Frank Heidelbacher

Ein Geburtstagsgruß und Erfahrungen für meinen Sohn

Ein Geburtstagsgruß und Erfahrungen für meinen Sohn

 

Mein lieber Sohn, auch wenn wir uns am heutigen Tage 3 Jahre und 11 Tage nicht gesehen haben wünsche ich Dir alles erdenklich Gute zu Deinem heutigen Geburtstag.

 

Was mit meinen Karten und Einladungen geschieht, das hast Du vor 2 Jahren ja selbst mitbekommen.

 

Als ich Mama daraufhin ansprach und sehr deutlich äußerte, was ich davon halte, verweigerte sie jeglichen weiteren Kontakt zu Dir. Ihre Antwort: „Der Junge will nichts mehr mit Dir zu tun haben und Dich nicht mehr sehen!“.

 

Es gibt einiges was ich gern mit Dir geteilt und erlebt hätte. Ich will Dich Deiner Mama nicht entreißen. Dafür bekommst Du Deinen Vater entrissen. Der Preis dafür wird aus einer Börse bezahlt, welche sich nicht wieder auffüllen lässt. Aber dieser Preis ist auch die Währung, die nicht verhindert, dass Du größer wirst und Deinen eigenen Weg gehen wirst.

 

Dann wird sich entscheiden wer die letzte Rechnung dieser Währung zahlt.

 

Vielleicht stellst Du Mama irgendwann folgende Fragen: „Warum funktioniert Papas zweite Familie?“. „Warum durfte ich nicht in den Ferien zu Papa?“. „Warum verließ Dich Papa?“

 

Vermutlich bekommst Du das Bild eines gewalttätigen Vaters gezeichnet, der die Familie im Stich ließ. Wenn das so ist, dann ist das armselig und mir relativ egal.

 

Als Du klein warst, wurdest Du von mir genauso liebevoll gewickelt und gefüttert, wie meine anderen Kinder. Mit etwas über zwei Jahren hattest Du Deine Freude gehabt, mit mir an meinem alten Motorrad zu schrauben. Ich könnte noch mehr anführen, die schönen Erinnerungen sind auf Bildern festgehalten.

 

Einen charakterlich gefestigten Menschen, welcher solide Grundwerte verinnerlicht hat, mit beiden Beinen im Leben steht, so wie realistische Ziele hat und diese verfolgt, den kann man nicht nach seinen eigenen Vorstellungen erziehen. Das ist respektlos und wenig intelligent. Genau dieser Fakt zerstörte die Beziehung zu Deiner Mama. Ständig wurde auf perfide Art und Weise versucht mich zu beeinflussen. Glaube mir mein Sohn, Deine Großeltern und Deine Mama würden dieses vehement abstreiten.

 

Und das wahre Gesicht einer Person zeigt sich meistens in Ausnahmesituationen, wie bei einer Trennung.

 

Folgende Situationen überzeugten mich im Nachhinein von der Richtigkeit meines Handelns.

 

Der damalige Freund Deiner Mama hatte einen schweren Autounfall mit einem Betriebswagen. Deine Mama war der festen Überzeugung, dass die am Unfall beteiligte 24 jährige Frau den Freund Deiner Mama umbringen wollte. Das grenzt schon an Paranoia. Ich habe nichts dazu gesagt und mir meinen Teil gedacht.

 

Genauso, das ich daran schuld sein sollte, dass die Beziehung zu diesem damaligen Freund von mir zerstört wurde. Was soll ich getan haben? Da habe ich nunmal keine Aktien drin und musste über diese Schuldzuweisung schmunzeln. Vielleicht erschien er Mama nicht mehr gut genug, weil er durch den Unfall und folgende Arbeitsunfähigkeit seine Arbeit verlor. Auch so etwas sagt viel über einen Menschen aus.

 

Noch so ein „Brenner“ geschah vor 3 Jahren und 11 Tagen, als Du mit Oma, Mama, mir und meiner neuen Familie im Spielparadies waren und ich einige Fotos für Dich mitbrachte.

 

Die Worte Deiner Oma, welche voller unterschwellig Neid und Hass waren, lauteten beim Anblick der Fotos: „Na am Geld kann es ja nicht liegen!“.

 

Das lässt tief blicken. Dafür hält Papas neue Familie. Mit dem Ziel, sich gemeinsam etwas zu schaffen und um glücklich zu sein. Das dies auch Entbehrungen bedeutet wird gern übersehen. Für uns gelten die Grundsätze: „Geteiltes Leid ist halbes leid.“ und „Glück und Liebe verdoppeln sich, wenn man sie teilt.“. Und noch besser wir akzeptieren uns, so wie wir sind. Keiner muss den anderen nach seinem Gutdünken manipulieren. Das beinhaltet auch, das man sich mal die Meinung sagt ohne den anderen mit haltlosen Vorwürfen zu überziehen. Somit bewahrt jeder seine eigene Persönlichkeit mit einem gesunden Selbstwert.

 

Kein Mensch, der ein vernünftiges Selbstwertgefühl hat, muss sich derartig manipulieren und belügen lassen, dass die eigene Gesundheit darunter leidet. Es galt die Prämisse: „love it, change it or leave it...“.

 

Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich, wie lange sich Menschen Illusionen, gestrickt aus eigenen widersprüchlichen Behauptungen, hingeben können ohne sich darüber im klaren zu sein, wie dünn dieser Lack überhaupt ist. Da fehlt es wohl gewaltig an Bewusstsein.

 

Ich bin weder Deiner Mama, noch Deinen Großeltern böse. Ich brauche auch nicht mit Vorwürfen zu agieren. Ich nehme es gelassen hin, denn vor knapp 9 Jahren habe ich eine Frau gefunden,welche mir den Rücken frei hält und obendrein noch Kinder schenkte, auf die ich genau so stolz bin, wie auf Dich.

 

Was das Glück betrifft, sollte man das kleine Glück behalten und ausbauen, bevor es einen verlässt. Die Suche nach dem großen Glück oder das Warten auf dieses ist eine Illusion.

 

Mein kleines und immer größer werdendes Glück ist die erste Frau die mir nach der Trennung von Mama über den Weg lief. Sie selbst hatte das Schicksal ertragen müssen, 34 Jahre lang von ihrer eigenen Mutter festgehalten worden zu sein. Auch verhinderte ihre Mutter feste Beziehungen der eigenen Tochter und vertrieb alle Freunde meiner jetzigen Frau.

 

Durch so etwas entstehen über Generationen hinweg Familientrauma. Ein Satz deiner Oma blieb mir im Gedächtnis, als Mama und ich zusammengezogen sind. „Hilfe ich werde entkindet.“. Mit den Geschehnissen der folgenden Jahre wurde mir der Sinn dieser Worte immer deutlicher.

 

Klammern entwickelt gewaltige zerstörerische Kräfte. Wer nicht loslassen kann wird irgendwann alles verlieren. Und der Aufenthalt in solchen Umfeldern ist ebenfalls destruktiv.

 

Alles was durch Klammern erreicht wird, ist eine beziehungsunfähige Folgegeneration, wenn diese Folgegeneration die Ursachen nicht festzustellen vermag und die Situation so hinnimmt.

 

Solchen Situationen zu entrinnen, gelingt nur, wenn man sich seiner eigenen Verantwortung über sein Leben bewusst wird.

 

Das ist meine Hoffnung und mein Appell an Dich mein Sohn. Lerne die Dinge von mehreren Standpunkten aus zu tiefgründig betrachten. Dann wirst Du in der Lage sein eigenverantwortlich zu handeln und die Dein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

 

Wahre Stärke beweist man nicht, indem man an einer Sache zieht, bis das diese zerstört wird sondern man beweist sie im Verzicht um diese Sache nicht zu zerstören. Die Sache lässt sich durch Menschen ersetzen. Schau Dir den gesellschaftlichen Trend an und Du weißt, was ich meine.

 

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir uns wiedersehen. Jedoch ist die Zeit jetzt noch nicht reif dafür. Auch Dein Opa, welcher Deinen Urgroßeltern an den Kopf warf: „Der wird den Jungen nie wieder sehen.“ kann dies nicht verhindern. Allein so etwas zu äußern zeugt von geistiger Armut. All diejenigen, welche solche Mittel und Methoden verwenden, um zu versuchen Menschen emotional zu zerbrechen, würden garantiert Personen als menschliche Schutzschilde benutzen.

 

Für mich eine gewaltige Lehre in puncto Menschenkenntnis. Dafür bin ich gewissermaßen dankbar. Nutze und bewahre Deine Neugier, um Dein Leben zu ergründen und selbstverantwortlich zu leben. Solltest Du irgendwann mal meine Hilfe benötigen, werde ich für Dich da sein. Es wird kommen. Du hast nur einen Papa, wie ich auch. Ich kann meinen Vater auch um Rat fragen, wenn ich denselben benötige. Allerdings würde sich mein Vater nie ungefragt in mein Leben einmischen. Aus diesem Grunde habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater und auch zu meiner Mutter.

 

Erwarte viel selbst vom Leben, denn es ist schön. Aber erwarte nichts von einzelnen Akteuren auf der Bühne Deines Lebens. Dann kannst Du nicht enttäuscht werden.

 

In diesem Sinne alles Gute und vielleicht bis bald.

 

Dein Papa mit Familie.

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