Peter Kröger

Der Roman

 

Er war ein Roman.
Er war ausgelesen.
Er lag auf dem Boden in einer Ecke des Zimmers und schwieg.

Seine Zeit war vorbei. Tanja hatte ihn verschlungen und bittere Tränen vergossen. Eben war sie gegangen, wohin, es blieb ihm verborgen, tagsüber war sie fort, aber sie würde zurückkehren am Abend, sie kehrte immer zurück. Diesmal wohl mit einem neuen Roman, einem Nachfolger. Damit rechnete er. Das war der Lauf der Dinge.

Er hatte Wort gehalten. Nicht etwa zuviel versprochen auf dem Büchertisch, wo seine Brüder neben ihm lagen und um Käufer buhlten. Sie hatte in ihm herumgeblättert und ihn heimgetragen. Sie hatten Feuer gefangen. Er hatte Tanja geliebt und sie ihn. Sie hatte ihn gehalten, drei Nächte lang, und ihn nicht losgelassen. Nicht schlecht für ein Häufchen Papier, dachte er, gar nicht übel. Er hatte gerüchteweise von einem Leben in staubigen Regalen gehört, abgelegt, vergessen, ungelesen. So enden? Um nichts in der Welt. Selbst an ein Weiterleben auf dem Nachttisch einer sogenannten guten Freundin, empfohlen und verkannt, war nur mit Schrecken zu denken. Er hatte Tanjas Herz erobert, Nächte der Leidenschaft erlebt an ihrer Seite, hatte ihr Schluchzen vernommen und ihr Trost zugesprochen. Er war kein Gigolo. Das Glück war unteilbar. Das klang altmodisch. Es kümmerte ihn nicht.

Das Feuer im Hausflur, er roch es. War es gelegt? Am Ende seinetwegen? Wer bitte tat so etwas? Egal, es war die Rettung. Was konnte er? Was konnte ein Roman tun? Gefallen. Betören. Verbrennen. Tanja stöberte bei den Brüdern. Sie war in Sicherheit. Die Flammen fraßen sich in alle Winkel, der Rauch machte ihn müde und ließ ihn schlafen. Die Minuten vergingen. Asche stieg auf. Hell loderte der Gedanke.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.09.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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