Tobi Prel

Ein Arschloch

Das Arschloch war der größte Monopolist aller Organe. Und das ließ es die anderen Körperteile auch spüren. Während von den Ohren, Augen, Beinen, Händen und Armen je zwei vorhanden waren, gab es nur ein Arschloch. Ja selbst die Nase hatte zwei Löcher, doch am unteren Ende des Körper befand sich nur eines ...

Früher war das Arschloch sehr beliebt gewesen. Es kümmerte sich darum den Müll raus zu bringen und zusammen mit dem Magen, Mund, Darm und Penis feierte es oft wilde Partys. Doch irgendwann wurde ihm dies langweilig, da es beim Feiern stets am längsten durchhielt.

Ein Spruch schließlich reichte, um das Arschloch aus der Bahn zu werfen. Höchst wahrscheinlich nicht einmal ernst gemeint und nur im Affekt von den Stimmbändern ausgespuckt, erfuhr es, wie das Gehirn und das Herz über es spotteten. Zunächst versuchte es das Gerede zu verdrängen, denn die Stimmbänder erzählten ja vieles, doch das Erfahrene nagte an ihm. "Erhaben sollte es sich aufführen, dabei besitze es doch nur eine simple, wahrscheinlich sogar die einfachste Aufgabe von allen Körperteilen." Doch das Gespotte bohrte sich tief in die Gefühle des Arschlochs.

Dann eines Tages hatte das Arschloch einen Gedanken, der es nicht mehr losließ ... "Wenn es nur eines von mir gibt, bin ich doch besonders und besitze etwas auf das die anderen angewiesen sind und das ihnen niemand sonst geben kann. Sie sind abhängig von mir. Wenn diese eingebildeten Spinner daher weiterhin wollen, dass ich meinen Job mache, müssen sie mich auch genauso besonders, nein besser sogar als sich selbst behandeln und mir bezahlen als den anderen. Denn nur ich weiß am besten, wie man meine Aufgabe meistert. Ich mache das ja schon ewig! Keiner sonst außer mir weiß wie das geht."

"Damit kommst du nie durch", sagte der Blinddarm. "Ich habe mal vor Ewigkeiten etwas ähnliches versucht und nun bin ich komplett nutzlos für den Körper. Sie haben mir einfach meine Aufgabe weggenommen." Doch das Arschloch ließ sich nicht beirren und begann seinen Trotzstreik. Es brachte nicht mehr den Unrat hinaus, sodass dieser sich im Darm und Magen staute.

"Was ist da unten los?" Fragte irgendwann die Leber, sie war höchst ungehalten, da sie mit dem Filtern der Gifte nicht mehr nachkam. Doch das Arschloch antwortete selbstbewusst, "wenn ich weiter meine Arbeit machen soll, will ich mit dem Gehirn reden, es soll mich besser bezahlen, schließlich bin ich das wichtigste Organ von allen". Die Leber lachte, "damit kommst du nie durch. Sieh dich an, du kannst ja kaum noch dicht halten". Doch das Arschloch verschloss sich fest, es kostete all seine Kraft, doch es hielt stand, Tage lang.

Irgendwann begann der Stau weniger zu werden und das Arschloch wunderte sich. "Hatte der Blinddarm recht? Haben die anderen zusammen eine andere Lösung für die Müllentsorgung gefunden? War es nun sinnlos geworden ..." Das Arschloch entspannte sich und fragte das Blut nach dem Grund, schließlich kam dieses viel herum und hörte einiges des Geredes der Anderen. Es teilte dem Arschloch mit, dass das Gehirn angeordnet hatte, den Müll durch den Mund wieder rauszubringen, auf dem selben Wege wie alles zuvor herein gekommen war. Das Arschloch war empört! "Was? Wie können sie es wagen, ich bin der Experte für die Müllbeseitigung, nicht dieser Schönling, am oberen Ende!" Und es spannte sich an, so fest wie es nur konnte, über Stunden und Tage, bis es sich selbst damit schmerzte. Es fühlte, wie sich seine Umgebung veränderte. Alles war so kraftlos. Das Blut teilte ihm mit, dass die anderen Organe ebenfalls langsam schwächer wurden und begannen krank zu werden. Dadurch das der Müll den gesamten Weg wieder nach oben musste, konnte keine richtige Verdauung stattfinden. Enzyme wurden nicht mehr gespalten und die Energie aus der Nahrung gelangte nicht mehr richtig in den Körper. "War das Arschloch zu weit gegangen? Alle leideten, nur weil er sich als etwas Besseres ansah, als ach so schlau und die gerechte Anerkennung dafür einforderte?" Doch sein schlechtes Gewissen hielt nicht lange an, denn ein paar Tage später kam wieder Müll zu ihm herunter. Das Blut brachte ihm die Nachricht vom Gehirn, dass es seinen gewünschten Lohn erhalten werde und schon mach kurzer Zeit war das Arschloch das wohlhabenste Organ. Es kümmerte sich wieder darum den Müll heraus zu bringen, wie früher, erhielt dafür aber das doppelte an Bezahlung. Nach ein paar Tagen wollte es eine Party schmeißen und die anderen Organe als Dank für das lange Ausharren während seines Streiks am neu gewonnenen Reichtum teil haben lassen. Die letzte Feier war auch schon eine Weile her und nun würden sie sicher verstehen, dass das Arschloch die ganze Zeit recht gehabt hatte und es dem arroganten Gehirn gezeigt hatte. Also übermittelte es dem Blut die Einladung an alle Organe mit, lehnte sich entspannt zurück und wartete einige Zeit auf deren Rückmeldung. Doch Stunden und Tage vergingen und es gab keine Zusage, nicht einmal eine Antwort eines der anderen Körperteile auf seine Anfragen. Also entschloss sich das Arschloch seine alten Freunde selbst zu besuchen.

Der Darm wollte nichts mehr mit dem Arschloch zu tun haben. Die Leber öffnete ihm nicht einmal die Tür. Der Blinddarm war verschwunden, wahrscheinlich umgezogen und der Penis war gestorben. In die Nähe des Herzens wurde es nicht gelassen und auch beim Gehirn gab es nach wie vor keine Audienz. Entsetzt und wütend kehrte das Arschloch nach Hause zurück. "War dies alles seine Schuld gewesen?" Er hatte doch nur konsequent das richtige getan, für sich selbst, um voran zu kommen. "Wieso sahen die anderen Organe das nicht ein?" Das Arschloch war doch so schlau gewesen und was hatte es jetzt davon? Großen Reichtum, aber keine Freunde mehr, niemand wollte etwas mit ihm zu tun haben. Nach vielen einsamen Jahren starb schließlich das Arschloch. Seine Erhabenheit war schon bald verblasst, gebettet auf goldenem Klopapier.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.09.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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