Brigitte Waldner

Arme Hundeseele


Ich googelte meinen Hund im Internet
und fand ein paar Bilder.
An seinem Halsband konnte ich ihn erkennen.
Als wäre er ein anderer Hund gewesen,
so herzbrechend krank sah er aus.
Was haben die nur mit ihm gemacht?
Bestimmt hat der Hund viel Böses erlebt.

Wenn Tiere sprechen könnten,
was hätten sie uns zu erzählen?
Gequält und misshandelt von Menschenhand
wurde er gesundheitlich geschädigt fürs Leben.
In Wehrlosigkeit war er einer Person sinnlos ausgeliefert,
die mit ihm nicht umgehen konnte.
Vielleicht litt er einfach nur unter Trennungsschmerz.
Beim Aufheben zum Abwiegen schreit er,
als würde es ihm schmerzen.
Als alter Hund ins Tierheim abgeschoben,
suchte er einen neuen Platz.
Zur gleichen Zeit am gleichen Ort begegneten wir einander.
Ich habe mir doch letzte Weihnachten einen Bodyguard gewünscht.
Der Hund weicht mir nicht mehr von der Seite,
er ist jetzt mein Bodyguard. Es war, als erfüllte sich eine Magie.

Als ich ihn vom Tierheim abholte und nach Hause brachte,
um zu probieren, ob es mit meinen fünf Katzen geht,
winselte der Hund aus Angst, wohin ich ihn bringe.
Erst als ich auf die Autobahn auffuhr, beruhigte er sich.
Die Stunde Fahrzeit verlief sehr ruhig.
Nachdem ich ihn einen Tag zur Probe daheim hatte,
und ihn ins Tierheim zurückbrachte, winselte er dort bei der Ankunft.
Ich war mir nicht sicher, freut er sich oder scheut er sich.
Er wedelte mit dem Schwanz sehr aufgeregt.
Dann erledigte ich die Formalitäten, während er weggesperrt wurde.
Als ich ihn wieder mitnahm und er vor Freude an mir hochsprang,
rief jemand: „Schau, er mag sie schon.“
An der Pforte des Tierheimes sagte eine Dame: „Ist das der Jaimie?“
Ich sagte: „Ja, gekauft. Der gehört jetzt mir.“
Die Dame sprach den Hund an: „Ja, Jaimie, dass du dir auch noch
ein gutes Platzerl gefunden hast.“

Er fährt sehr gerne mit dem Auto.
Wenn ich wegfahre und ihn nicht mitnehmen kann,
weil es einfach zu warm ist, wenn ich keinen Schattenparkplatz bekomme,
läuft er in den oberen Stock und schaut bei der Balkontüre hinaus.
Wenn ich nach ein bis zwei Stunden vom Einkauf zurückkehre,
hechelt er wie wild und freut sich, wenn ich wieder da bin.
Er hat sehr große Angst, mich zu verlieren.
Dann läuft er zum Auto und schaut in die leere Hundebox.
Ich weiß nicht, was er sich erwartet.

Die Leute vom Tierheim freuen sich riesig,
dass sich der Hund bei mir so gut einfügt.

© Text und Foto: Brigitte Waldner

Foto: Mein Hund Jaimie, dem sich meine Katze Fritzi mutig näherte.

 

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