Jürgen Malodisdach

Die Blütis ( 4 )

 

Fortsetzung von Blütis ( 3 )

 

Dies ist die Fortsetzung o.g. Geschichte. Um alles zu verstehen, wäre es gut, zuerst die Geschichte von Anfang an , also ab den 1. Teil zu lesen. Vielen Dank und viel Spaß dabei.

 

 

 

Da lag sie nun

 

 

Es war warm und hell und windig und roch nach Wasser am großen See. Die junge Frau lag noch auf ihrer Matte im Sand am Strand. Sie hörte Musik die sie nicht kannte. Fand sie aber schön, lustig, aufmunternd.

Noch hatte sie ihre Augen geschlossen. Träumte wohl so vor sich hin. Dann, irgendwann, reckte und streckte sie sich. Richtete sich langsam auf, bis sie eine halbwegs angenehme Sitzposition erreicht hatte.

Dann hob sie ihre Augenlider an. War noch sprachlos. Blickte aufs Wasser. Sah viele andere Menschen aller Altersstufen. Die spielten, tummelten sich im Wasser, saßen auf ihren Decken oder sonstigen Sitzgelegenheiten. Tranken aus Flaschen , Bechern, aßen irgend etwas. Lächelte in sich hinein und sagte zu sich selbst, bloß gut, daß dieser blöde Traum vorbei ist.

Sie drehte ihren Kopf mal nach rechts, mal nach links und war erstaunt Dinge zu sehen, die sie noch gar nicht kannte. Nanu meinte sie, habe ich lange auf meiner Decke geschlafen oder einfach nicht aufgepaßt, als ich hier in das Freibad kam. Na egal, jetzt verspürte sie einen leichten Durst und den Wunsch, sich eine Limo oder etwas Ähnliches am Buffet zu holen.

Stand auf und nahm ihr kleines Täschchen mit dem Kleingeld und dem Taschentuch und ging zum Kiosk. Zuerst nicht, dann aber fiel ihr auf, daß die anderen Badegäste sie groß und freundlich ansahen. Dachte sich aber nichts dabei. Sie wunderte sich abermals über die Bauten an denen sie vorbei kam.

Überall standen auch Automaten, an denen man sich irgend ein oft buntes Getränk selbst zapfen konnte. Wollte es bezahlen, aber niemand schien zuständig dafür zu sein, ihr Geld anzunehmen. Wen sie ansprach , lächelte nur freundlich und wunderte sich darüber, daß die junge Frau ihnen irgend welche Metallchips geben wollte.

Na gut, dann eben nicht. Sie nahm ihren Becher und ging in Richtung zu ihrem Platz. Etwas seitlich des Weges stand oder lag, je nachdem wie man es betrachtet, eine Art Denkmal oder auch künstlerische Figur.

Bunt lag dieses Mädchen im Sand mit leicht aufgestützten Armen.

Ihr Blick zum Himmel gerichtet, heiter, forschend, zufrieden. Vielleicht als glücklich anzusehen. Diese Statue lag vor einem großen Baum. Der hatte keine Blätter aber einen Kopf wie eine Blume mit vielen bunten Blütenblättern rund herum.

Auf dem Sockel stand eine Jahreszahl. Die interessierte aber kaum jemand, denn sie zeigte eine Zahl an, die vor 65 Jahren aktuell war. Naja dachte das Mädchen, was sich manche Künstler so einfallen lassen. Wollte ihren Weg fortsetzen und blieb nach ein paar Schritten stehen.

Wie angewurzelt stand diese junge Frau plötzlich wieder vor der Statue. Betrachtete sie wieder und wieder. Sah sich selbst dort liegen. Sogar ihr Bikini den sie auch jetzt anhatte, war der Gleiche, den auch diese Statue trug.

Sie sah sich und diese Baumfigur mit dem Blütenkopf immer und immer wieder an. War keiner Bewegung und keines Wortes fähig. Merkte nicht einmal, daß um sie herum immer mehr Menschen ankamen.

Hörte manche Stimmen die sagten, seht mal, die junge Frau sieht genauso aus wie die auf dem Denkmal.

Ihre Gedanken rasten im Kopf herum. Das war doch ihr Traum. Was war denn nun wieder los. Sie erinnerte sich plötzlich der Dinge, die auf dem fremden Planeten passierten. Sah im Geist die Baumwesen, die sie schon als Freunde bezeichnen könnte.

Erinnerte sich daran, daß es in der letzten Zusammenkunft darum ging, daß sie wieder zurück zur Erde konnte.

Und jetzt diese Gedankensprünge um das Weiter der Umsiedlung der dortigen Bevölkerung. Sie sollte doch auch in ihrem Bauch einen Behälter, wohl eine geschlossene Blase, mit den Embryonen ( so nannten die Blütis ihre Nachkommenschaft ) in den Flüssigkeiten auf der Reise beschützen.

Es war mit einem mal so, als würde jemand einen Schalter drehen und der Strom war weg, alle Lampen aus.

Das Gefühl hatte diese junge Frau, als sie keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Absolut leer erschien ihr Gehirn, als ein paar kleine Tränen über ihre Wangen liefen.

Sie saß etwas abseits auf einem großen glatten Stein, wollte sich beruhigen. Mußte etwas tun, um wieder anzukommen im Jetzt. Sie sah an sich herunter. Besah sich ihr Bäuchlein. Alles war wie immer.

Sie war ja noch jung und schlank. Und hübsch natürlich, ich sollte mir mal einen netten Mann anlachen. Könnte wohl wieder einmal etwas für mein Wohlgefühl tun. Dann fing sie wieder an zu lächeln.

Sah sich vorsichtig um. Es war niemand in ihrer Nähe. Ganz schnell zog sie das Höschen ihres Badeanzugs aus und sah sich das Ergebnis an. Als hätte sie so etwas erlebt, sah sie nun gar nichts mehr.

Alle ihre Haare waren weg. Die Haut war blank und glatt und sauber soweit sie sich auch bückte um alles genau zu sehen. Nicht ein einziges Härchen haben ihnen die Blütis dran gelassen. Naja sagte sie sich. Vielleicht haben sie sich einmal etwas Schönes einer Erdenfrau betrachtet. Sie konnte wieder lächeln. Benahm sich ja nicht päpstlicher als der Papst.

Sie hatte sich schon mal gedacht, daß sie einfach über diesen unteren Weg in ihren Körper eingedrungen sind um ihren Nachwuchs bei ihr zu deponieren. Erinnern konnte sie sich nicht an eine derartige Sache. Sie wird wohl ohne Bewußtsein gewesen sein, als die ganze Reise mit den Vorbereitungen liefen. Egal, es ist erledigt.

Sie nahm sich nur vor, einmal zur Kontrolle zum Arzt zu gehen. Vielleicht würde sie auch einmal eine Familie und Kinder haben wollen. Dann sollte alles in Ordnung sein. Beruhigt setzte sie sich wieder auf die Steinplatte.

Da ging es wieder los. Die ihr bekannte ,erst leichte, dann dichtere Nebelwand kam ganz schnell auf sie zu. Und ehe sie überhaupt noch etwas sagen oder tun konnte, standen ihre drei bekannten Blütis vor ihr.

Begrüßten sie freundlich. Bedankten sich sehr viel und stark für die Mitarbeit und Hilfe bei der Umsiedlungsaktion.

Das Mädchen freute sich genauso darüber, daß sie helfen konnte , den Blütis hier auf der Erde eine neue Heimat und Lebensgrundlage zu schaffen.

Das wurde mit der Weltregierung vereinbart und vertraglich zugesichert und fixiert. Sie erhalten einen neuen Lebensraum für sich . Dürfen sich aber überall frei bewegen.

Sind integriert und arbeiten mit den Menschen zusammen. Die Blütis stellen ihr hohes Wissen und Können und ihre Erfahrungen der Menschheit zur Verfügung. Alle hoffen , daß der anfängliche sehr gute Eindruck und die gegenseitige Akzeptanz erhalten bleibt.

Die Blütis können ihre Ländereien urbar machen und darin nach ihren Ansichten und Vorstellungen leben. Da sie einen hohen Bildungs-und Entwicklungsstand haben, wird ihnen das auch gelingen. Und wie geht es euch, fragte das Mädchen ?

Wie war denn die Reise und eure Ankunft hier. Was geschieht mit eurem Planeten. Wie viele von euch sind gerettet. Was habt ihr mit mir gemacht. Viele Fragen auf einmal, sagten die Blütis.

Zuerst also zu dir.

Du brauchst dir um deine Gesundheit auch für dein weiteres Leben keine Sorgen machen. Wir hatten ja auf unserem Planeten für unsere Spezies einen höchst guten bis perfekten Gesundheitsstandard. Davon profitierst du jetzt in hohem Maße.

Wenn du zu einem eurer Ärzte gehst und dich untersuchen läßt werden die feststellen, daß sie so etwas noch nicht gesehen haben. Du bist für dein ganzes Leben, wie wir auch vor allen Krankheiten absolut sicher. Solltest du einmal äußere Verletzungen bekommen, werden die praktisch über Nacht verheilt sein.

Die Reise hast du sehr gut überstanden. Wir haben ständig aufgepaßt, daß alles normal bleibt. Hast ja auch die ganze Zeit gut geschlafen.

Die Flüssigkeiten mit den winzigen Embryos haben wir in einer separaten Blase in dein Bäuchlein implantiert. Mußten nur ein paar Versorgungsleitungen legen, damit alles gut funktioniert. Narben wirst du keine finden. Wir haben den menschlichen Körper vorher so gut studiert, daß alles bestens verlaufen ist.

Du hast bestimmt gesehen, daß das Denkmal schon 65 Jahre hier steht. Du warst so lange mit uns und bei uns. Bist jetzt aber genauso jung wie bei deiner Abreise. Naja nicht ganz. Anderthalb Jahre bist du älter geworden.

Sie wußte nicht, was sie zu all dem sagen sollte. Ich freue mich für mich und auch für euch, daß ihr hier auf der Erde eine neue Lebensgrundlage gefunden habt.

Wie viele Blütis sind denn hier angekommen, fragte sie.

Wir sind jetzt Siebzigtausend und die 1024, die bald geboren werden. Zwanzigtausend sind auf dem Planeten geblieben. Sie wissen, daß sie mit dem Planeten untergehen werden. Sie wollten aber nicht mit auf die Reise zur Erde gehen.

Jeder konnte sich frei entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Ihr wart noch vierhunderttausend auf eurem Planeten, sagte das Mädchen. Aber angekommen sind nur Siebzigtausend. Wo sind denn die anderen geblieben ?

Du hast Recht mit deiner Vermutung sagte der Blüti. Die Umsiedlung haben weniger unserer Wesen überstanden. Keiner wußte vorher, wie die Reise zur Erde verlaufen würde. Wie lange sie dauern würde haben unsere Wissenschaftler auch nur annähernd berechnet. Die Risiken zwischen Abfahrt und Ankunft waren sehr schwer zu bestimmen. Fest stand für uns, wenn wir nichts tun und auf unserem alten Planeten bleiben, werden alle absolut vernichtet.

Der Atombrand zerstört alles . Außerdem wird unsere rote Sonne sich aufblähen und den Planeten einsaugen, also so oder so, wird alles Leben untergehen. Da ist die Reise zur Erde mit all ihren Problemen das kleinere Übel.

Und wir sind froh und stolz auf die Tatsache, daß wir uns hier wieder neu organisieren und leben werden.

Was mich noch interessiert, ich habe noch niemals irgend eine Rakete oder ein anderes Raumfahrzeug gesehen. Habt ihr die so gut versteckt oder wie sehen diese Dinger aus.

Du hast nur Vorstellungen von Transportmitteln die für die Überbrückung von Raum und Zeit nach den technischen Möglichkeiten der Wissenschaft der Erdenmenschen geschaffen wurden und noch werden sagte der Oberblüti.

Das hat mit unseren Möglichkeiten durchs All zu fliegen, nichts zu tun. Unsere Kenntnisse und Möglichkeiten zur Bewegung, egal welcher Kategorie, sind bedeutend höher entwickelt, als eure.

Grundstoff und Grundsatz ist bei uns die Energie. Damit werden wir geboren, damit arbeiten und leben wir, damit sterben wir.

Unsere Körper sind reine Energie. Alle Organe bestehen nur aus Energie, die für die betreffende Aufgabe in eine bestimmte Form gebracht wird. Wir können schweben oder auch fliegen, weil wir mit unserem Energiepotential anderen Energieformen, wie zum Beispiel einer anderen Anziehungskraft, entgegen wirken können.

Damit können wir andere Kräfte neutralisieren und somit ausschalten oder auch unschädlich machen.

Der Blüti öffnete seinen äußeren Mantel. Du hast ja schon einmal unseren Gürtel oder auch Reifen oder Ring gesehen , der als erstes zu sehen ist. Er besteht nur aus komprimierter Energie. Kann jede beliebige Form annehmen.

Wir können ihn ausrollen soweit wir wollen. Bedecken damit die Körperfläche und beschützen sie sicher. Jetzt können wir damit schweben und auch fliegen. Dazu müssen wir uns nur in eine bestimmte Position bringen. Das lernt jeder schon von Klein auf.

Das ist nur der Anfang. Wenn wir den Energiegürtel vollkommen ausrollen und mit einem oder mehreren unserer Art aneinander reihen, werden wir stärker, schneller und noch widerstandsfähiger.

Das ist auch das Prinzip unserer Fortbewegung im Weltraum. Wir schaffen eine hohe Geschwindigkeit je mehr von uns sich vereinen. Ihre Körper sind ganz aneinander gedrückt. Bilden eine Kugel, die immer größer und auch schneller wird .

Zwei solcher Kugeln starteten in genau berechneten Abständen . Sie glänzen von Außen wie ein silberner Ball. Sind aber Spiegel aus denen der Energiestrom die Geschwindigkeit der Kugel erzeugt.

Sie bestanden aus Fünfzigtausend von uns und dienten als Reserve für die Hauptkugel also die dritte Kugel, die größte und wichtigste Transformationsstufe. Das war die Zentrale, in der auch du eingeschlossen warst. Wir haben dich gut bewacht und beschützt.

Da die Energiepotentiale der einzelnen Blütis natürlich durch den Flug abnehmen, war es deren Aufgabe, sich in der Hauptkugel einzureihen und die Ausfälle zu ersetzen.

Somit mußte gewährleistet werden, daß diese ihr Ziel erreicht. Leider ist es so, daß die Blütis, deren Energie verbraucht ist, nicht mehr lebensfähig sind. Denn im lichtlosen Raum haben sie kaum die Möglichkeit eines Aufladens ihres Energiespeichers. Das weiß jeder und opfert sich für die große Umsiedlung zur Erde.

Die große Hauptkugel mit dir als Erdenmädchen und Hoffnungsträger unseres Weiterbestehens auf eurem Planeten bestand aus über zweihunderttausend Blütis. Wir haben auf unserem neuen Lebensraum eine große Gedenkkugel errichtet, auf dem der Flug dargestellt ist. Natürlich mit größter Dankbarkeit und Hochachtung für die aufopferungsvolle Teilnahme unserer ehemaligen Planetenbewohner.

Das Mädchen war sprachlos und war den Ausführungen mit Hochachtung auf die Leistung und Opferbereitschaft gefolgt.

Dann folgte eine längere Pause zum Verarbeiten dieser Informationen. Der Blüti wandte sich noch einmal an das Erdenmädchen.

Heute Nacht ist damit zu rechnen, daß hier auf der Erde zu sehen sein könnte, wie unser alter Planet zerstört wird, wie er explodiert, wie er aufhören wird, zu existieren.

Das geschah zwar schon ein paar Jahre früher. Durch die große Entfernung zwischen den beiden Himmelskörpern kommt das Licht der Zerstörung erst jetzt hier an.

So war es dann auch . Inmitten des nächtlichen Himmels konnten alle sehen, wie erst ein fernes Leuchten entstand. Gar nicht einmal groß war der helle Punkt. Er blähte sich etwas auf, wurde dann wieder kleiner und dann kaum noch zu sehen.

Die Spezialisten mit modernen und starken Beobachtungsmöglichkeiten werden bestimmt gute Bilder oder Filme erzeugen können.

Wichtig war aber jetzt, daß es gelungen war, die hoch entwickelten Lebewesen von dort hier auf die Erde zu bringen und einen Neuanfang ihrer Lebensform zu garantieren.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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