Aylin

Drachenfels

Drachenfels

 

Das sind die Tage, die wie süßer Eiscafe am Gaumen verschmelzen und deren Geschmack sich in die Seele webt.

Eselspfade krümmen sich den Berg hinauf, schmal, von Unkraut überwuchert, durchzogen von Jahrhunderte alten Wurzeln der dicht belaubten Eiben, Eschen und Eichen. Ein Schild warnt vor Steinschlag. Irgendwo dort versteckt schlummert der Drachen der Angst, diesen Berg nicht mehr hinaufzukommen. Atem beraubend.

Ich lehne mich an eine uralte Mauer des Bergfrieds. Sie duftet nach Geschichte, nach Legende. Die Schießscharte gibt ein winziges Loch frei, den Ausblick auf ein begrenztes Ziel, den Feind. Diese idyllische Umgebung lässt beinah vergessen, dass jeder Mensch seinen eigenen Drachen hat.

Deine kleine, kräftige Hand hält mich, schiebt mich den Steilhang hinauf, schubst mich aufs Plateau. So wie ich es bei dir unendliche Male getan habe, als du noch Kind warst. Enkelchen klatscht in die Hände, weil Oma es trotz ihrer ledierten Hüften geschafft hat und schwenkt ritterlich sein Holzschwert.

Atemberaubend ist der Blick über das Tal. Vater Rhein schlängelt sich wie eine silberne Schnur durch die Auen, Frachtschiffe gleiten wie Legospielzeuge über das Wasser. Häuschen ducken sich vor tiefen Wäldern. Wir stehen und schauen. Schweigend , Arm in Arm. Selbst der Kleine ist einen Moment lang still.

Das sind die Tage, die wie süße Eisschokolade über die Lippen gleiten. Die man lebenslang noch schmeckt, wenn man nur genussvoll die Augen schließt.

Zeitlos wie der Drachen der Nibelungensage, der nur die frisst, die keine Liebe haben.

 

Anm. Mit Dank an meine Tochter, die uns diesen zauberhaften Tag als Überraschung geschenkt hat. 17.08.19

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Aylin).
Der Beitrag wurde von Aylin auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Nitro Xtine von Charly Wasyl



Ein geborener Nobody hat, sofern er überhaupt jemals etwas besitzt, höchstens ein Drittel von dem, was die Norm ihr Eigen nennt. Denn er hat nun mal keine Lobby und somit auch keinerlei Protektion. Steht dabei immer in vorderster Linie des täglichen Überlebenskampfes, sich dabei selbst im Wege und muss gegen tausende Dinge ankämpfen, von deren Existenz die Masse erst einmal gar nichts weiß. Für Charly stehen die Sterne bereits schlecht, als er 1950 in Düsseldorf als Sohn staatenloser Eltern geboren, die ersten Lebensjahre in einem alten Backsteingebäude heran wächst, das hinter vorgehaltener Hand der blutige Knochen genannt wird. Als staaten- und heimatlos gestrauchelter Seemann, Chaot, Loddel und Taxifahrer, begegnet er im Alter von 53 Jahren seiner Muse, in die er sich unsterblich verliebt, sie jedoch kurze Zeit später wieder verliert. Philosophierend taumelt er weiter durch den Keller des Lebens. Seine teilweise selbst erlebte Geschichte erzählt der Autor in der Gossensprache, die er gelernt hat und reflektiert damit das Leben im gesellschaftlichen Randzonenbereich. ..für viele unserer so unglaublich normalen, überschlauen Zeitgenossen, auf eine manchmal etwas vulgär formulierte Art zu schmutzig. Aber die Wahrheit ist nun einmal schmutzig.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Zwischenmenschliches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Aylin

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Merkel zittert (Kommentar) von Aylin . (Gesellschaftskritisches)
Es menschelt in Manhattan von Rainer Tiemann (Zwischenmenschliches)
Alkoholverbot von Christiane Mielck-Retzdorff (Gesellschaftskritisches)