Menina Saudade

Eine dumme verliebte Italienerin in Lissabon

Hey P.,

 

Ich hoffe nur, dass du zum letzten Mal ein Bisschen Zeit für mich findest und diese Worte ruhig lesen wirst. Das ist kein verzweifelter Versuch, mit dir wieder Kontakt zu nehmen. Das ist einfach mein Abschiedsbrief, nur meine Art, mich von dir zu verabschieden.

Ich möchte dir hier alles sagen, was in meinem Herzen noch bleibt. Ich möchte dir nur sagen, dass ich dich echt gemocht habe und dass ich mich an deiner Seite echt glücklich gefühlt habe.

Zuerst habe ich einfach deine Augen und deinen Körper gemocht aber bald habe ich was hinter deinem Blick gesehen. Es waren nur drei Wochen, ich weiß. ABER ich habe in dir was entdeckt und es einfach geliebt. Auch diese dunkle Seite habe ich in dir gemocht. Sie war die ganze Zeit da: Dein Gesicht wird traurig und du bleibst still. Ich weiß nicht, woran du in diesen Momenten denkst, aber du bist woanders.

 

Ich erinnere mich gerne an alles, was zwischen uns passiert ist: Vom ersten Mc Donalds bei der Arbeit, Der Hamburger mit deinen Kollegen, bis zum unseren ersten echten Date bei der Sé: das Lied “Die zwei Trauben“, der rote-weiße Wein, und ich war plötzlich an Alkohol und an deinen Augen berauscht. Dann dieser wunderschöne Kuss vor der Sé und noch nur Liebe, und Lasagna nach der Liebe, und wieder nur Liebe, und so weiter an den folgenden Tagen. Für mich war es alles Freude und Glück, einfach Liebe.

 

Du hast mir einen Abend von deinem Vater erzählt und du hast auch gesagt, dass du damals mit 16 eiskalt geworden bist. Bei dieser Gelegenheit wollte ich dich einfach umarmen und dir flüstern: „Bimbo mio, quanto hai dovuto soffrire! Vorrei sciogliere tutto il male che hai dentro e sentirmi libera di amarti“. Ich hatte die ganze Zeit Lust, deine Hand zu halten und dich plötzlich umarmen. Aber ich hatte Angst. Angst, dich zu verlieren. Die ganze Zeit. Und ich glaube, dass diese riesengroße Angst mein größter Fehler mit dir war. Ich hätte meine Gefühle deutlich zeigen sollen. Du bist jedenfalls verschwunden und ich habe dich leider wegen meiner Angst nicht vollkommen erlebt. Erinnerst du dich, als du mir geschrieben hast, dass du einen sterbenden Hund auf der Straße gesehen hattest? Ich habe mich solche Sorgen um dich gemacht. Vielleicht war das ein schlechtes Zeichen, das uns sagen wollte, dass alles zwischen uns plötzlich in Luft auflöst.

 

Weißt du, welche Erinnerung ich am Liebsten in meinem Herzen trage? Am Tag, an dem du krank warst, hast du mir plötzlich geschrieben, du hättest für uns zwei Paprika-Häuschen vorbereitet und du hast mich so spontan bei dir eingeladen. Du warst an diesem Abend so lieb zu mir. Obwohl du krank warst, hast du dich um mich ganz lieb gekümmert. Wir haben einen dummen französischen Film zusammen geguckt, einen Tee getrunken und ich bin wie ein kind, come la tua piccolina, in deinen Armen eingeschlafen. Du warst so lieb. Du bist lieb. Das ist meine Erinnerung an dich, bimbo mio.

 

Ich habe alles über dich gemocht: Die Liebe für deine Familie, für deine Mami, deine Brüder, dein kleiner Neffe. Deine Reisen, die Leidenschaft an Graffiti, und auch an Haribo und Vidal, Schokolade, „Cidade de Deus“, João, José, Jesus. Und Sogar Der Herr der Ringe hab ich durch deine Geschichte geliebt.

 

Natürlich bin ich davon bewusst, dass jeder auf eigene Art alles spürt und wahrscheinlich hatten ja für dich diese Tage ganz andere Bedeutung oder gar keine Bedeutung. Ich hatte das einfach akzeptiert. Ich habe an deine Worte gedacht, als du mir gesagt hast, dass du in der Schweiz sehr viel verdient hast, aber du warst nicht glücklich. Du suchst hier nach deinem Glück und ich habe dich einfach nicht glücklich gemacht. Das habe ich trotzt meiner Sehnsucht nach dir akzeptiert.

Bisher ich erfahren habe, dass du eine neue Beziehung da drinnen begonnen hast, ausgerechnet mit einer Italienerin, aus meinem eigenen Team, ein paar Tage, nachdem ich weg bin, während ich noch an dich die ganze Zeit denke, ohne dich von mir zu verabschieden. Nur eine letzte Nachricht an mich einige Tage vorher: „Buongiorno Piccolina“. Mein Gott, P. Das war ein Stich in Herz! Das ist zu viel für mich. Das kann nur bedeuten, dass ich für dich gar keine Bedeutung hatte. Das bedeutet, dass ich für dich einfach eine Nummer war. Das ist zu viel.

Ich habe gehört, ihr nennt euch fofinho und fofinha. So wie du mich auch genannt hast. Wie originell! Alle wissen über euch Bescheid und für mich war unsere Geschichte so wertvoll, dass ich nur mit meinen besten Freunden darüber gesprochen hatte.

 

Du hattest mir gesagt, dass du schon lange was Besonders in mir gesehen hattest. Stimmt das alles nicht, oder? Das war eine Lüge. Egal, dass wir viele Sprachen miteinander sprechen konnten. Auch mein Interesse an deinem Land und an Portugal. Alles war scheißegal, oder? War ich echt nur eine Nummer für dich? Übrigens habe ich kein Wort von dir verdient, Nicht einmal ein Wort. Nur Stille und bei WhatsApp blockiert zu werden. Das habe ich von dir verdient.

Warst du nur ein schöner Körper oder hast du auch was empfunden, als ich in deinen Beinen schlief und mich ganz geschützt von der Welt fühlte? Hat dein Herz überhaupt was gefühlt? Ich glaube schon, ich konnte das spüren.

 

Geschichten enden jeden Tag. Und das ist auch kein Drama. Die Trennung ist immer schmerzhaft, wenn du jemanden magst. Aber das gehört zum Leben. Am wichtigsten bleiben jedoch die Ehrlichkeit und die Menschlichkeit. Hab ich keinen Respekt verdient, P.? Das ist so traurig. Und diese Weh bleibt im Herzen und auch im Kopf. Das tut so weh!

Ich hatte auch gedacht, wieder nach Italien zu fliegen. Das war zu viel für mich. Und auch den Job, den wollte ich auch nicht mehr. Ein Job, der in meinem Kopf mit dir verbunden ist. Ich habe nämlich das Interview gemacht nach einer Nacht mit dir, bei dir, du hast mir Glück gebracht und du warst auch die erste Person, mit der ich darüber sprechen wollte. Du hast dich für mich so gefreut! Du warst so lieb! Ich weiß, dass du ein guter Mensch bist.

 

Heute erinnert mich hier alles an dich: die Sé, der Cristo Rei, das Wort „aber“, der pão de queijo, die Richtung des Flusses, die Autos über der Brücke, die gehen, laufen, fliegen, fahren :) auch mein Passwort beim Laptop erinnert mich an dich. Dieses Passwort, das du erstaunlich sofort richtig geschrieben hast: minimirullitrulli.

Ich habe dich echt gemocht, bimbo mio.

 

Ich hatte für uns eine eigene Welt aufgebaut: Für uns, die zwei Trauben, in unserem roten Paprika-Häuschen, aufgelöst und vermischt in unseren Soßen.

Eine eigene Welt, wo wir miteinander unsere Sprachen sprechen: Deutsch, jeden Tag. Français, lorsque on est en colère. Português, para nos dizermos as coisas mais bonitas e sensuais. Italiano, per dirti le cose che altrimenti non avrei trovato il coraggio di dire.

 

Was bleibt mir von dir? Nichts. Ein T-shirt, an dem du dich auch nicht mehr erinnerst. Eine Zahnbürste, die du einmal benutzt hast und einen Schokoladenzapfen, der einzige, den du nicht gefresst hast und den ich für dich behalten habe. Und ein gebrochenes Herz.

 

Ich hab dich echt gemocht, bimbo mio.

 

„Mein Leben tauscht ich dafür ein, nur einmal eins mit dir zu sein“

 

Ich wünsche dir alles Gute.

 

Con amore,

 

M.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.07.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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