Aylin

Alleinerziehende Mütter (Kommentar)

Allein erziehende Mütter

 

Was ist das?

Das sind Frauen, denen der Mann weggelaufen ist. Das sind Frauen, die keinen Mann halten können. Solche, die der Moralvorstellung der Katholiken nicht entsprechen und denen man dort einen Kitaplatz verweigert. Seltsame Wesen, beängstigend irgendwie. Auf jeden Fall Schlampen. Bestimmt. Normal ist das doch nicht. Die müsste doch wieder einen Mann finden!

Ja damals im Krieg, da war das was anderes. Da war der gute Vater für einen Blechorden oder vielleicht auch für gar nix gestorben. Das war hart. Für die Frauen. Die waren dann alleine. Danach kamen die Frauen, die mit den Besatzern ins Bett gingen und dann ein Kind bekamen, dessen Vater zurück in sein Heimatland ging. Auch eine üble Sache Ja, was lassen sich die Weiber auch mit so was ein? Selbst schuld.

Dann kamen die 5o iger Nachkriegsjahre. Mutter blieb schön am Herd. Brav, angepasst kochte sie Vaddis Pudding von Dr. Floetker mit bester Milch und wusch seine Wäsche blütenrein mit Persiel.

Wenn damals eine Frau ein Kind bekam, das unehelich war, war sie gebrandmarkt für ihr Leben. Wie ein Stück Vieh. Die Eltern verstießen sie und nicht selten musste sie in einem kirchlichen Heim leben, wo die Nonnen sie arbeiten ließen für Essen und Wohnen, sie malträtierten und erniedrigten. Moralischer war unser Land nie. Die Christmetten erleuchteten vereiste Vorwege von Kirchen, die die Menschen fest im Griff hatten. Malerisch. Arbeitssame Familien kauften sich eine Isetta. Familien – nicht allein Erziehende. Mann, war das Leben schön und so in Ordnung. So richtig in Ordnung. Bur allein erziehende Mütter hatten in der Idylle keinen Platz.

 

Dann kam meine Generation. Die Frauen trugen Jeans wie ein Kerl, sie sprachen wie ein Kerl und sie hatten die Haare kurz wie ein Kerl. Sie studierten. Sie protestierten. Verteilten Flugblätter gegen Krieg in Palästina und gründeten Frauenzeitschriften, in denen man keine Backrezepte fand, sondern politische Artikel, Artikel für Frauenrechte. Und sie suchten sich die Männer aus, die sie wollten. Vielleicht auch die Frauen, die sie wollten. Als Emanzen waren sie verschrien.

Bekamen sie aber ein Kind, ohne den dazu gehörigen Mann vorweisen zu können- ups. Dann wurde es schwierig. Dann waren sie „gefallene Mädchen“. Oder man hörte solche Aussagen wie: Es gibt doch die Pille, muss doch heute nicht mehr sein.

Die Vorstellung, eine Frau möchte ihr Kind austragen und nicht abtreiben, bloß weil der Mann das anders möchte, das war damals unvorstellbar. Und heute 2019? Heute sind die Frauen frei, zumindest solange bis AKK Bundeskanzlerin wird und der Papst Vizekanzler. Zumindest so lange, wie eine schräge AfD nicht regiert. Heute gibt es Kitas, Unterstützung und jede Menge Verständnis?

Aber jaaaa!

Wir nehmen ein Beispiel:

Eine junge Frau mit Abitur , gutem Examen und Arbeiststelle bekommt ihr Kind, obwohl der angehende Vater will, dass sie abtreibt. Sie wirft ihn raus. Sie studiert erfolgreich und arbeitet dabei. Finanzielle Einbußen und Karriereknick sind dennoch da, weil sie auf Grund der Betreuung nur halbtags arbeiten kann. Nachts und ab 16.00 Uhr haben Betreuungen geschlossen.

Das Kind geht zur einer Tagesmutter und wenn die Urlaub hat, das Kind krank ist oder die Tagesmutter geschlossen hat wegen Noro, dann geht das Kind zu Opa und Oma. Falls es welche hat und falls die es machen. Der Staat sieht für solche Fälle keine Unterstützung vor. Kommt doch so gut wie nie vor!

Doch. Kleine Kinder in Gruppen sind anfällig und oft krank, Tagesmütter auch. Kann die Mutter nicht arbeiten gehen und lässt sich auf ihr Kind zu oft krankschreiben, dann bekommt sie die Kündigung. Und Vorwürfe, weshalb das Kind denn andauernd krank ist. Und wo denn der Vater ist. Was bleibt, ist Harz Vier

Dann ist sie Harz Vier, eine von den dicken Weibern, die man in Serien bei RTL sieht. Arbeitsscheues Gesindel. Bekommt sicher bald das nächste Balg. Das die Gesellschaft, für die meine Generation nicht gekämpft hat!

Dann kommt das Kind in die Kita. Sie hat ihren Job noch, wird aber gemobbt, weil sie öfters wegen Krankheit des Kindes ausfällt. Man hat sie eingestellt, obwohl sie allein erziehend ist.Man wusste das alles vorher und doch gibt es ein Problem bei Umstellung von Tagesmutter zu Kita:

Zwei lange Monate steht das Kind ohne Betreuung da. Der Kitaplatz geht ab August, also nimmt die Tagesmutter das Kind nicht mehr. Die Kita macht aber im August Urlaub. Zudem muss der Kitabeitrag bezahlt werden, obwohl das Kind gar nicht hingeht! Dann muss das Kind im September in der Kita eingewöhnt werden, dh. Es geht 1- 3 Wochen nur 3 Stunden dorthin. Die Frau kann nicht arbeiten. Klingt kompliziert? Ist kompliziert.

Würde die Frau nun gekündigt, weil der Arbeitgeber das nicht akzeptiert, würde sie kein Arbeitslosengeld bekommen, weil sie ja dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht.

Wovon also soll sie leben? Harz Vier. Aber auch nur dann, wenn ihr das nicht als Selbstverschulden ausgelegt wird. Immerhin hat sie ja das Kind.

Das sind doch Einzelfälle. Nein, das ist Gang und Gäbe. Und dasselbe Problem tritt auch wieder auf beim Übergang von Kita zur Grundschule.

Aber das Gutekitagesetz!!! Ja, ist nichts von zu spüren in der Realität. Soweit zum Thema:

Allein erziehende Mütter können doch arbeiten gehen!

 

Fazit: Frauen sind irgendwie immer die mit dem Griff ins Klo. Politik wird von Männern gedacht und gemacht. Am besten ist es also doch, auch heute noch, wenn Frau schön Männchen macht und Denis, Kevin oder Maik einen Pudding von Dr. Floetker kocht, damit er bleibt, der Gute, damit er bleibt…

 

Ich habe als Mutter einer alleinerziehenden Tochter mein großes Haus verkauft, um sie finanziell und als Ersatzmama unterstützen zu können. Sie soll sich frei entwickeln dürfen und ihr Leben nach eigenem Gusto bestimmen, so wie ich es durfte, auch, wenn ich nicht alleinerziehend war.

Dafür hat sie mir das größte Geschenk gemacht, das ich im Alter noch haben kann: Meinen Enkel.

Ich tröste sie bei allen Diffamierungen, zahle ihren Arbeitsausfall und stecke mich selber mit Scharlach und Erkältungen an. Und ich tue es gerne. Mein Leben ist voll und bunt, manchmal auch anstrengend, aber Depri wegen Sinnlosigkeit des Lebens im Alter habe ich nicht zu befürchten. Jeder Tag ist eine Bereicherung für mich und meinen Mann.

Und wenn wieder mal irgendein Spießer vom Balkon brüllt, dass man auf der Hauswiese nicht Ball spielen darf, dann grinse ich und fühle ich mich vierzig Jahre jünger, wenn ich ihm den Stinkefinger zeige.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.07.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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