Mario Morgenroth

Freitags beim Arzt

Als jemand, der nach einigen Negativerfahrungen versucht jeden Arztbesuch zu vermeiden, ist es für mich eine Katastrophe...wenn sich ein unvermeidbarer Gang zum Arzt ankündigt. So wie die Tage, wo ich einen Augenarzt aufsuchen musste, da alle Versuche der Selbstheilung fehlschlugen. Am Telefon von den Schmerzen berichtet, durfte ich auch sofort kommen. Nachdem ich die Eingangstür zur Straße öffnete, stand ich auch schon gleich in der Patienschlange. Nach gefühlt einer Stunde stand ich dann ganz vorne, am Empfang. Name an und Karte abgegeben, wurde ich ins Wartezimmer gebeten. Das war bis zum letzten Platz gefüllt, sodass ich im Stehen nochmal eine Stunde (nicht gefühlt, sondern gemessen) wartete...bis man meinen Namen aufrief. "Klasse", dachte ich, in Anbetracht der vielen Patientien war das nur eine sehr kurze Wartezeit. Aber zu früh gefreut, man ließ mich lediglich wissen, dass meine Karte nicht mehr gültig sei...auch wenn sie laut eingedrucktem Gültigkeitsdatum noch lange nicht abgelaufen ist. Alle Vorschläge meinerseits (bei Krankenkasse anrufen usw) halfen nichts - man gab mir zu verstehen, dass ich ohne gültige Karte keine Chance auf eine Behandlung hätte. Also ab nach Hause und alle Schubladen durchwühlen.

Tatsächlich fand ich dann eine Karte, deren Gültigkeitsdatum noch weiter in die Zukunft reicht. Zurück zum Arzt und hinten anstellen. "Habe sie gefunden" berichtete ich erleichtert...dann zeigte ich meine Karte vor - und erntete ein Kopfschütteln. "Nein, die ist auch nicht gültig" hörte ich die junge Dame sagen, bevor sie mich abermals fortschickte. Da war ich bereits bedient, aber ich war ja derjenige...der Schmerzen hatte - und so blieb mir nichts anderes übrig als zur Geschäftstelle meiner Krankenkasse zu laufen, denn Autofahren konnte ich da bereits nicht mehr. Beim Laufen nahm ich dann noch einen Mülleimer, einen Laternenpfahl und diverse Passanten mit, denn ich lief inzwischen so gut wie blind durch die Gegend, da mir das Sonnenlicht höllische Schmerzen bereitete. Irgendwann erreichte ich dann mehr tastend als sehend die Geschäftsstelle meiner Krankenkasse. Dort hatte man mich wenigsten freundlich empfangen und nach einer kurzen Zeit festgestellt, dass mir die aktuell gültige Karte...die ich niemals in Empfang genommen hatte...bereits 2016 zugestellt worden ist- zumindest theoretisch, denn in diesem Jahr zog ich beruflich bedingt dreimal um. Die nette, und nebenbei auch sehr attraktive Dame....stellte mir ein zeitlich befristetes Schreiben aus, welches bestätigte, dass ich versichert bin und die Kasse die Kosten für die ärztliche Behandlung begleicht. Also ein dritter Versuch beim Arzt- inwischen aber mit zerrissenem Hemd und einer Platzwunde am Kopf.

Und tatsächlich, ab sofort war ich ein offizieller und gern gesehener Patient. Nachdem ich eine weitere Stunde im Wartezimmer vor mich hin blutete, wurde ich zur Behandlung aufgerufen - sollte aber erst mal in einem Vorbehandlungsraum Platz nehmen. Dort fragte mich eine Frau mittleren Alters, die nach eigenen Angaben erst vier Tage in der Praxis beschäftigt war...und die aus ihre Inkompetenz auch keinen Hehl machte...wo denn der Schuh drückt. Ich fing meinen Satz gerade erst an, da meldete sich eine weitere Frau...die sich in der Nähe aufhielt zu Wort und sagte zu ihrer Kollegin: "die Symptome sind eindeutig, da müssen wir eine Druckprüfung machen". Und bevor ihre Kollegin antworten konnte...nahm sie zu mir Blickkontakt auf...um zu ergänzen: "das kostet 25 Euro, die sie selbst bezahlen müssen". Um das festzuhalten: beide waren weder Ärztinnen, noch wurde ich bis dahin untersucht. Und von irgendwelchen Symptomen hatte ich bis dato noch gar nicht berichtet. Ich ließ die Damen wissen, dass ich erst mal zum Arzt will, bevor ich mich für irgendwelche kostenpflichtige Leistungen entscheide. Sichtlich angefressen schob mir der Praxisdrachen ein Formular unter, das ich unterschreiben sollte. Ich sollte quasi dafür unterschreiben, dass ich auf eine ihrer Meinung nach notwendige aber kostenpflichtige Untersuchung verzichte. Dafür wird sie, um das vorweg zu nehmen, ein Schreiben von meinem Anwalt erhalten. Zwar ohne jede Aussicht auf Erfolg, aber als eine Art Denkzettel - das ist mir die Sache wert.

Der Arzt selbst, der war absolut ok. Er war freundlich, kompetent - und er nahm sich sehr viel Zeit. Ein übervolles Wartezimmer ist eben der Preis dafür, den der Patient bezahlt, wenn ein Arzt seinen Job ernst und sich für seine Patienten Zeit nimmt. Das "Problem" sind selten die Ärzte selbst, sondern die Damen um sie herum. In Berufen, bei denen es zu Kundenkontakt kommt, haben Frauen absolut nichts verloren. Sie sind launisch, unprofessionell - und sie tragen ihre Zickenkriege vor der Kundschaft aus. Dergleichen erlebt man niemals bei Männern - höchstens bei schwulen Männern.

Ich werde jetzt nach Büchern wie "Wie amputiere ich mir selbst Glieder", oder "Eigen-Herz-OP mit Hilfe einer VR-Brille" Ausschau halten und mir ausreichend Morphium zulegen, damit ich nie wieder eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsuchen muss.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.09.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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