Karin Grandchamp

Flocke (Fiona)

Flocke war eine weiße Schäferhündin. Jan und Cecile hatten sie geschenkt bekommen, da ihr Besitzer(ein Freund von ihnen) beim Bund war und wurde ins Ausland versetzt. Leider konnte er sie nicht mitnehmen aber er wusste, dass sie es bei Jan und Cecile gut haben wird. Er konnte sie auch besuchen so oft er wollte, wenn er wieder einmal im Lande war . Flocke war trächtig aber Jan und Cecile hatten viele Freunde und keine Bedenken, dass sie die Welpen nicht los werden. Da Jan und Cecile kinderlos waren und Cecile gehbehindert war, freuten sich beide, dass Leben in ihre Wohnung einzog. Beide hatten sich entschlossen seit geraumer Zeit, ein kleines Häuschen am Rande eines Dorfes zu erwerben , da sie sehr naturverbunden waren und für den jetzt vierbeinigen Mitbewohner ,dies das Paradies auf Erden wäre. An Angeboten hatte es nicht gefehlt und sie machten sich auf, ein passendes Häuschen auch für die Behinderung von Cecile zu finden. Nach etwa sechs Monaten war es soweit und sie hatten den Kaufvertrag abgeschlossen. Jetzt ging es nicht mehr lange bis sie den Umzug machten und sich ihr Heim dort nach ihrem Geschmack einrichteten. Jan hatte ein großes Hundehäuschen für Flocke gebaut , musste sie aber trotzdem an die Leine legen, da sie nicht umzäunt waren und am Waldrand gewohnt hatten. Aus Angst, dass Flocke dem Wild hinterher rennt, war diese Lösung zunächst sicherer. Sie war zwar auch oft im Haus aber war es gewohnt draußen den Tag zu verbringen. Sie hatte sich schnell eingelebt in ihrem neuen zu Hause. Die nächsten Nachbarn waren fast einen Kilometer entfernt und so hütete Flocke tagtäglich das Domain. Jan arbeitete in der nächstliegenden Stadt, die nur 15 Kilometer entfernt war. Mit seinem Wagen eigentlich ein Katzensprung. Es war November, schon recht kalt, als Jan sich ums Brennholz kümmerte, damit sie erst mal genug zum Überwintern hatten. Alles schien perfekt , doch eines Tages ging Jan arbeiten , hatte die Hündin draußen angebunden, wie immer. Im Häuschen war es frisch, der Wind brauste an einem fort und Cecile holte sich Brennholz zum Heizen. Sie wollte auch Flocke ins Haus rein holen aber diese wollte lieber noch draußen warten bis Herrchen zurück kam. Nachdem Cecile das Kamin gespickt hatte, ein Kamin war schon immer ihr Traum, zündetet sie das Feuer an. Stolz saß sie vor dem Kamin , dachte sich, jetzt noch einen heißen Tee und besser könnte es nicht sein. Sie ging in die Küche und kochte sich einen Tee. Durch ihre Behinderung brauchte sie immer Zeit. Auf einmal fiel ihr auf, dass Rauch aus der Wohnstube kam und ging so schnell sie konnte , um zu schauen, an was es liegen könnte. Als sie in die Stube kam, war ein Kaminbrand ausgebrochen. Cecile versuchte ihn zu löschen, holte schnell ein paar Eimer Wasser in der Küche aber das reichte nicht zum löschen. Es qualmte überall im Haus und die Nachbarn hatten nichts davon mitbekommen. Schließlich waren sie ziemlich weit entfernt. Cecile wurde von diesem starken Qualm besinnungslos. Flocke bellte draußen laut, da er die Gefahr roch aber niemand konnte sie hören. Das Feuer hatte sich sehr schnell verbreitet und von Cecile war keine Spur zu sehen. Von Weitem sahen die nächstliegenden Nachbarn Rauch empor steigen und machten sich auf den Weg, um zu schauen, woher dieser Rauch kam. Dort angekommen, hatten sie das Haus in Flammen gesehen und verständigten sofort die Feuerwehr, die auch ein paar Minuten später an Ort war. Es gab nichts mehr zu retten, denn alles stand in Feuer und Flamme. Keiner wusste, dass Cécile im Haus war zu dem Zeitpunkt. Nachdem das Feuer gelöscht war, kam auch Jan von der Arbeit zurück. Er stand sprachlos da und wollte nur wissen, wo seine Frau war. Flocke winselte als wollte sie ihm mitteilen, was passiert war. Keiner der dortigen Anwesenden konnte Jan sagen, was aus Cecile geworden war bis einer der Feuerwehrleute zu ihm kam und ihm sagte, dass sie im Haus eine verkohlte Leiche gefunden hatten. Mehr brauchte man ihm nicht sagen, um zu verstehen, dass es sich um Cecile handelte. Er ging zu Flocke, nahm sie in den Arm und beide trösteten sich gegenseitig. Flocke war alles, was ihm geblieben war. Die Einwohner hatten sich zusammen getan , damit Jan wieder eine Bleibe hat. Jeder half ihm so gut wie er konnte. Das ganze Dorf hatte an seiner Trauer Teil genommen. Jan und Flocke waren seitdem unzertrennlich. Flocke hatte kurze Zeit später fünf Welpen zur Welt gebracht, darunter zwei weiße . Jan behielt die beiden weißen für sich, da sie Flocke sehr ähnlich waren. Zwei Jahre später wurde Flocke krank. Durch die Überzüchtung hatte sie, wie man so oft hört heutzutage, Dysplasie. Sie konnte kaum noch laufen. Jan hätte sie gerne noch behalten, da sie noch nicht sehr alt war aber er wollte auch nicht, dass sie ihr Hinterteil immer hinter sich herziehen musste, wenn sie notgedrungen raus musste. Es hätte eine Möglichkeit gegeben, ihr ein Rollwägelchen zu kaufen, damit ihre Hinterläufe somit nicht bewegen musste. Leider hatte er das Geld nicht dafür. Wieder einmal von Traurigkeit besessen, hatten alle im Dorf sich zusammen getan und eine Kollekte gestartet für Flocke. Als sie das Geld zusammen hatten, brachten sie es Jan, er solle für Flocke das notwendige Teil kaufen. Die beiden Flöckchen tanzten stets um ihn herum. Jan war den Dorfbewohnern sehr dankbar und kaufte für Flocke diese Gehhilfe. Sie lebte noch ein paar Jahre glücklich bei Jan und ihren beiden Nachkommen. Eines Tages schlief Flocke ein und erwachte nie wieder. Der Abschied fiel Jan schwer aber sie hatte das Glück, bei Jan gelebt zu haben, der alles Erdenkliche für sie getan hatte. Nachdem Jan viel durchgemacht hatte in diesem Dorf, verließ er es mit den beiden Flöckchen um ein neues Leben zu beginnen und hatte nach Jahren ein von Glück und Liebe erfülltes Leben gefunden. Die Fotos von Cecile und Flocke hatten in seinem neuen Heim einen unübersehbaren Ehrenplatz erhalten.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.09.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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