Sabine Brauer

Ein verrückter Tag

Schon beim Aufstehen hätte ich es wissen müssen, denn die Glieder schmerzten und der jugendliche Elan war schon vor hunderten von Jahren verbraucht. Doch
eigensinnig, wie ich nun mal bin, gönnte ich mir eine kalte Dusche wobei mir
Seife in die Augen kam. So hatte ich wenigstens ein Alibi für die Tränen, die mir jetzt warm über die schrumpeligen Wangen liefen.

Mit zittrigen Knien machte ich meine Morgentoilette und schmiss mir etliche Pillen in den Rachen, die zwar meine Beschwerden nicht linderten, doch Arzt und Apotheker bereicherten. Beim Frühstück bemerkte ich, dass es gar nicht stattfand, weil die Lebensmittel, die nun mal zur Erhaltung der Lebensfunktion wichtig sind noch in den Regalen im Supermarkt schlummerten.

Schwerfällig machte ich mich auf die Fahrt ins Dorf um alles Nötige zu besorgen. Mit vollem Einkaufswagen an der Kasse fiel mir siedendheiß ein: „Dein Portemonnaie liegt auf dem Küchenschrank.“ Beim Griff in die Jackentasche hatte ich aber zu meinem Glück die Geldkarte zwischen den Fingern, nur ---- die Geheimzahl war mir entschwunden. Mit hochrotem Kopf tippte ich Zahlen ein und o Wunder, beim dritten Versuch klappte es endlich. Glückseligkeit für einen Moment. Die nächste Schlappe ließ nicht auf sich warten. „ Pardon, ich habe hier den Bon für´s Flaschenfand, könnten sie mir das Geld bitte auszahlen?“ Verständnislos sah die Kassiererin mir in die Augen: „Das ist ihr Kassenbon!“ Ich wuselte in meiner Börse herum und fand dann endlich den richtigen Zettel. Vernichtende Blicke Wartender einer immer länger werdenden Schlange trafen mich wie giftige Pfeile. Nur raus hier und Richtung Heimat.

Zu Hause angekommen leerte ich meine Taschen aus und bemerkte , dass meine Schuhe irgendwie klebrig waren. Igitt, die Wauwies hatten das Esszimmer mit dem Klo verwechselt. Obwohl die Außentür aufstand, hatten sie hier seelenruhig ihre Geschäfte verrichtet. Bei dem Regenwetter geht ja bekanntlich kein Hund vor die Tür. Wutschnaubend packte ich einen der Übeltäter und verfrachtet ihn laut schimpfend an die frische Luft, aus der er aber gleich wieder entwich und an mir vorbei zurück ins Haus stürmte um mich bitterböse anzuknurren. Als der Schlamassel bereinigt war, machte ich mich daran und bereitete das Essen vor. Es brauchte später nur in den Backofen geschoben zu werden und eine halbe Stunde später gäbe es dann einen lecker gefüllten Hokaidokürbis. Zu gegebener Zeit machte ich mir an dem Backofen zu schaffen. „Jetzt ein paar Minuten die Seele baumeln lassen und runterkommen!“, so meine Gedanken. „ Dann den Tisch gedeckt, den Liebsten gerufen, um ihn mit seiner Lieblingsspeise zu überraschen“. Doch was war das? Der Backofen surrte, doch statt Heißluft kam Kaltluft weil ich vergessen hatte, den Temperaturregler auch einzustellen. Jetzt wäre eine HB angebracht, weil ich im Begriff stand sofort in die Luft zu gehen, leider habe ich das Rauchen schon vor etlichen Jahren aufgegeben. Total durchgeschwitzt und schwer atmend wankte ich erneut unter die Dusche. Die Zeit dazu hatte ich ja jetzt und so langsam löste sich auch der Frust dieses außergewöhnlichen Tages und beim Abendessen konnte ich sogar schon ein ganz klein wenig darüber schmunzeln.


© Sabine Brauer 17.08.2019

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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