Marlene Remen

KENK, SPRECH DEUTSCH

Manchmal, wenn ich ein Gedicht in Mundart schreibe, kommen bei
mir so viele Erinnerungen zurück. Es sind Erinnerungen an meine
Kindheit und Jugendjahre, sie sind in mir noch so lebendig, als wäre
es erst gestern gewesen. Aber, ich glaube, das hat mit dem Alter zu tun,
da funktioniert das Langzeit-Gedächtnis besser als das Kurzzeit behalten.

Meine Schulzeit, die ja von der 1. bis zur 8. Klasse der Volksschule ging,
so hießen die Schulen damals, sie möchte ich am liebsten nochmal erleben.
Ja, ich ging gerne zur Schule und unsere Klassenlehrerin, die später auch
Rektorin der Schule war, ich habe sie geliebt. Sie hatte den gleichen Vornamen
wie ich, der ja eine eigentlich etwas längere Form von Marlene ist.

Nun war der Anfang in der Schule für mich nicht leicht, warum ? Nicht, weil
es zu schwer war, eher zu leicht, nein, es war die Sprache. Mein Heimatort ist
in der Nähe von Neuss (NRW) gewesen und da wurde Platt gesprochen, Hochdeutsch
kannte ich nur vom Radio oder später vom Fernseher, daher traute ich mich oft
nicht, auf eine Frage zu antworten, aus Angst, mich zu blamieren, mit meinem Platt.
Doch die Lehrerin kannte das ja auch bei den anderen Schülern und ging sehr
locker damit um, weil sie ja auch die schriftlichen Arbeiten von uns Schülern benotete.
Oftmals, wenn wir einen Aufsatz als Hausaufgabe hatten und nur ein DIN A 4 Blatt
voll schreiben sollten, da klappte das Prima, nur ein solches Blatt reichte mir oft
nicht. Wieso, nun, wenn ich erstmal angefangen hatte, mit dem Schreiben, kamen immer
neue Ideen dazu und viel Phantasie.

Ja nach dem Ende der Volksschule ging ich noch für ein Jahr auf eine private Handels-
Schule in Neuss, habe dort Schreibmaschine und Stenographie sowie Buchhaltung gelernt.
Natürlich hat dieses eine Jahr nicht ausgereicht, wäre gerne noch länger gegangen,
war aber nicht machbar, weil zu teuer für meine Eltern. Doch es hat mir dennoch sehr
Viel gegeben, lernte auch etwas Englisch dazu, hat Spass gemacht.
Was aber jedesmal lustig war, wenn ich von der Schule nach Hause kam und meinen
Eltern erzählte, was los gewesen war, dann sah mein Vater mich oft verständnislos an
und sagte dann diesen Spruch  :

    KENK, SPRECH DEUTSCH, ECH VERSTONN KEI WORT,
    KIND, SPRECH DEUTSCH, ICH VERSTEHE KEIN WORT.


Mir war nicht aufgefallen, daß ich in Hochdeutsch geredet hatte, wie es nun mal
in der Schule üblich ist, aber Papa brauchte eine Übersetzung in Platt, die dann auch noch kam.
An diese lustige Erinnerung muß ich oft denken, wenn mein drei Enkel-Mädchen hier
sind und Omi erzählt etwas in Platt und sie fragen dann nach, was bedeutet das und dies.
Habe bei meinen Kinder so gut es ging, die hochdeutsche Sprache mit ihnen gesprochen
und sie haben es auch weitergegeben, aber auch mein Platt verstanden.

Sprache ist Sprache, ganz gleich ob in Hochdeutsch oder in Mundart, alles was zählt,
ist das Herz dahinter, denn, wenn dieses voll ist, dann läuft der Mund über und
vermischt auch Beides. Und das ist doch schön, oder ??!!!!!!

 

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