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KULT-GETRÄNK-MYTHEN, endlich aufgedeckt! Heute: DER BOUGLE

Eustachius Mon Cul-Visage und sein Badewannen-Likör BOUGLE



 
Eustachius Mon Cul-Visage freute sich auf sein Wannenbad. Er las den Aufdruck auf der Rückseite der Sprudeltablette: "Mit diesen Dresdner Essenz Traditionelle Sprudelbad-Tabletten haben Sie ein echt prickelnd-erfrischendes Badeerlebnis in Kombination mit aromatherapeutisch wirksamen ätherischen Ölen erworben. Der hohe Anteil an reinem Mandelöl schützt Ihre Haut vor dem Austrocknen und sorgt für ein angenehm weiches Hautgefühl. 80 g-Bade-Tablette, Ingredienzien:

Sodium Bicarbonate, Citric Acid, Sodium Chloride, Solanum Tuberosum (Potato) Starch, Silica, Sodium Methyl Oleoyl Taurate, Prunus Amygdalus Dulcis (Sweet Oil) Oil, Water, Parfum (Fragrance), Abies Sibirica (Spruce Needle) Oil, Camphor, Eucalyptus Globulus (Eucalyptus) Leaf Oil, Isopropyl Palmitate, Limonene, CI 45350 (D&C Yellow No. 8), CI 42090 (FD&C Blue No. 1). Preis pro Bade-Tablette: 0,99 Euro. Weiter unten ein Abbild dieser Sprudelbad-Tablette.

M. Cul-Visage stieg frohen Mutes und bester Laune ins samstägliche Wannenbad. Zwei Tabletten Fichtennadel Sprudelbad verbreiteten eine angenehme Farbe im Badewasser, einen sehr angenehmen Duft und leichte Sprudel-Aktivität. Eustachius Cul-Visage hatte sich gut vorbereitet. Eine Flasche seines selbst hergestellten Eustach, eines Likörs, mit der Basis Ouzo, ein Aschenbecher, eine Packung Zigaretten, ein Feuerzeug, ein kleines Trinkglas und zwei Nuss-Nougat-Riegel. All dies war sorgsam verteilt an den vier Ecken der Badewanne aufgereiht worden. Links neben dem Kopf der Aschenbecher und die Zigaretten plus Feuerzeug, rechts standen Flasche und Glas. Am Fußende links/rechts die 2 Riegel. Als er sich einschenken wollte, passierte ein Malheur: Die Flasche, etwa halbvoll, fiel ins Badewasser. Der Schreck war so groß, dass Eustachius erst sehr spät reagierte. Seine Likör-Flasche war untergegangen und hatte so einiges an Badewasser aufgenommen. "So rischdisch ärscherlisch..." (Mon Cul-Visage ist Kurpfälzer)!!


Verärgert zog Eustachius seinen Likör aus dem Wasser. Ob der jetzt noch schmeckte?? Vorsichtig probierte Eustachius. Und siehe da – der Likör hatte nun das gewisse Etwas. Das war es, was ihm noch gefehlt hatte! Ja, exakt dieser Zusatz brachte es. Nun war der Likör perfekt. Zufall plus Glück, ein neuer Likör war entstanden. Und der hatte das Zeug zum absoluten Mega-Hit! Der ließ sich ganz sicher verkaufen. Den würden gern alle trinken. Da war Mon Cul-Visage sicher.

Später verfeinerte Eustachius die Rezeptur noch.  Er wollte das Produkt zuerst ‚Cosa Nostra‘ nennen („Unsere Sache“), doch dann entschied er sich doch für "BOUGLE", zusammengesetzt aus den 3 Ingredienzien: Badewasser-Sprudeltablette, Ouzo und Ginger Ale. Er brachte den Likör nach Schöllkrippen, zum Spirituosen-Vertrieb Trully, Zwijvelhafd & Radukkel. Die verantwortlichen Herren dort waren begeistert. Doch erfuhr niemals jemand die exakte Zusammensetzung des Getränks. Wie bei wohl allen Szene-Getränken in den Diskotheken Deutschlands ('Bier plus X') konnte auch hier das Geheimnisvolle zum Absatz beitragen, es mystifizierte diese Spirituose, den Bougle umgab ein gewisser Charme des Okkulten und Mysteriösen. Etwa wie auch beim Absinth.



Bougle kam in einer stylishen, giftgrünen Flasche (mit leicht verdrehtem Hals) auf den Markt – für jetzt 19,99 Euro pro Stück. Das Geschäft lief gut. Bald waren auch Bougle-Flachmänner und die sehr beliebten Mini-Party-Fläschchen stets im Umlauf, Bouglettes und Bouglettinis genannt. Ein wahrer Party-Hype (B.-Party!) entstand rund um das Getränk. Einige der Konkurrenten kamen ins Schwitzen, so z.B. einer, der für seinen Likör mit einem Sechsender-Hirsch plus grünem Kreuz zwischen seinem Geweih warb, von einigen der Gegner recht verächtlich als "Leberkleister" beschimpft.

Übrigens, BOUGLE hieß das Getränk von Anfang an. Auch zu jener Zeit, als es nur aus viel Ouzo und Ginger Ale bestand. Es hatte eine leicht bräunliche Färbung, daher nannte Cul-Visage diese seine Kreation BROWN OUZO GINGER ALE. Nach dem „Unfall“ mit der Bade-Tablette blieb es dabei, das „B“ hatte nun auch seine Berechtigung. Die Farbe hatte sich natürlich verändert, leicht grünlich-hellbraun. Keine sehr angenehme Farbe, daher die giftgrüne Flasche, die den Inhalt völlig im Dunkeln beließ. Im Glas allerdings, da kam die Wahrheit ans Licht. Daher beschloß die Firma T. Z. & R. (Trully, Zwijvelhafd & Radukkel), nun ein Minze-Blatt zu jedem an der Theke georderten Bougle zu geben, und zu wirklich jeder Flasche wurde ein Beutelchen Minze-Blätter ausgegeben. Zu jedem Glas gab es in der Kneipe o. Disco ein kleines Fähnchen mit dem Logo "Bougle verdreht dir den Kopf!" Daher auch der verdrehte Flaschenhals.


Eustachius M. Cul-Visage wurde im Nu mehrfacher Millionär, trank aber dann leider viel zu viel seines eigenen Erzeugnisses. Längst hatte er alle Rechte an Bougle abgegeben. Und die Fa. T. Z. & R. hatte einen wahrlich gewaltigen Medienrummel um den ziemlich bald Kultgetränk genannten Likör in ganz Europa, später auch in der Welt, veranstaltet. Die Werbung: Poppig, bunt, schrill, laut, crazy, mit Musik (Hip Hop/Rock/Metal) und natürlich vor allem extrem Jugend orientiert. Der Vertrieb: Perfekt organisiert, niemals gab es je einen Engpass, und selbst in den entlegensten Gegenden Deutschlands war der Bougle vorrätig, in jedem Schnapsladen, bei jedem Kneipier, in jedem Kiosk oder in jeder Disco. Sogar in Hongkong oder in Mumbai, Jakarta oder Seoul wurde der deutsche Likör getrunken.

Es dauerte gar nicht lang, bis Braunschweig sich große Sorgen machte. Dort, wo eine gewisse Familie Mast mit dem „Jägermeister“ bereits recht viele Millionen gescheffelt hatte, ging die bange Sorge um: Wird Bougle nun der neue Jägermeister? Geht es jetzt mit uns zu Ende? Der Absatz sinkt, ganz Deutschland trinkt jetzt nur diesen BOUGLE, ich sah es bei Google! Dieser Spruch, lanciert von Trully, Z. & Radukkel, und kolportiert von Presse, Szene und den Party-Kids, machte die Runde, und "Jägermeister" den Garaus. Eine Ära ging zu Ende. Und das ziemlich abrupt. Lediglich in den USA waren die Absatzzahlen für Masts Jägermeister erträglich bis gut. Dort hielt er sich noch eine Weile. Bis dann auch hier der BOUGLE Einzug hielt. Endlich geht es auch einmal anders herum. In der Regel schwappt der Hype von den USA nach Deutschland, nach 2 - 3 Jahren, jetzt aber schiebt Deutschland den Mega-Hype über den großen Teich in die USA. Das kann doch nur ausgleichende Gerechtigkeit sein, oder?

Was genau ist im BOUGLE, 24 %? (Es gibt auch den Hardcore-Bougle, mit heftigen 48 %) Ingwer-Auszug, Wasser, Zucker, Kohlensäure, Säuerungsmittel Zitronensäure, ein natürliches Ingwer-Aroma mit anderen natürlichen Aromen, Farbstoff Zuckercouleur (E150d), pro Flasche 1/4 Tablette Dresdner Essenz Sprudelbad Fichtennadel, Anis, Fenchelsamen, reiner Alkohol, Ouzo, Limette, plus Gewürze, rein pflanzliche Extrakte, viele Kräuter und eine Geheimzutat. Aber die wird nicht verraten. Die befindet sich wohl verwahrt in einem Tresor bei T., Z. & R.!

Übrigens wurde die Firma Dresdner Essenz Traditionelle Sprudelbad-Tabletten bei einem Vergleich (durch Li-iL GmbH Arzneimittel Arzneibäder, Leipziger Straße 300, 01139 Dresden,  Deutschland) fürstlich abgefunden, nachdem sie geklagt hatte, zwar Bestandteil dieses BOUGLE zu sein, aber dafür niemals auch nur einen Euro gesehen zu haben. Wohl oder übel mussten Trully, Zwijvelhafd und Radukkel sehr viel Geld an Li-iL zahlen. Die genaue Höhe der Entschädigungszahlung wurde nie bekannt gegeben, man munkelte aber aus den üblichen "gut unterrichteten Kreisen" von 96 Millionen Euro!

Während Eustachius Mon Cul-Visage langsam an seiner Leberzirrhose zu verscheiden drohte, kam die Geschichte rund um BOUGLE so richtig in Schwung. Als selbst in den sogenannten "Schurken-Staaten" der Ausschank erlaubt worden war, sogar in Nordkorea, Iran, Sudan und Syrien, durfte man sagen: "BOUGLE trinkt die ganze Welt, solange wie die Leber hält!" Beim Erfinder war es jetzt aber zu spät. Die Leber hielt nicht. Und weil er wirklich jeden Cent seines einstigen Millionen-Vermögens versoffen hatte, konnte er sich noch nicht einmal eine Zweitleber leisten. Nicht einmal eine aus der Ukraine oder aus Rumänien. Quittengelb musste Eustachius mit nur 57 Jahren sein Leben lassen! In einer Unterkunft für Wohnungslose in Schöllkrippen-Süd, genau dort, wo auch T., Z. und R. ihr Riesen-Anwesen zur Schau stellen.

Dass dieses Zeug sehr, sehr schädlich für die Leber ist, wollten die Party-People nicht wissen, schon gar nicht Eustachius, der schließlich in einem Armengrab landete. Doch sein Getränk, aus einem Badeunfall heraus entstanden, ist noch heute der Szene-Drink. Sie kennen ihn nicht? Sie kennen BOUGLE nicht?? Dann belassen Sie auch es dabei. Bitte.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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