Claudia Savelsberg

Seine rechte Hand

Beate arbeitete seit fünfzehn Jahren als Sekretärin bei der Werbeagentur „Häusler & Partner“ in Frankfurt. Sie liebte ihren Job, war zuverlässig und kompetent. Ihre Vorgesetzten und Kollegen schätzen sie, weil sie auch in stressigen Situationen den Überblick behielt und dabei stets freundlich und ausgeglichen blieb. Auf Beate war Verlass, das wusste die ganze Firma. Sie war einfach „die gute Seele“, wie es Manfred Häusler, Seniorpartner der Agentur, gerne formulierte. Dass sich diese Einschätzung nicht unbedingt mit ihren monatlichen Bezügen deckte, war Beate relativ egal. Ihr Gehalt reichte aus, um ein kleines Appartement zu finanzieren und ab und zu ins Theater oder in die Oper zu gehen. Beate war zufrieden mit sich und ihrem Leben. Sie war dreiundvierzig Jahre alt und lebte seit ihrer Scheidung vor zwei Jahren allein.

Beim Mittagessen überraschte Kollegin Silvia sie mit Neuigkeiten: „Hast du schon gehört, dass wir einen neuen Ressortchef kriegen? Er heißt Andreas Riemann und kommt aus Freiburg zu uns. Da bin ich mal gespannt.“ Beate reagierte mäßig interessiert, es hatte schon oft Gerüchte über einen möglichen Personalwechsel in der Firma gegeben. Kurze Zeit später bat Manfred Häusler Beate zu einem Gespräch in sein Büro. „Beate, unsere Agentur bekommt im nächsten Monat einen neuen Ressortchef. Der Kollege Andreas Rieman kommt aus Freiburg zu uns.“ Beate schwieg; denn das hatte sie ja schon von Silvia gehört. Häusler fuhr fort: „Sie sind eine erfahrene und kompetente Mitarbeiterin, und wir möchten, dass Sie als persönliche Assistentin für Herrn Riemann arbeiten.“ Beate nickte zustimend. Häusler zwinkerte ihr zu: „Außerdem ist die neue Position mit einer Gehaltserhöhung verbunden.“ Beate lächelte und bedankte sich. Auf dem Flur kam ihr die aufgeregte Silvia entgegen: „Du, ich hab den Riemann mal gegoogelt. Stell dir vor, er ist vierundvierzig Jahre alt, ledig und sieht gut aus.“ Beate grinste. Silvia war gerade dreißig Jahre, für ihr Alter noch recht unreif, ziemlich flippig und irgendwie ständig auf der Suche nach einem Partner. Dann kam der mit Spannung erwartete Andreas Riemann endlich nach Frankfurt. In einer großen Gesprächsrunde stellte er sich den Kollegen vor, erzählte kurz von seiner bisherigen Tätigkeit in Freiburg und von seinen persönlichen Interessen. Er gab sich jovial, kündigte Neuerungen an, die den Arbeitsablauf in der Agentur optimieren sollten. Er setzte auf „Dialog“ und „Kommunikation“, wie er betonte. Beate fand ihn sympathisch, was angesichts der Tatsache, dass sie sich ein Büro teilen mussten, nur von Vorteil sein konnte. Silvia war hingerissen und zupfte am Ausschnitt ihrer Bluse: „Der ist genau mein Typ.“ Beate grinste, manchmal benahm sich Silvia wirklich wie ein Kind.

Riemann lud Beate zum Abendessen ein: „Da wir eng zusammenarbeiten werden, sollten wir uns besser kennenlernen.“ Der Abend war nett, Riemann war charmant und erzählte von der Agentur in Freiburg und von seinen Hobbies. Und er erkundigte sich, was sie in ihrer Freizeit gerne tat. Beate war der Überzeugung, dass sie mit Riemann gut zusammenarbeiten könnte. Sie war immerhin seine rechte Hand. Und diese Aufgabe nahm sie ernst. Jeden Morgen holte Beate zwei Tassen Kaffee, und dann besprach sie mit Andreas Riemann die anstehenden Termine und die Tagesplanung. Sie wusste, was sie zu tun hatte, und er konnte sich auf seine rechte Hand hundertprozentig verlassen. Sie führte seinen Terminkalender, erledigte die Korrespondenz, organisierte seine Geschäftsreisen und besorgte in seinem Auftrag Geschenke und Blumen für Kunden der Agentur, die ein Jubliäum oder einen Geburtstag feierten. Sie tat es gerne, es gehörte zu ihren Aufgaben als seine rechte Hand.

Da Riemann sich in Frankfurt nicht auskannte, besorgte sie ihm Veranstaltungskalender, gab ihm Tipps, in welchen Restaurants man gut essen konnte und welche Ausflugsziele es in der Nähe von Frankfurt gab. Manfred Häusler lobte sie: „Beate, ich danke Ihnen, dass sie unserem neuen Kollegen helfen. Er soll sich hier einleben und zuhause fühlen. Beate, Sie sind ein Schatz.“ Sie lächelte ihren Seniorchef an, es war selbstverständlich für sie. Sie war doch Riemanns rechte Hand.

Riemann fragte Beate, ob sie ihm dabei helfen könnte, Bilder in seiner Wohung aufzuhängen. Zu zweit wäre es einfacher, und außerdem hätte sie einen guten Geschmack, weil sie gerne in Museen oder zu Vernissagen ginge. Beate half ihm auch dabei. Nachdem alle Bilder aufgehängt waren, bot er ihr noch ein Glas Wein an. Beate akzeptierte diese Geste höflich. Sie wollte aber bald nachhause. Riemann begann zu erzählen und schenkte immer wieder nach. Beate sah verstohlen auf die Uhr, die letzte S-Bahn wollte sie noch kriegen. Riemann sah sie an: „Ich bin aus Freiburg weggegangen, weil sich meine Lebensgefährtin von mir getrennt hat. Ich hielt es nicht mehr aus und brauchte einen Ortswechsel, deshalb bin ich hier.“ Beate fühlte sich peinlich berührt. Riemann war ihr Chef und sie half ihm gerne, wo sie konnte. Sie war ja seine rechte Hand. Aber diese Information über sein Leben, über das sie sich noch nie Gedanken gemacht hatte, war ihr zu privat. Es ging in eine fast schon intime Richtung, und das wollte Beate vermeiden. Sie hatte klare Vorstellungen von der Hierarchie zwischen Chef und Sekretärin. Es gab eine Grenze, die nicht überschritten werden durfte.

Sie erfüllte ihre Pflichten korrekt und termingerecht. Mit der Zeit merkte sie, dass Riemann oft unkonzentriert war und sich in seinen Planungen verzettelte. Er vergass Termine mit wichtigen Geschäftspartnern, und sie musste ihn mehrmals daran erinnern. Die Namen von Großkunden schrieb er oft falsch, und Beate korrigierte dies unmerklich. Die Kollegen wurden langsam unzufrieden. Die von Riemann angekündigten Neuerungen, um innerbetriebliche Abläufe zu optimieren, konnten in der Praxis nicht umgesetzt werden. Riemann gab Arbeitsanweisungen, die er am nächsten Tag widerrief. Statt auf „Dialog“ und „Kommunikation“ zu setzen, wie er es angekündigt hatte, kehrte er jetzt seine Position als Ressortleiter raus. Selbst älteren und erfahrenen Mitarbeitern gebenüber. Die Stimmung war angespannt, aber Beate hielt ihrem Chef immer noch den Rücken frei. Sie war ja seine rechte Hand.

Eines Samstagnachmittags rief Riemann Beate an. Er wollte die Unterlagen für die Teambesprechung am Montag noch einmal mit ihr durchgehen. Ob sie gegen 19 Uhr zu ihm kommen könnte? Beate hatte wenig Lust, eigentlich hatte sie sich einen gemütlichen Abend machen wollen. Aber ihr Pflichtgefühl siegte, und sie sagte Riemann zu. Na ja, auch das gehörte zu ihren Aufgaben als seine rechte Hand. Als sie die Wohnungstür hinter sich zuzog, hatte sie ein komisches Gefühl. Riemann hatte gekocht und den Tisch mit Blumen und Kerzen gedeckt. Beate war irritiert, was sie allerdings gut überspielte. So was konnte man auch ein Arbeitsessen nennen. Sie setzte sich und Riemann servierte formvollendet. Es schmeckte sehr gut, und Riemann erzählte, dass Kochen sein Hobby wäre. Nachdem sie die Unterlagen durchgesehen hatten, wollte Beate sich verabschieden, aber Riemann öffnete noch eine Flasche Wein. Offensichtlich wollte er, dass Beate noch etwas blieb. Um nicht unhöflich zu wirken, sagte sie, dass sie gerne noch ein Glas trinken würde, dann wollte sie nachhause. Riemann schaute sie intensiv an: „Was halten Sie von einem Verhältnis?“ Beate glaubte, dass sie sich verhört hätte, aber als sie ihn ansah, wusste sie, dass er die Frage ernst meinte. Sie rang sich ein Lächeln ab und sagte: „Herr Riemann, Sie sind mein Chef, und von einem Verhältnis halte ich definitiv nichts.“ Offensichtlich nahm Riemann diese Antwort nicht zur Kenntnis; denn er fuhr unbeirrt fort: „In der Praxis sähe das so aus, dass wir morgens gemeinsam aus dem Bett springen, uns im Büro aber neutral verhalten und siezen.“

Am liebsten hätte Beate ihm das Weinglas an den Kopf geworfen; denn diese Dreistigkeit empörte sie. So weit gingen ihre Aufgaben als seine rechte Hand dann doch nicht. Sie beherrschte sich und ging zum Schein auf dieses großzügige Angebot ein: „Herr Riemann, wissen Sie was? Ich suche mir eine andere Stelle, dann sind wir nicht mehr Chef und Sekretätin. Dann steht einem Verhältnis nichts mehr im Weg.“ Das gefiel ihm nicht: „Beate, ich will Sie als meine rechte Hand nicht verlieren. Ich bin auf Sie angewiesen.“ Beate nahm ihre Handtasche und verabschiedete sich mit den Worten: „Beides können Sie nicht haben. Das geht einfach nicht.“

Am Montagmorgen holte Beate wie immer zwei Tassen Kaffee, und dann besprachen sie die anliegenden Termine. Was am Samstag gesagt worden war, stand noch zwischen ihnen. Riemann schaute Beate kaum an, aber sie verhielt sich professionell und widmete sich hochkonzentiert ihren Aufgaben. Sie war ja seine rechte Hand. Beates Abfuhr hatte offensichtlich am Ego ihres Chefs gekratzt, was sie einige Zeit später merkte. Riemann flirtete in ihrer Gegenwart offensiv mit Silvia, die ganz begeistert war. Er lud sie zum Essen in ein teures französiches Restaurant ein und lobte ihre Arbeit geradezu überschwänglich vor den Kollegen. Irgendwann wurde getuschelt, dass die beiden ein Verhältnis hätten.

Beate interessierte dies alles nicht, sie machte weiterhin ihren Job. Aber sie ließ sich nicht mehr auf private Gespräche mit ihrem Chef ein, und Einladungen lehnte sie mit einem Hinweis auf ihr Privatleben höflich ab. Dass Beate offensichtlich nicht eifersüchig auf Silvia war, regte Riemann ungeheuer auf. Das kratzte erneut an seinem Ego. Er wurde Beate gegenüber unfair. Alles, was sie tat, war plötzlich falsch. Sie buchte die falschen Flüge, die falschen Hotels. Der Blumenstrauß, den sie in seinem Auftrag für eine Geschäftspartnerin besorgt hatte, war nicht nach seinem Geschmack. Er führte seinen Terminkalender jetzt selbst, und wenn er ein Meeting verpasste, dann machte er Beate dafür verantworlich. Einmal kam sie eine halbe Stunde zu spät ins Büro, weil eine S-Bahn ausgefallen war. Vor den Kollegen brüllte er sie an und drohte sogar mit einer Abmahnung. Die Situation wurde für Beate jeden Tag unerträglicher, und schließlich ließ sie sich von ihrem Hausarzt ein leichtes Beruhigungsmittel verschreiben, damit sie den Tag im Büro überstand. An den Wochenenden war sie nur müde und ging kaum noch aus. Montags schleppte sie sich lustlos und mit Kopfschmerzen zur Arbeit. Sie suchte nach einer neuen Stelle, fand im Internet und in Zeitungen allerdings nichts. Also mußte sie durchhalten. Nach wie vor erledigte sie ihre Aufgaben gewissenhaft und termingerecht. Sie wußte allerdings, dass Riemann mit Sicherheit einen Fehler finden würde, um sie weiter schikanieren zu können. Beates Kollegen, die hinter ihr standen, sprachen es offen aus: „Was Riemann macht, ist Mobbing.“

Die Agentur sollte für die Firma „Sanitas“ eine Werbekampagne entwerfen. Ein höchst interessanter Auftrag, der zu einem richtig großen Deal werden könnte. „Sanitas“ hatte bundesweit sehr viele Filialen, und der Geschäftsführer Martin Bolay verfügte über internationale Kontakte. Wenn man Bolay mit der Werbekampagne überzeugen könnte, dann öffneten sich noch andere Türen, dachte Manfred Häusler. Selbst für ihn, den erfahrenen Seniorpartner, war dieser Auftrag ein Riesending. Er rief Riemann und Beate in sein Büro: „Kinder, Ihr wißt, wie wichtig der Auftrag für uns ist. Wir müssen Bolay unbedingt als Kunden gewinnen. Riemann, Sie zeichnen verantworlich für die Entwicklung und die Präsentation der Kampagne. Beate, Sie werden Ihren Chef nach Kräften unterstützen und ihm zuarbeiten. Aber das muss ich Ihnen ja nicht erklären.“ Riemann wußte, dass er auf Beate angewiesen war, und sie wußte es genauso gut wie er. Sie war allerdings intelligent genug, ihn das nicht merken zu lassen. Stillschweigend arrangierten sie sich und arbeiteten zielgerichtet am Entwurf der Werbekampagne. Riemann unterliefen einige Fehler, die Beate unmerklich ausbügelte. Die Kollegen verstanden nicht, warum sie dies tat, nachdem er sie so ekelhaft behandelt hatte. „Laß den Riemann doch mal richtig auflaufen“, meinte einer. Das konnte Beate nicht, sie war ja immer noch seine rechte Hand. Der Entwurf war fertig, und Martin Bolay wurde in der Agentur erwartet, um das Konzept zu begutachten. Riemann war hektisch, und Beate musste ihm dreimal sagen, dass der Termin auf 14 Uhr festgesetzt war. Dann ging sie ins Konferenzzimmer, um alles vorzubereiten: Unterlagen, Flipchart, Werbematerial der Agentur. Außerdem stellte sie Kaffee, Tee und Wasser auf den Tisch.

Bei diesen Verhandlungen war Beate immer dabei; denn sie protokollierte akribisch die Einwände und Anregungen der Kunden, die sie aufgrund ihrer Berufserfahrung und Menschenkenntnis schon fast voraussehen konnte. Ganz Geschäftsmann des alten Schlages, erschien Martin Bolay auf die Minute genau zum Termin. Riemann begrüßte ihn jovial, eine Spur zu jovial vielleicht. Bolay begrüßte Beate sehr höflich und schaute sie fragend an: „Beate? Sind Sie wirklich Beate? Ich habe doch früher mit Ihrem Vater Tennis gespielt. Das muß jetzt zehn Jahre her sein. Erinnern Sie sich?“ Beate lächelte: „Als ich den Namen Bolay las, habe ich nicht sofort an Sie gedacht. Aber ich erinnere mich. Meistens haben Sie meinen Vater in drei Sätzen geschlagen, was ihm nicht gefiel.“ Riemann mußte zugeben, das dies ein psychologisch guter Einstieg in die Verhandlungen war. Er lächelte Beate sogar verhalten zu. Bolay war vom Konzept der Werbekampagne überzeugt, es sollten nur noch kleine Änderungen und Ergänzungen eingearbeitet werden. Sie hatten den Zuschlag. Jetzt musste die große Präsentation für den Kunden vorbereitet werden, was auch für erfahrene Kollegen immer wieder eine neue Herausforderung war. Es durfte kein Fehler passieren, jedes Detail mußte berücksichtigt werden. Riemann, der zunehmend hektisch wurde, beschränkte sich darauf, seinen Mitarbeitern Anweisungen zu geben, wobei er sich oft widersprach. Beate bügelte seine Fehler unmerklich wieder aus, und beruhigte die Kollegen, die von Riemann genervt waren. Es war ihr Job, sie war seine rechte Hand.

Es war mittlerweile 21 Uhr, und die Präsentation stand. Riemann ging in die Teeküche und kam mit zwei Gläsern Champagner zurück: „Lassen Sie uns anstoßen, Beate. Das haben wir uns wirklich verdient. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Morgen kriegen wir Bolay.“ Obwohl die Büros rauchfreie Zone waren, zündete Beate sich eine Zigarrete an und nahm einen tiefen Zug. „Er hätte auch mal Danke sagen können“, dachte sie. Aber das war offensichtlich von einem Riemann zuviel erwartet. Sie nahm einen großen Schluck Champagner: „Natürlich, Herr Riemann. Wir werden den Auftrag bekommen.“ Riemann zog seinen Mantel an, nahm seine Aktentasche und wandte sich zum Gehen. In der Tür drehte er sich nochmal um: „Ach übrigens, Beate. Ich brauche Sie morgen bei der Präsentation nicht. Silvia übernimmt den Part.“ Beate war fassunglos, zutiefst enttäuscht. Sie merkte, wie ihr Kinn zu zittern begann, riß sich aber zusammen. Eine Blöße sollte man ihr nicht anmerken. Sie goß den Rest Champagner runter und zerdrückte die Zigarette im Blumentopf. Pflichtbewußt nahm sie die Unterlagen von beiden Schreibtischen, um sie in einer Schublade zu verschließen. Auch das gehörte zu ihren täglichen Aufgaben als rechte Hand. Auf dem Boden unter Riemanns Schreibtisch entdeckte sie einen USB-Stick. „Typisch Riemann“, dachte sie. Der Mensch konnte wirklich keine Ordnung halten. Beate zögerte einen Moment, dann nahm sie den Stick und steckte ihn in ihre Manteltasche. Auf dem Weg nachhause gönnte sie sich eine Currywurst mit Pommes Frittes. Diese Nervennahrung brauchte sie jetzt einfach. Mit Genugtuung fühlte sie nach dem Stick in ihrer Manteltasche und konnte sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen. Jemand hatte ihr auf den AB gesprochen, es war eine sehr gute Nachricht. Beate lächelte entspannt; beim Zähneputzen schaute sie auf ihr Spiegelbild: „Riemann, nicht mit mir!“ Sie würde erst einmal ausschlafen; denn bei der Präsentation wurde sie ja nicht gebraucht.

Am nächsten Tag wurde Beate im Flur von einer vollkommen aufgelösten Silvia abgefangen. Die Präsentation war eine Katastrophe, der USB-Stick mit den relevanten Daten war verschwunden, Riemann hatte improvisieren müssen und war dabei völlig aus dem Konzept geraten. Martin Bolay hatte die Präsentation verlassen und sich bei Häusler über den „inkompetenten Riemann“ beschwert. Der Auftrag war futsch, und Riemann hätte ihr die Schuld dafür gegeben. Silvia war völlig fertig und den Tränen nahe. Beate nahm sie in den Arm und tröstete sie: „Beruhige dich. Es ist mit Sicherheit nicht deine Schuld. Riemann hat das Ding vermasselt.“Als Beate in das Büro kam, sass Anreas Riemann schweigend und sichtlich angeschlagen an seinem Schreibtisch. Er vergass sogar, sie anzuschreien. Immerhin war sie eine Stunde zu spät. Beate holte zwei Tassen Kaffee wie jeden Tag. Riemann dankte mit einem Nicken, schwieg aber weiter. Er konnte seiner rechten Hand nicht in die Augen sehen. Die Niederlage war einfach zu viel für ihn. Beate zündete sich eine Zigarette an, nahm einen Schluck Kaffee und sagte: „Ach übrigens, Herr Riemann. Suchen Sie sich am besten eine neue rechte Hand. Martin Bolay hat mir eine Stelle als persönliche Assistentin angeboten, und ich habe zugesagt.“ Sie zog an ihrer Zigarette, trank noch einen Schluck Kaffee und wippte genüßlich in ihrem Bürostuhl. Der entsetzte Blick von Andreas Riemann erfüllte sie mit Genugtuung. Sie zerdrückte die Zigarette im Blumentopf und nahm den Terminkalender: „Herr Riemann, Sie haben um 14 Uhr ein Meeting mit dem Geschäftsführer einer Warenhauskette. Brauchen Sie meine Hilfe? Oder soll Silvia meinen Part übernehmen?“Merkwürdigerweise verschwand Andreas Riemann ganz schnell in eine vorgezogene Mittagspause. Beate wippte in ihrem Bürostuhl. Bald würde sie nicht mehr seine rechte Hand sein....

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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