Sophia Annemarie

Steine im Weg

Warten. Warten ist erträglich, aber nicht, wenn man nicht weiß, wie lange noch.

„Was hast du für die Zukunft vor?“, fragen sie immer, als wüssten sie, was sie erwarten wird.
Als hätten sie die gesamte Wartezeit ihres Lebens bereits abgesessen und haben ihr Leben nun schon vorgedruckt in einem Buch in die Hand gelegt bekommen.

Dann fangen sie an zu erzählen, was sie in 5 Jahren alles machen werden, nach dem sie 3 Jahre dies gemacht haben, um die nächsten 30 Jahre das zu machen. Na dann mal auf gut Glück!

Ich warte schon mein ganzes Leben lang auf irgendetwas. Wenn es damals um das Warten ging, gab es immer eine bestimmte Zeit, wie z.B. der nächste Geburtstag und die dazugehörigen Geschenke oder eben der nächste Impf- oder Zahnarzttermin. Du wusstest, was dich erwartet und auch welche Gefühle dich erwarten werden. Das war sehr viel erträglicher, als von der einen auf die andere Sekunde fast einen Schock zu erleiden, weil auf einmal das Leben eine ganz andere Wende nimmt, als man erwartet.

Egal, wie du dich vorbereitest, egal wie top organisiert und abgesichert du zu sein scheinst- es kommt nie wie geplant. Entweder es sind Menschen in deinem Umkreis, die dir deine Pläne kreuzen oder irgendwie Einfluss auf den Ablauf haben- oder es ist dein Körper, der dir mal eben einfach einen Strich durch die Rechnung zieht- es gibt so viele Dinge in deinem Leben, die dich einfach nicht so leben lassen, wie du es dir vorgestellt hattest.

Damit meine ich nicht, dass es nicht auch durchaus gute Aspekte zu diesem Thema gibt, nein. Ich meine, dass du dein Leben eigentlich überhaupt gar nicht planen kannst, weil sich sowieso wieder alles auf den Kopf stellen wird. Es ist immer gut einen Plan zu haben und meistens geht er sogar eine Weile gut. Aber das Leben ist ein hin- und her, eine endlose Achterbahn aus Ereignissen und Gefühlen. Und dessen Gleise kannst du nicht verbiegen.

Viele Menschen sagen: „Siehst du? Ich hab‘s dir ja gesagt. Hättest du mal bloß auf mich gehört.“ Ist dir vielleicht mal aufgefallen, dass diese „lebenserfahrenen“ Menschen meistens genau die sind, dessen Leben du niemals hättest leben wollen? Denn genau diese Menschen haben sich wahrscheinlich nie von den Ereignissen ihres Lebens berühren lassen, sind blind-taub durch das Leben gegangen und spätestens am Ende ihrer Tage werden sie wach und spüren den Flug nach unten.

Es gibt kein „richtig“, oder „falsch“. Egal, welchen Weg du nimmst. Es kann immer ein Stein darauf liegen. Die Frage ist, ob du diesen Stein überhaupt überwinden kannst. Ist es eher ein kleiner Stein, den du mit einem Tritt weg kickst, oder ist es ein kaum überwindbarer Felsen, bei dem sich vielleicht sogar ein Umweg lohnt?

Diese Entscheidung darf ich für mich selbst treffen. Da können mir die Leute sonst noch viele Lebensweisheiten und Erfahrungen erzählen. An manchen Tagen genügt mir vielleicht die Kraft, einen Felsen zu überwinden. Jedoch ist meine Energie danach erst einmal aufgebraucht und ein weiterer Felsen scheint einfach unmöglich überwindbar zu sein.

Es stellt sich immer die Frage, wieviel Energie und wie viele Nerven dir momentan zur Verfügung stehen, und ob diese ausreichen, um den Weg ohne Pause und Umweg zu gehen.

Heute warte ich darauf, wie lange es zum nächsten Stein noch dauert oder wie lange ich brauche, um diesen Stein zu überwinden. Es fühlt sich komisch an, nicht einfach den freien Weg zu genießen, sondern immer an das nächste Hindernis zu denken.

Ich versuche immer zu planen, obwohl ich weiß, dass das nichts bringt. Vielleicht mache ich das auch einfach für die Anderen, die daran zweifeln, dass ich ein kluger Mensch bin. Diejenigen, die mir etwas vom Leben erzählen wollen und auch diejenigen, die der Meinung sind, dass sie alles richtig machen und sowieso alles wissen.

Ich will nicht mehr warten, was kommt. Ich will einfach da sein und leben. Und das tue ich ab jetzt.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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