Claudia Savelsberg

Der Befreiungsschlag

Von Anfang an fühlten sich Heiko und Andrea zueinander hingezogen wie zwei Magnete, und schon nach sechs Wochen machte er ihr einen Heiratsantrag. Andrea schwebte im siebten Himmel und konnte ihr Glück kaum fassen. Heiko drückte sie ganz fest an sich: „Zur Hochzeit schenke ich dir das Samurai-Schwert, das mein Großvater mal aus Japan mitgebracht hat. Einen Diamantring schenkt doch jeder seiner Frau.“ Andrea lachte, sie liebte seine verrückten Ideen: „Wenn ich dich nehme, dann krieg ich das Schwert doch gleich dazu, oder? In unserer Wohnung suchen wir einen schönen Platz, wo wir es aufhängen.“ Es schien eine Art von Magie zwischen beiden zu sein. Nach außen galten Heiko und Andrea als das perfekte Paar. „Ihr seid das Dream Team“, sagten Freunde und Bekannte anerkennend und neidvoll zugleich. Es konnte niemand ahnen, dass sich hinter der schönen Fassade schleichend dunkle Abgründe auftun würden. Rein optisch passten Heiko und Andrea gut zusammen. Er war groß, hatte eine athletische Figur, lockige dunkle Haare und strahlend blaue Augen. Sie war schlank und hochgewachsen, hatte eine zarte feine Haut, rötlich schimmernde Haare und intensive grüne Augen, in denen feine Goldpartikel zu schimmern schienen.

In Bezug auf Charakter und persönliche Vorlieben waren sie sehr verschieden. Andrea war die introvertierte Intellektuelle, liebte Kunst und Kultur. Sie war eine liebevolle Freundin und eine gute Zuhörerin. „Manchmal hast du die ästhetische Anmut einer Elfe“, sagte ein Freund einmal zu ihr.

Heiko war ein Pragmatiker und extrovertiert. Er interessierte sich fast ausschließlich für Sport und liebte große Auftritte, bei denen er sich in Szene setzen konnte. „Du bist das Paradebeispiel für einen Macho“, konstatierte eine Exfreundin

Andrea stammte aus einer Familie des Mittelstandes. Ihr Vater, ein kaufmännischer Angestellter, war schon vor vielen Jahren gestorben, zu ihrer Mutter hatte sie kaum noch Kontakt. Sie hatte einen jüngeren Bruder, den sie sehr liebte. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik und arbeitete als Kulturredakteurin. Sie liebte ihren Beruf, und sie verdiente gut. Heikos Eltern waren wohl situiert, sein Vater war ein hoch geschätzter und sehr erfolgreicher Unternehmer. Heiko war ein Einzelkind und wurde von seinen Eltern über die Maßen verwöhnt, er bekam alles, was er wollte und er konnte tun und lassen, was er wollte. Nach dem Abitur begann Heiko ein Jura-Studium, das er nach nur wenigen Semestern abbrach. Auch das Sport-Studium warf er hin. Sein Vater finanzierte ihm ein Bistro, mit dem Heiko nach zwei Jahren Pleite ging. Dann arbeitete er als Versicherungsvertreter und verdiente nicht viel. Er wußte, dass seine Eltern ihn immer finanziell unterstützen würden.

Als Andrea und Heiko nach der Hochzeit ihre gemeinsame Wohnung einrichteten, war es für sie selbstverständlich, dass sie die Kücheneinrichtung und einige Möbel finanzierte, weil ihr Mann das Geld nicht hatte. Heiko sah es auch als selbstverständlich an und forderte immer neue Investitionen von seiner Ehefrau. Diesen fordernden Ton, wenn auch charmant kaschiert, mochte Andrea nicht. Heiko lächelte, nahm sie in den Arm: „Das ist eine Investition in die Zukunft, mein Schatz.“ Sie beruhigte sich, aber ein kleiner Stachel blieb zurück. Und dann passierte etwas, das ihr Leben grundlegend verändern sollte: vom „Dream Team“ zum jahrelangen Albtraum. Ein renommiertes Versicherungsunternehmen bot Heiko eine leitende Position im Angestelltenverhältnis an. Andrea wunderte sich darüber, weil er so wenig Berufserfahrung in der Branche hatte und bisher nur im Außendienst gearbeitet hatte. Heiko baute sich vor ihr auf: „Du darfst nicht vergessen, dass ich ein Langenfeld bin. Meine Familie und ich, wir können alles und wir schaffen alles.“ Andrea fühlte sich peinlich berührt von diesem überheblichen Ton, der ihrem eigenen Charakter nicht entsprach. Die Stelle machte den Umzug in eine andere Stadt erforderlich. Widerwillig gab Andrea ihren Job auf. Heiko, der sich selbst schon zur „Führungskraft“ stilisierte, malte die gemeinsame Zukunft in leuchtenden Farben aus. Er würde jede Menge Geld verdienen, dann könnten sie große Reisen machen, ein Haus bauen, ein Feriendomizil an der Ostsee kaufen, Andrea könnte freiberuflich arbeiten und sich endlich einen Hund ins Haus holen. Andrea lächelte und schwieg, während sich Heiko immer weiter an seinen eigenen Zukunftsvisionen berauschte. Sie hing auch manchmal ihren Tagträumen nach, blieb aber in der Lebenswirklichkeit mit beiden Beinen auf dem Boden. Heiko redete immer weiter, und Andrea hatte plötzlich das Gefühl, dass sie für ihn nicht mehr anwesend war. Sie fröstelte, während er nur noch von seiner Karriere sprach.

Es war nicht einfach. Andrea kümmerte sich um den Haushalt, erledigte die Korrespondenz mit Ämtern und Behörden, sammelte Belege für das Finanzamt und vieles anderes. Sie tat es, um Heiko den Rücken freizuhalten. Es war selbstverständlich für sie. Eigentlich wollte sie sich als freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Tageszeitungen bewerben, schob es aber immer wieder auf, weil sie für ihren Mann da sein wollte. Wenn Heiko abends nach Hause kam, war er ausgelaugt und meist genervt. Beim gemeinsamen Abendessen erzählte er von seinem Tag. Andrea hörte zu, sagte aber wenig. Sie wusste, dass er in seiner grenzenlosen Überheblichkeit und Selbstüberschätzung keinen Rat annahm. Von niemandem. Er war ja, wie er nicht müde wurde zu betonen, ein „Langenfeld“.

Die Wochenenden verliefen nach dem gleichen öden Schema. Heiko schlief viel oder saß stundenlang vor dem Fernseher. Das einzige, was ihn noch interessierte, war sein Sport. Er spielte seit seiner Jugend Fußball, und manchmal war er den ganzen Sonntag auf dem Platz, während Andrea zuhause hockte. Wenn sie ihn frage, ob sie nicht mal wieder zusammen etwas unternehmen wollten, zum Flohmarkt gehen oder ein Frühlingsfest besuchen, fertigte er sie ab: „Fräulein, du hast keine Ahnung, was ich in der Woche am Hals habe. Ich habe keine Lust, am Wochenende den Pausen-Clown für dich zu spielen. Du hast doch genug Zeit, mach doch selbst was.“ Obwohl Andrea sich freundlich bemühte, war er zu keinem Kompromiss bereit. Er tat eben immer, was er wollte. So war er erzogen. Irgendwann aß er auch nur noch vor dem Fernseher. Andreas Bereitschaft, sich tolerant und verständnisvoll zu zeigen, begann zu bröckeln und in ihr keimte ein Gefühl auf, das sie noch nicht recht zu definieren wusste. Schließlich fasste sie den Entschluss, sich einen Traum zu verwirklichen und holte aus einem Tierheim einen Hund zu sich. Ein hübscher Rüde, der offensichtlich mehr als eine Rasse in sich vereinte. Was Andrea faszinierte, waren seine großen dunklen warmen Augen. Sie war glücklich mit dem Hund, den sie Benny taufte. Sie hatte ein Wesen, das sie lieben und umsorgen konnte. Der Hund hatte offensichtlich einen sehr gesunden Instinkt; denn er fixierte sich auf Andrea. Er gehorchte Heiko zwar und ging mit ihm spazieren, suchte aber seine Nähe nicht. Benny war Andreas Hund.

Als die Firma Heiko zu einem Wochenendseminar schickte, begleitete Andrea ihn. Sie freute sich auf Abwechslung und Gesellschaft. Das gemeinsame Wochenende schien ihr wie ein kleiner Urlaub vom Alltag und sie genoss die Annehmlichkeiten des 4-Sterne-Hotels: ein üppiges Frühstücksbuffet, Schwimmbad, Sauna und Fitnessraum. Während Heiko im Seminar saß, ging sie mit Benny spazieren oder setzte sich in den Park und las. Das Abendessen, für das sie sich elegant kleidete, nahm sie mit Heiko und anderen Seminarteilnehmern ein. Da sie sich im Versicherungswesen nicht auskannte, hielt sie sich bei den Gesprächen zurück. Heiko spielte sich in den Vordergrund. Wortreich erzählte er von seinem erfolgreichen Vater, seinen eigenen Karriereplänen und – dabei griff er theatralisch nach Andreas Hand -, dass er sogar in seiner knapp bemessenen Freizeit mit seiner Frau ins Ballett ginge. Natürlich beneideten die anwesenden Damen Andrea um ihren Mann, und Heiko erntete anerkennende Blicke. Andrea musste sich beherrschen, damit ihr damenhaftes Lächeln nicht zu einem schiefen Grinsen geriet. Auf dem Hotelzimmer fauchte Heiko Andrea an: „Wieso hast du kaum was gesagt? Es war mir peinlich. Aber außer Literatur und Ballett kennst du ja nix. Ich bin ein Kosmopolit, ich finde immer ein Thema!“ Andrea war zutiefst getroffen: diese Worte hätten auch von ihrer Mutter kommen können.

Heiko hatte Erfolg in seiner Position, und mit dem Erfolg kam die schleichende Veränderung seiner Person. Er lebte nur noch für die Firma, sein Blick wurde hart und eisig, und sein Charme gefror immer mehr zur narzisstischen Selbstdarstellung einer Führungskraft, die er nicht wirklich war. Er wusste das tief in seinem Inneren auch und ließ seine Komplexe an Andrea aus.Sie konnte ihm nichts mehr recht machen: sie konnte nicht kochen, sie kleidete sich nicht nach seinem Geschmack, sie konnte den Haushalt nicht führen. Er ließ sie kaum noch zu Wort kommen: „Was hast du denn schon großartig zu sagen. Du bist doch nur eine dumme Hausfrau. Ich bin eine Führungskraft.“ In solchen Situationen nahm Andrea wortlos die Hundeleine und verließ mit Benny das Haus. Sie liebte die Natur, und lange Waldspaziergänge mit ihrem Hund beruhigten sie. Für kurze Zeit fühlte sie sich frei und geerdet. Heiko mochte es nicht, wenn sie sich seinem Einfluss auf diese Weise entzog und sobald sie das Haus wieder betrat, setzte er die Reihe seiner Gehässigkeiten fort: „Du kannst froh sein, dass ich dich in die Familie Langenfeld aufgenommen habe. Wir sind Elite, du bist Arbeiterklasse. Ich habe dich durch die Heirat geadelt.“ Dabei sah er sie abschätzig von oben bis unten an. Andrea ging dann in ihr Arbeitszimmer; denn er sollte nicht merken, dass sie den Tränen nahe war. Sie begann, ihn nicht mehr zu lieben. Wenn er vor dem Fernseher hockte, ging sie vor ihm zu Bett und stellte sich schlafend; denn sie ertrug auch seine Zärtlichkeiten nicht mehr. Schließlich zog sie ins Gästezimmer, das sie nach ihren eigenen Vorstellungen mit Bildern und Büchern dekorierte. Somit hatte sie ein kleines Refugium für sich und ihren Hund. Für zwei Wochen fuhr sie zu ihrer besten Freundin Sabine. Sie machten sich eine schöne Zeit, hatten Spaß und lachten viel. Wenn Andrea von ihrer Ehe erzählte, schaute Sabine sie nur traurig an: „Andrea, du hast in deinem Leben so viel erreicht. Du bist hübsch, du bist intelligent. Das musst du dir von dem Kerl nicht gefallen lassen. Lass dir von dem den Schneid nicht abkaufen.“ Sabine war klug genug, das Wort „Scheidung“ nicht auszusprechen, aber Andrea wusste, dass ihre Freundin genau das meinte. Sie fuhr ungern wieder nach Hause, in der Zeit mit Sabine hatte sie sich befreit gefühlt und wieder lebenslustig. Als sie vor der Haustür stand, begann ihr Herz zu rasen. Sie hatte das Gefühl, dass eine dunkle Glocke über ihren Kopf gestülpt wurde und sie am Atmen hinderte. Da wurde ihr zum ersten Mal deutlich bewusst, dass sie Angst vor ihrem Mann hatte. Vor seinen Ausbrüchen, vor seinen Demütigungen und Beleidigungen. Heiko schaute nur kurz vom Fernseher auf, als Andrea in den Flur kam und fragte, wie die Zeit mit Sabine gewesen wäre. Es klang nicht sonderlich interessiert. Heiko hatte in Andreas Abwesenheit ein neues Auto gekauft und einen Fernseher für sein Schlafzimmer. Andrea fragte ihn ganz ruhig, warum er das nicht mit ihr abgesprochen hätte und fügte spitz hinzu: „Unter Eheleuten spricht man sich doch gegenseitig ab, oder?“ Kaum hatte sie das gesagt, da wunderte sie sich über ihren Mut. Heiko bekam einen Wutanfall und keifte: „Ich verdiene das Geld, ich bezahle die Miete, ich habe die Schutzgebühr für deinen Hund bezahlt. Du kannst froh sein, dass ich dich durchfüttere. Du bist ein Klotz am Bein, du dumme Kuh.“ Andrea flüchtete wieder in ihr Zimmer und murmelte mit zusammengebissenen Zähnen: „Ich hasse dich, du ekelhafter Heiko Langenfeld.“

Sie war intelligent genug, um zu wissen, dass es besser für sie wäre, sich von ihm zu trennen. Aber sie fürchtete das Alleinsein, sie hatte einfach Angst vor der Einsamkeit, unter der sie ihr Leben lang gelitten hatte. Nachts stand sie auf und ging ins Bad, um einen Schluck Wasser zu trinken. Ihr Blick fiel in den Spiegel über dem Waschbecken. Andrea sah sich, aber sie fand sich nicht. Das war sie nicht mehr. Sie war immer noch eine hübsche Frau, aber ihre grünen Augen, in denen Goldpartikel schimmerten, hatten ihren Glanz verloren. Andrea beugte sich näher an ihr Spiegelbild und eine innere Stimme sagte: “Ich will wieder Andrea sein - ich will wieder die alte Andrea sein.“ Es war ein Uhr früh und Andrea wusste, dass sie keinen Schlaf finden würde. Sie rief Benny und sie machten einen schönen langen Spaziergang. Es war traumhaft - eine klare Nacht mit Sternenhimmel, der Hund ohne Halsband und Leine, ein Gefühl der Freiheit. Als sie wieder nach Hause kam, fiel ihr Blick durch die offene Wohnzimmertür auf das Samurai-Schwert, das über dem Sofa hing. Die Klinge glänzte im Mondlicht, das durch die Fenster schien. Es war wie Magie.

Am nächsten Morgen lag der Inhalt ihrer Handtasche im Wohnzimmer auf dem Teppich verstreut, in ihrem Portemonnaie fehlte die ec-Karte. Heiko kam übelgelaunt und offensichtlich verkatert die Treppe runter gepoltert und sagte, dass er ihr ab sofort das Haushaltsgeld zuteilen würde und die Karte für das gemeinsame Konto sperren ließe. Andrea schwieg, um ihn nicht zu provozieren und ging ihm aus dem Weg. Die innere Stimme sagte wieder, diesmal lauter: „Ich will wieder Andrea sein - die alte Andrea“. Nachmittags setzte sie sich mit einem Buch und einer Tasse Kaffee auf die Terrasse, aber das Buch blieb unberührt. Andrea ordnete die widerstreben Gefühle in ihrem Kopf und dachte an sich und ihre Zukunft. Sie dachte wahrhaftig wieder selbstständig nach all den Jahren. Ein gutes Gefühl. Andrea lächelte, und ihr Lächeln wurde ganz weich, als sie Benny beobachtete, der sich im Schatten einer Hortensie wohlig räkelte und sie dabei mit seinen warmen dunklen Augen fixierte. Es wurde kühl, und sie ging wieder in die Wohnung. Heiko saß wie immer vor dem Fernseher und beachtete sie nicht. Auf dem Couchtisch lag ihre ec-Karte, die sie schweigend an sich nahm, den Blickkontakt mit Heiko meidend. Der murmelte eine Entschuldigung dafür, dass er ihr die Karte weggenommen hatte, aber Andrea schwieg. Sie rief Benny zu sich und wollte den Raum verlassen, als Heiko wutentbrannt aufsprang und einen Schritt auf sie zukam: die Augen eisig, die Brauen zusammengezogen, einen Arm wie zum Schlag erhoben. Er schrie sie an, seine sonst so sonore Stimme überschlug sich fast: „Du widerliche Fotze, ich habe die Nase voll von dir. Ich lasse mich scheiden, und du bekommst von meinem Geld keinen Pfennig. Mach dich zurecht, dann findest du schon jemand, der für eine Nummer 100 Euro bezahlt.“ Andrea hatte keine Angst, sie empfand einfach nur noch Ekel. „Jetzt ist er wirklich verrückt geworden“, dachte sie. Heiko machte noch einen Schritt auf sie zu, und plötzlich war der Hund an Andreas Seite. Er starrte Heiko mit weit aufgerissenen Augen an, zog die Lefzen hoch und knurrte böse und drohend. Heiko wich zurück, Andrea und Benny verließen den Raum. In der Tür drehte sie sich kurz um und sah ihren Mann an. Sie empfand kein Mitleid, keinen Hass, nur noch Ekel.

Andrea stand auf einer Waldlichtung. Es war ein schöner Tag im Oktober, die Sonnenstrahlen ließen das Herbstlaub in warmen Farben leuchten. Andrea legte den Kopf in den Nacken, schaute in den Himmel und schloss die Augen. Sie genoss die angenehme Wärme auf ihrem Gesicht. Der Hund lag neben ihr und schaute sie aus dunklen warmen Augen an, das wusste sie. Sie fühlte eine große Ruhe in sich aufsteigen, eine fast schon gefährlich große Ruhe. Plötzlich hörte sie Schritte im Laub. Als sie die Augen öffnete, sah sie Heiko aus dem Schatten der Bäume auf sich zukommen. Das Gesicht zu einer Fratze verzerrt, die Arme besitzergreifend ausgestreckt. Der Hund stand reglos neben ihr, seine Körperspannung signalisierte die Bereitschaft zum Angriff. Andrea ging zwei Schritte auf Heiko zu, zog das Samurai-Schwer, das sie bei sich trug, aus der Scheide und hielt es aufrecht, so dass die Klinge im Licht der Herbstsonne funkelte. Es war Magie. Mit einem hämischen Lächeln, als ob er sagen wollte „Das wagst du nicht, du blöde Kuh“, kam Heiko langsam Schritt für Schritt auf sie zu. Andrea federte einen letzten Schritt nach vorn und schlug ihm mit der Kraft und der Grazie einer Amazone den Kopf ab. Wie in Zeitlupe sah sie seinen Rumpf, aus dem Blutfontänen spritzten, zu Boden sinken.

Der abgeschlagene Kopf rollte auf ein Moos-Bett, und Andrea bemerkte mit grenzenloser Befriedigung, dass das hämische Lächeln einem Ausdruck ungläubiger Überraschung gewichen war. Sie steckte ihr Schwert wieder ein, rief ihren Hund zu sich und verließ mit ihm die Waldlichtung. Am nächsten Morgen ging Andrea ins Wohnzimmer, wo Heiko wie üblich vor dem Fernseher saß. Über dem Sofa hing das Samurai-Schwert, dessen Klinge in der Morgensonne, die durch das Fenster fiel, leuchtete. Ganz ruhig sagte sie zu ihm: „Ich verlasse dich. Ich will die Scheidung.“

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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