Georges Ettlin

Mein altes Haus im Sturm

Nach tagelanger Sommerhitze und schwülen Nächten stand die feucht-schwere Luft über dem roten Ziegeldach still.
Ein grosses, unheimliches Schweigen machte sich breit, auch die grossen,alten Raben schwiegen.
Abends stürzte sich diese stehende Luftsäule als plötzlicher Abwind senkrecht auf das sich ängstlich duckende Haus
wo Oma und Opa wohnten und eine schwarze Wand aus dichten Wolken kauerte drohend auf den sich
plötzlich nach Westen verbeugenden Tannen des Waldes, ... fast kniehend und betend-jammernd,  als ob dort in dunkler
Nacht ein fremder Waldgott wohnen würde, der sich Respekt mit grellem  Blitz und krachendem Donner verschaffte.
Die grossen Eichen und Buchen waren auf einmal in ein tiefes Grau gekleidet und schleuderten Äste Blätter und Zweige
gegen das zitternde Holzhaus, welches vorher doch schon Jahrhunderte überlebte.
Ich schaute durch die klirrenden Fensterscheiben und sah schwarze Spinnweben und Moos wie flüchtende Vögel aus
den flatternden Zwischenräumen der Ziegel sausen, aber das alte Dach hielt dem Sturm stand.
Die Balken knarrten und Oma und Opa schlichen leise und langsam in die kühleren, nach staubigen Jahhunderten riechenden Kellerräume
unseres Hauses, wo sie sich zwischen Lager- Kartoffeln und Wein
auf eine dicke, breite Matratze legten, um den Gefahren des nächtlichen Wetters zu entgehen.
Am frühen Morgen  verabschiedete ich mich von den beiden alten Leuten, die sich im Keller befanden und wahrscheinlich noch schliefen.:
Ich musste zur Arbeit ins nördlich Ausland fahren, um erst nach einem Monat zurück zu kommen..
Oma und Opa lagen still da und ich überlegte mir noch schnell ein Frühstück mit Käse, Brot und Milch für die Beiden im Stübchen vorzubereiten, sie würden sich dann sicherlich freuen. Nachdem ich Oma und Opa im Keller ruhig liegen sah, wunderte ich mich, dass Oma mir auf der Treppe zum Obergeschoss bedegegnete und grusslos an mir vorüberging.
In den Nachrichten aber konnte ich dann lesen, dass zwei alte Leute Opfer des schweren Sturmes wurden, obwohl sie sich
im sicheren Keller aufhielten. Sie seien eines nätürlichen Todes gestorben, wahrscheinlich wegen Herzinfarkt durch
Einfuss von Altersschwäche, Aufregung und Angst.

***

c/G.E.

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