wohl einen Fingerabdruck von mir in der Hütte gefunden oder jemand hat mich dort gesehen, der mich jetzt identifizieren konnte. Möglich wäre es aber auch, dass sie meinen ganz in der Nähe abgestellten Sportgleiter entdeckt hatten. Ich musste jedenfalls alles in Betracht ziehen.

Ich entschloss mich daher, etwas zu riskieren und Offenheit zu zeigen. Ich musste ihnen die Wahrheit sagen.

 

„Mr. Curtis“, fing ich an, „da ich jetzt weiß, dass Inspektor Blanking die Ermittlungen leitet, bin ich dazu bereit, eine Aussage zu machen. Ich hätte das schon viel früher machen sollen, aber Captain Fletchers Drohungen haben mich daran gehindert. Als man mich ihm vorführte, drohte er mir massiv, ich solle mich aus der Sache raus halten. Ich habe das nicht getan und ließ mich nicht von ihm einschüchtern. Als ich das Mädchen dort in der Standhütte fand, erkannte ich natürlich sofort, dass mir Fletcher den Mord an ihr anhängen konnte, wenn er das nur wollte.“

 

Der District Attorney schien sich etwas zu entspannen.

 

„Tja, dann waren Sie also der Mann, der gesehen wurde, wie er in die Hütte am Strand eindrang.“

 

„Davon weiß ich nichts, aber ich drang dort ein und fand das Mädchen sterbend vor.“

 

„Und, sagte sie noch etwas zu ihnen?“

 

„Nein. Sie starb wenige Sekunden später, als ich sie in der Kabine entdeckte.“

 

Blanking räusperte sich plötzlich. Er beugte sich zu mir vor und sagte mit ruhiger Stimme: „Wollen Sie es nicht von Anfang an schildern, Random? Warum gingen Sie überhaupt dorthin?“

 

„Ich hatte eigentlich keinen besonderen Grund dazu, außer dass ich nichts anderes zu tun hatte und mir den Ort noch einmal ansehen wollte, wo mein Partner ermordet worden ist. Das ist alles.“

 

Der Inspektor schien von dieser Erklärung nicht gerade restlos überzeugt zu sein, aber er ging nicht weiter darauf ein und ließ sie durchgehen. Er stocherte weiter.

 

„Wissen Sie denn noch, um welche Zeit Sie dorthin kamen?“ hakte er nach.

 

Ich schilderte ihm die Ereignisse und beantwortete ihm alle Fragen. Meine Darstellungen gaben genau das wieder, was dort unten am Strand in der Hütte geschehen war. Ich beschrieb ferner, wie ich entkommen war und um welche Zeit ich in meinem Hotel zurückkam.

 

Blanking sah zu Curtis hinüber, und dann verzog sich sein hartes, strenges Gesicht plötzlich zu einem Lächeln, das auf einmal ganz menschlich aussah.

 

„Kann ich Ihnen nicht übel nehmen, wie Sie reagiert haben“, sagte er bedächtig. „Wahrscheinlich hätte ich in Ihrer Situation das gleiche getan. Aber ich würde Ihnen nicht empfehlen, es noch einmal zu riskieren.“

 

Ich nickte mit dem Kopf.

 

„Wissen Sie Random, wie viel Glück Sie eigentlich gehabt haben?“ fragte mich der Inspektor mit nachdenklich Stimme. „Sie hätten wegen Mordes festgenagelt werden können. Es ist jedoch anders gekommen. Unser Doktor hat nämlich erklärt, dass das arme Mädchen mindestens zwei Stunden vorher, bevor Sie die Kabine betraten, verletzt worden war. So lange hat es gedauert, bis sie starb. Das Blut an ihrem Körper und auf dem Boden war bereits schon geronnen. Damit sind Sie aus dem Schneider.“

 

Ich atmete tief durch.

 

„Woher wussten Ihre Leute, dass sie dort war?“ fragte ich Blanking.

 

„Von ihr wussten wir nichts. Jemand sah Sie in die Kabine gehen. Er behauptete, er hätte sich ebenfalls den Schauplatz des Mordes angesehen, dabei entdeckte er Sie und rief das Headquarters an.

 

„Eine Person mit typisch verantwortungsbewusstem Bürgersinn. Wo kämen wir ohne solche Leute hin?“ meinte ich bewundernd. „Von dem Mörder allerdings immer noch keine Spur – oder?“

 

Der Inspektor schüttelte den Kopf.

 

„Haben Sie denn schon wenigstens eine Ahnung, wer es war?“ fragte ich neugierig.

 

Blanking drückte seinen Zigarrenstumpen aus, lehnte sich dann mit einem Seufzer zurück und wechselte mit Curtis einen Blick.

 

Der hob nur die Schultern.

 

„Ganz offensichtlich ist sie die Frau, die ihr Kollege im Hotel Delphi abholte. Was sie allerdings in der Zeit zwischen etwa elf Uhr, also am Tag Ihrer Ankunft in Terrania Bay City, bis zur Zeit ihres Todes getan hat, ist uns schleierhaft. Sie trug noch den Badeanzug, den sie anhatte, als sie Mark Shannon verließ.

 

„Haben Sie wenigsten die Tote schon identifizieren können?“ fragte ich den Inspektor.

 

„Ja. Das Mädchen wurde von ihrer Wirtin als vermisst gemeldet. Die Wirtin sagte uns, sie sei zur Arbeit gegangen und dann nicht mehr zurückkehrt. Wir haben ihr die Leiche gezeigt. Sie behauptet, es sei Virginia Shriver. Wir holen noch einen zweiten Zeugen; der Mann, für den sie arbeitete. Er befindet sich gerade auf dem Wege hierher.“

 

„Wer ist das?“ fragte ich so ganz nebenbei.

Der Inspektor gab mir bereitwillig die Information. Als ich den Namen des Mannes hörte, richtete ich mich innerlich auf wie ein plötzliches Wild witternder Wolf.

 

„Er heißt Marcel Blank“, sagte er. „Ein ziemlich undurchsichtiger Charakter, der ein Institut für keramische Kunst und eine Töpferei mit angeschlossenem Geschäft am Promenaden Point gleich gegenüber dem Hotel Intergalaktica betreibt. Das Mädchen arbeitete in den Ausstellungsräumen seines Instituts.

 


 

Fortsetzung folgt irgendwann!

Teil 10

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.06.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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