Brigitte Waldner

Schaug ma, wås noch geht…


… sagte der Nachbar zu seiner Frau,
stand in seinem Garten,
stützte die Hände in die Hüfte
und blickte auf mein Haus herüber,
während die Handwerker voriges Frühjahr
eine Videoüberwachungsanlage installierten.

Schaug ma, wås noch geht,
sagte auch die Nachbarin,
die neben ihrer Stinkmorchel stand,
verblüfft über die Montage der Kameras,
aber kein bisschen abgeschreckt.
Ich hörte die Worte und ahnte das Böse eskalierend,

durchschaute es aber nicht,
und konnte dagegen nichts machen.
Die Kiwara versagten, wenn man sie rief,
als wenn sie Komplizen wären.
Am aggressiven Geruch erkannte ich die Nachbar-Räuber,
sie waren und sind immer überparfümiert.

Da standen sie, mehr breit als hoch,
und waren erst mal paff,
das änderte aber nichts an ihrer Einstellung,
ihr Hobby - mein Haus nach und nach zu durchwühlen,
auszuplündern, chaotisch zuzumüllen,
und Sachschäden absichtlich zu verursachen, fortzuführen.

Noch in derselben Nacht hörte ich wieder Schritte im Dachboden,
ich hoffte, es wären nur Ratten.
Ich traute mich nicht hinauf,
nicht wegen der Ratten, sondern der Nachbar-Räuber wegen,
sie waren immer bewaffnet mit Revolver und Handy-Kamera.
Sie waren zu zweit, der Schritte entnommen, Vater und Sohn - wie öfters.

Am nächsten Tag sah ich nach,
ob die dort versteckte Dose mit meinem Geld noch da war.
die ich erst einen Tag vorher dort versteckt hatte,
nachdem meine Geldkassette, das Sparschwein,
die Brieftasche und andere Verstecke
in den unteren Räumen permanent geplündert wurden.

Sie war noch dort, eine Dose unter vielen Dosen,
die 35.000 Euro Bargeld wurden als Beute mitgenommen,
dann liefen sie weiter durch den Dachboden
erbeuteten noch andere Sachen, auch im ersten Stock.
Sie kamen und verließen das Haus über die Balkontüre,
die sie vom geschlossenen Zustand ausgehebelt hatten.

Noch ehe die Videoanlage in Betrieb ging,
wurde eine größere Plünderung durchgeführt,
die sich über mehrere Stunden zwischen 1 und 4 Uhr
erstreckte. Auf der Straße war kein Verkehr,
die südliche Nachbarin war sterbenskrank.
Die Nachbar-Räuber versäumten keine Gelegenheit.

Am Morgen, als ich nachsah, stand die Balkontüre offen,
wie so oft, wenn sie in mein Haus einbrachen.
Schaug ma, wås noch geht, sagte er,
der das Kosewort parfümierte Stinkmorchel verdient,
schaug ma, wås noch geht.
Die Worte gehen mir nicht mehr aus dem Kopf.

© Brigitte Waldner

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