Peter Kröger

Vorbei

 

 

Die Sonne, ihr entging nichts, sie war der Tag, selbst durch die Wolken sandte sie Licht zur Erde.

Der Mond hingegen war scheußlich, ein blasser Aufschneider ohne Saft und Kraft, ein Nichtsnutz, ein Abstauber, mir konnte er gestohlen bleiben.

Doch Sophia liebte den Mond, saß, wenn er als Sichel, gar als Vollmond am Nachthimmel zu sehen war, am Fenster und verbat sich jedes tadelnde Gemurmel meinerseits, sie möge doch Vernunft annehmen und schlafen und sei es nur, damit die liebe Seele Ruhe fände und Kümmernisse verflögen. Deine Sonne soll strahlen in jeden Winkel, pflegte sie dann zu sagen, lass mir den Mond, den fahlen, die Schwärze, die ihn umgibt.

 

Heute denke ich, Sophia und ich waren uns nah, trotz aller Unterschiede in Himmelsfragen. Als sie mich verließ wegen eines schrägen Vogels aus Lindau (die Bodenseeregion ist bekannt für schräge Vögel), standen wir ein letztes Mal am Fenster, gemeinsam. Die Sonne schien. Ich weiß noch, der schräge Vogel wartete vor der Tür in einem hell glänzenden Sportwagen mit offenem Verdeck. Die verspiegelten Brillengläser passten zu seiner Knollennase. Sophia gab mir die Hand zum Abschied. Wir winkten uns zu. So war es.

 

Stundenlang sah ich hinaus auf die Straße. Der Mond ging auf. Umkehren. Aber wohin? Sophia anrufen. Aber mir fehlte ein Grund. Es war vorbei. Ich drehte mich in die Dunkelheit und machte einen Schritt.

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