Peter Kröger

Zugehfrau



Es war einer jener heißen Sommer, das Thermometer stieg auf Werte jenseits des Zumutbaren, alles glühte, und mein Nachbar Raffael gab eine Kleinanzeige im Voslapper Boten auf: Zugehfrau verzweifelt gesucht. Aber niemand meldete sich, Tag für Tag verfolgte Raffael auf seinem schönen, blumengeschmückten Balkon den Lauf der Sonne von früh bis spät, allein das Telefon wollte nicht läuten, und der wackere Stern brannte unbarmherzig mit voller Wucht vom Himmel herab.

Ach, was war nur aus Voslapp geworden, Nachbar Raffael weinte manch bittere Träne, keine Zugehfrau wollte sich finden, und eines Tages sah ich den alten, armen Mann auf dem Balkon liegen, die Augen weit aufgrissen, leblos und starr, wie auch Voslapp in jenem heißen Sommer ganz ohne Leben war. Dennoch, zu Raffaels Bestattung, die aufgrund der großen Hitze gleich nach Sonnenaufgang erfolgte, erschienen - man muss sagen: wie aus dem Nichts - alle bekannten Zugehfrauen zwischen Wittmund und Tossens und bildeten einen nicht enden wollenden Trauermarsch auf dem Voslapper Nordseefriedhof; ich weiß noch, der Voslapper Bote titelte: Raffael Strunz tot. Große Bestürzung rund um den Jadebusen.

Auf dem Heimweg von Strunz' Trauerfeier, im Zustand großer Niedergeschlagenheit und Gleichgültigkeit, sprach mich überraschend die mir bekannte, sehr gewissenhafte Zugehfrau Rita Z. aus Varel an und machte mir ein sogenanntes Angebot, das ich nicht ablehnen konnte und das auch Raffael mit Freuden angenommen hätte, wie mir schien. Für ihn jedoch, den großen Raffael mit dem schönsten Balkon in ganz Voslapp, kam allerdings, wenn ich so sagen darf, jede Hilfe zu spät. Die Erinnerung an den Entschlafenen verebbte bald, wie in Voslapp alles verebbt und versandet, was nicht auf der Stelle entschlossen umarmt und festgehalten wird. Immerhin, jener schlimme Sommer, irgendwann fand er sein Ende.

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